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    Neue Investitionsmöglichkeiten für Russlands Bürger

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    MOSKAU, 10. Juni (Nina Kulikowa, wirtschaftspolitische RIA-Nowosti-Kommentatorin).

    Die Anteilinvestmentfonds (russ. Abk.: PIF) sind zwar ein junges Instrument des russischen Effektenmarktes, jetzt ruft er aber bei russischen Anlegern immer größeres Interesse hervor. Deshalb billigte Russlands Regierung Anfang Juni einen Gesetzentwurf über Änderungen der Gesetze „Über den Wertpapiermarkt" und „Über die Investmentfonds". Damit werden die administrative Belastung der Teilnehmer des Wertpapiermarktes verringert und das Institut des kollektiven Investierens verstärkt.

    Noch vor kurzem gab es in Russland praktisch keinen Wertpapiermarkt. Als er entstand, standen seiner Entwicklung die allgemeine Schwäche des Finanzsystems, das von den Finanzkrisen der 90-er Jahre verursachte Misstrauen der Bevölkerung, die hohen Marktrisiken, aber auch der Mangel überschüssiger Mittel, welche die Menschen mit Risiko einsetzen könnten, im Wege.

    Mit dem Beginn der wirtschaftlichen Stabilisierung wuchs aber auch der Effektenmarkt. Immer mehr russische Unternehmen, die nach zusätzlichen Finanzressourcen suchen, überlegen nun die Unterbringung ihrer Aktien auf nationalen und internationalen Börsen.

    Nun muss sich auch die Bevölkerung mehr darüber informieren, wie der Mechanismus des Effektenmarktes funktioniert. Traditionsgemäß haben die meisten russischen Bürger ihre Ersparnisse in Devisen gehortet, die Dollar- und Euro-Schwankungen machen das aber immer weniger einträglich. Der Bankensektor bietet bestenfalls Jahreszinsen an, die gerade mal die offizielle Jahresinflation wettmachen können. Das zwingt die Menschen, nach neuen Möglichkeiten für die Investition ihrer Ersparnisse zu suchen.

    Heute wenden sich die Investoren immer häufiger kollektiven Investitionen und in erster Linie den PIFs zu. Nach Angaben der russischen Effektenbörse RTS, beläuft sich der Umfang der Aktiva der kollektiven Investitionsinstrumente bereits auf mehr als 200 Milliarden Rubel. Allein im letzten Jahr hat sich dieser Umfang verdreifacht. Nach Ansicht von Oleg Wjugin, Leiter der Föderalen Behörde für Finanzmärkte, entwickelt sich der russische Markt der kollektiven Investitionen in einem guten Tempo.

    In vieler Hinsicht erfolgt das deshalb, weil die Rentabilität der PIFs wesentlich höher ist als die im Bankensektor. Die PIF- Rentabilität von rund 20 Prozent bei den Aktien und um 15 Prozent bei den Obligationen gilt als gut. In den besseren Fonds lagen aber die Jahresrenditen bei 50 bis 60 Prozent.

    Unter den individuellen PIF-Kunden dominieren junge Leute mit größeren Ersparnissen. Solche gibt es vorerst nicht viel. In Moskau sind die Einkommen bekanntlich mehrfach höher als in den Regionen. Dementsprechend erwirbt ein Durchschnittsanleger in Moskau nach Angaben der Nationalen Geschäftsführer-Liga einen Anteil im Wert von etwa 2000 US-Dollar und in Sankt Petersburg von rund 1000 Dollar. Im Landesdurchschnitt ist diese Summe noch geringer. Dennoch erwarten die Experten eine aktivere Expansion von Geldverwaltungsgesellschaften in den Regionen, weil die Bevölkerung immer wohlhabender wird.

    Die Zielgruppe der PIFs sind Leute zwischen 25 und 45 Jahren. Die Jüngeren haben meist nicht das notwendige Geld, während die Älteren kein Vertrauen zu den neuen Instrumenten haben und sich kaum überreden lassen.

    Die PIFs investieren die Mittel in Aktien und Obligationen russischer Unternehmen. Wie die Marktteilnehmer behaupten, verzichten sie dabei allmählich auf die Priorität der Rohstoffbranchen angesichts der damit verbundenen hohen politischen Risiken. Das Geld fließt zunehmend in den Einzelhandel, in die Telekommunikationsbranche und andere Wertpapiere der 2. und der 3. Reihe. Insofern könnten die PIFs bei einem noch schnelleren Wachstum zu einem Entwicklungsansporn für Investitionsprojekte in den nicht mit Rohstoffen verbundenen Bereichen werden.

    Das Hauptproblem des kollektiven Investierens besteht darin, dass die PIFs dem Investor nichts garantieren. Alle Risiken trägt der Anleger. Der gewünschte Effekt könnte auch ausbleiben. Während es im Bankensektor ein System der Kontoversicherung gibt, so bleiben solche Entschädigungsmechanismen für die Kunden in anderen Finanzgesellschaften aus.

    Der von der Regierung gebilligte Gesetzentwurf löst dieses Problem nicht, er soll lediglich die Kontrolle auf dem Wertpapiermarkt und in der Sphäre der kollektiven Investitionen etwas mildern. Die Behörden wollen unter anderem die Anzahl der für die Wertpapieremittenten geltenden Normen und Regelungen verringern. Wie Wjugin sagte, verfüge seine Behörde ohnehin über ausreichende Vollmachten für die Regelung dieses Bereichs. Mit dem Gesetz sollen auch andere überflüssige bzw. parallele Funktionen der Föderalen Behörde für die Finanzmärkte beseitigt werden.

    In einem von dieser Behörde konzipierten Entwurf der Entwicklungsstrategie für die Finanzmärkte bis zum Jahr 2008 ist die Idee, Kompensationsmechanismen zu schaffen, schon vorhanden. Ihre Einführung könnte die weitere Entwicklung des Marktes fördern. Gewisse Garantien vor Verlusten würden immer breitere Bevölkerungsschichten zur Teilnahme an diesem Markt animieren. Nicht klar ist allerdings noch, aus welchen Mitteln die Kompensationsfonds finanziert werden sollen. Am besten sollten die Institute des Finanzmarkts selbst solche Fonds gründen, meint Wjugin.

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