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    Einnahme-Überschuss des russischen Haushalts soll örtlichen Wertpapiermarkt wachrütteln

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    MOSKAU, 14. Juni (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti). Die Regierung Russlands hat vor kurzem mit einer Diskussion über den Finanzplan für die Jahre 2006/2008 begonnen.

     Der Haushalt für 2006 soll erst im Dezember, nach einer detaillierten Prüfung und Bestätigung durch das Parlament, angenommen werden. Aber jetzt schon wurde bekannt, dass der vom Finanzministerium erstellte mittelfristige Finanzplan für 2006/2008 im nächsten Jahr einen Einnahme-Überschuss im Etat von 17,8 Milliarden Dollar vorsieht. Allein schon diese Tatsache soll dem vor sich hin dümpelnden Wertpapiermarkt Russlands Aufwind geben.

    Der russische Aktienmarkt kann kaum als ein richtiger Markt bezeichnet werden, obwohl er schon seit über zehn Jahren existiert. Das ist eher ein kleiner Laden an einer entlegenen Station, wo es höchstens alle 30 Tage zu einer Belebung kommt, wenn die örtlichen Eisenbahnarbeiter ihren Lohn bekommen. Einer gewissen Nachfrage erfreuen sich auf dem russischen Markt größtenteils die so genannten Blue Chips. Deren Zahl beträgt nur zehn, während die Zahl der Aktien zweiter Reihe bei mehr als 40 000 liegt. Aber diese Papiere sind wenig gefragt.

    Die russischen Finanzbehörden machten bereits mehrmals auf diesen Mangel der Wirtschaft aufmerksam. Vor einem Jahr hatte der Chef des Föderalen Dienstes für Finanzmärkte Russlands, Oleg Wjugin, sogar in einer Kabinettssitzung diese Frage aufgeworfen. Es komme darauf an, dem Effektenmarkt zu helfen, die Aktien zweiter Reihe in Aufschwung zu bringen. Im vergangenen Winter, nachdem die internationale Ratingagentur Standard & Poor's Russlands Bewertung auf die Investitionsstufe gehoben hatte, sagten mehrere Analysten eine bedeutende Erhöhung der ausländischen Investitionen in russische Wertpapiere voraus. Alle hofften darauf, dass dieser frische Wind den örtlichen Wertpapiermarkt wachrüttelt, und die Aktien zweiter Reihe bessere Notierungen verzeichnen werden. Aber es kam zu keiner Belebung. Die absolute Stille wurde allerdings dank diversen Meldungen aus dem Gerichtssaal, wo dem früheren Yukos-Konzernchef Michail Chodorkowski der Prozess gemacht wurde, bald durch ein Auf bald durch ein Ab abgelöst. Jetzt wurde das Land auch um diese Reizquelle auf dem Markt und somit um die Index-Schwankungen gebracht, an denen man etwas verdienen konnte. Aber jetzt erhielt der Effektenmarkt eine unerwartete Stütze. Es stellte sich heraus, dass in dieser Situation lieber nichts unternommen werden sollte. Der Einnahme-Überschuss wird für sich sprechen, wenngleich dieser Eckwert im Jahr 2007 auf 11,2 Milliarden Dollar sinken und 2008 nur 12,5 Milliarden Dollar betragen wird. Die Erfahrungen zeigen, dass diese Zahlen zum Jahresende bedeutend steigen könnten. Nach einer Prognose des Finanzministeriums beträgt der Einnahme-Überschuss des föderalen Haushalts für dieses Jahr 40,4 Milliarden Dollar, was um 30,5 Milliarden Dollar mehr ist als vom Gesetz "Über den föderalen Haushalt 2005" vorgesehen. Laut Berechnungen der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Spareinlagenbank Russlands (Sberbank), Bella Slatkis, wird der reale Überschuss in diesem Jahr mit höchstens 28 Milliarden Dollar etwas geringer sein. Dennoch wird sich das überaus ernsthaft auf die Finanzströme im Lande auswirken. Der Staat wird so viel liquide Zusatzmittel erhalten, dass sich die Anleihen auf dem Binnenmarkt in der zuvor geplanten Höhe erübrigen. Allerdings dürfte der Umfang der Mittel für die Bedienung der Außenschulden konstant bleiben. Slatkis zufolge solle Russland in den nächsten fünf Jahren zwischen 5,5 und 10,0 Milliarden Dollar aufbringen. Es wird keinen Sinn mehr haben, Geld in staatliche Wertpapiere zu stecken, weil die Zinsen auf diesem Markt negativ sein werden. Es wird unmöglich sein, in den nächsten eineinhalb Jahren mit staatlichen Wertpapieren etwas zu erwirtschaften.

    Es zeichnet sich eine Tendenz ab, dass traditionelle Marktteilnehmer ihre Interessen auf andere Papiere und andere Instrumente umorientieren. Dabei ist ihre Wahl nicht sonderlich groß. Subföderale und korporative Papiere könnten eine Alternative zu den staatlichen Wertpapieren werden. Slatkis teilte mit, dass die Sberbank "korporative Aktien zweiter Reihe ankurbeln" will.

    Somit werden nicht nur die Anleihen, sondern auch die Aktien zweiter Reihe einen neuen Lebensabschnitt durchmachen. Als erste werden höchstwahrscheinlich Papiere von Betrieben der Konsumbranche steigen. Dieser Sektor der russischen Wirtschaft erlebt derzeit eine stürmische Entwicklung, weil der Geldumsatz in dieser Sphäre am schnellsten ist. Zudem sind Aktien von Betrieben der Konsumsparte im Vergleich zu den Öl- oder Metallurgiewerten weniger sensibel gegenüber makroökonomischen und politischen Faktoren.

    Der russische Markt scheint die bevorstehenden Wandlungen gespürt zu haben und begann sich gründlich darauf vorzubereiten. Mehrere russische Firmen unternahmen auf dem örtlichen Markt Erstplatzierungen. Zuerst ging der Mischkonzern AFK Sistema mit seinen IPO's an die Börse. Darauf folgten der Metallurgiekonzern Mechel, der Lipezker Saftproduzent Lebedyanski und die Bäckerei "Chleb Altaja" im Kuban-Land. In nächster Zeit planen mehrere andere Betriebe des Konsumsektors einen Börsengang, darunter die Einzelhandelsnetze "Kopejka" und "Arbat-Prestige" wie auch das Flugunternehmen Transaero. Das Handelshaus "Perekrjostok", die Telekomfirmen MegaFon und MTS sowie "Chleb Altaja" wollen mit neuen Obligationen auf den Markt gehen.

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