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    MOSKAU, 14. Juni (RIA Nowosti)

    "Nowyje Iswestija"

    Russland verzichtet bei den ärmsten Ländern auf Schuldenrückforderung

    Bei dem Treffen der Finanzminister der G8 in London wurde beschlossen, die Schulden der 18 ärmsten Staaten zu streichen. 2005 wird Russland auch auf die Rückforderung von Krediten verzichten, die auf bilateraler Grundlage gewährt wurden. Das wurde nach einem Treffen zwischen Wladimir Putin und dem britischen Premier Tony Blair am Montag in der Vorstadtresidenz Nowo-Ogarjowo bekannt, schreibt die "Nowyje Iswestija" am Dienstag.

    Damit erhielt der britische Spitzenpolitiker Unterstützung im Vorfeld der G8, in der Großbritannien in diesem Jahr den Vorsitz führen wird.

    Die edle Geste der Abschreibung der afrikanischen Schulden wird Russland rund 2,2 Milliarden Dollar kosten. Wie Russlands Finanzminister Alexej Kudrin allerdings einräumte, waren die Chancen für eine Rückzahlung dieser Schulden ohnehin verschwindend gering.

    Moskau wird zugleich Großbritanniens Unterstützung sehr bald brauchen. In einem Jahr wird Russland den Vorsitz in der G8 übernehmen; Moskau wird auch die Tagesordnung des nächsten Gipfels festlegen. Deshalb gab der russische Präsident bei der Begrüßung Tony Blairs in Nowo Ogarjowo klar zu verstehen, dass er in Zukunft auf eine Unterstützung seiner Initiativen durch London rechne.

    Die Schulden der Entwicklungsstaaten an die Ex-UdSSR waren hauptsächlich infolge von Lieferungen der sowjetischen Militärtechnik entstanden, für die sogenannte Sonderkredite galten. Mit seinem Beitritt zum Pariser Klub büßte Russland automatisch die Möglichkeit ein, die Schulden für die Lieferungen nicht nur von Kampftechnik zurückzufordern, sondern auch für Medikamente, die "für den nationalen Befreiungskampf gegen den Weltimperialismus" bereitgestellt worden waren. Als Folge verringerten sich die Schulden anderer Länder gegenüber Russland von 165 auf 50 Milliarden Dollar.

    Die Abschreibung der Schulden der ärmsten Länder ist eine übliche Praxis der Mitgliedsstaaten des Pariser Klubs. Deshalb hatte Russland beispielsweise Anfang dieses Jahres auch 73 Prozent der Schulden Syriens gestrichen, die hauptsächlich ebenfalls aus sowjetischen Krediten für Waffenlieferungen bestanden hatten, schreibt die Zeitung.

    "Bisnes"

    Russland und Europa wollen neue Weltraumfähre bauen

    Bei der Entwicklung der neuen russischen Weltraumfähre "Clipper" werden Russland und Europa Partner sein, berichtet die Tageszeitung "Bisnes" am Dienstag. Die Realisierung des politischen Projekts, das mehrere Milliarden kosten soll, wird aber unweigerlich auf organisatorische und technische Fragen stoßen.

    Anatoli Perminow, Chef der russischen Weltraumbehörde Roskosmos, und der Präsident der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), Jean-Jacques Dordain, einigten sich darauf, dass der erste Flug des neuen Schiffs spätestens 2011 stattfinden soll. "'Clipper' wird im Rahmen der Internationalen Weltraumstation ISS sowie bei Projekten eingesetzt, die mit der Mond- und Mars-Forschung verbunden sind", erklärte Perminow bei seinen Verhandlungen mit Dordain. Das Projekt würde die Möglichkeit bieten, eine langfristige Zusammenarbeit auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt zu ermöglichen.

    Derart rosige Äußerungen des Roskosmos-Chefs werden von Fachleuten der russischen Weltraumbranche nicht geteilt. "Zunächst muss man beschließen, welche Rakete für die ‚Clipper'-Transport in die Umlaufbahn eingesetzt wird", erfuhr das Blatt von einem Insider aus der Weltraumbranche. "Clipper" wird 14,5 Tonnen wiegen. Die Trägerrakete des Typs "Sojus" kann maximal 8,5 Tonnen in den Orbit bringen. Die gemeinsame russisch-ukrainische Rakete des Typs "Zenit", deren Leistung dazu ausreichen würde, wurde nach "orange Revolution" inoffiziell "zurückgestellt".

    Der Wert des "Clipper"-Projekts würde eindeutig mehr als eine Milliarde Dollar betragen. "Für Europa ist dies eine rein politische Frage, einen wirtschaftlichen Effekt wird es keinen haben", meinte der Sprecher der Weltraumbranche.

    Unklar bleiben auch Mechanismen der Finanzierung. Die Teilnehmerländer des Projekts stehen vorerst nicht fest, davon hängt aber die Bereitstellung der Mittel ab. Ein jedes Land, das am Projekt teilnehmen will, steuert Mittel bei, die es in der Form von Bestellungen in vollem Umfang zurückbekommen soll. "Wenn schon der Transfer einer wesentlich geringeren Summe von 130 Millionen Euro im Rahmen des Projekts ‚Sojus - Kourou' (der Bau eines Startkomplexes für die russischen Trägerraketen "Sojus" am Kosmodrom Kourou im Französisch-Guiana im Nordosten Südamerikas) ein Problem geworden ist - was kann man da von einem Projekt im Wert von Milliarden sagen", gibt der Sprecher zu bedenken.

    "Iswestija"

    Bill-Gates-Flugzeuge werden in Russland montiert

    Flugzeuge, die seinerzeit von Bill Gates entwickelt wurden, sollen nun in Russland montiert werden. Sein früherer Kollege Roel Piper, Direktor des Europäischen Forschungszentrums für Technologien und Investitionen (ETIRC), will die Produktion der Maschine vom Typ Eclipse 500 im Flugzeugwerk Aviastar in Uljanowsk aufnehmen, berichtet die "Iswestija" am Dienstag.

    Eclipse 500 ist in Amerika gut bekannt. Immerhin gehörte Bill Gates, der berühmte Gründer der Gesellschaft Microsoft, zu den Hauptautoren des Projekts. Er ist auch der zweitbedeutendste Aktieninhaber des Unternehmens Eclipse Aviation.

    Diese Maschine für sechs Insassen ist für Charterflüge auf Strecken von 500 bis 1000 Kilometer bestimmt, wobei die Ticket-Preise mit denen für einen normalen Linienflug vergleichbar sind. Die maximale Fluggeschwindigkeit beträgt rund 700 km/h. Eine Maschine kostet rund 1,3 Millionen Dollar.

    Der einzige Betrieb für die Produktion dieser Maschinen befindet sich in Amerika. Nun setzte Gates' Kollege Roel Piper auf Russland, wo es seinen Worten nach viele leer stehende Produktionsflächen in leistungsstarken Flugzeugwerken gebe, die er nun nutzen will.

    Der Betrieb Aviastar, spezialisiert auf die Produktion von großen Tupoljew-Maschinen, steckt seit langem in der Krise. Seine Kapazitäten werden lediglich zu 20 Prozent ausgenutzt. Deshalb wurde das Angebot der Amerikaner mit Enthusiasmus aufgenommen.

    "Die Verluste infolge der Nichtnutzung der freien Produktionsflächen des Betriebs belaufen sich auf mehrere Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,47 Rubel)", erklärte der Aviastar-Generaldirektor Viktor Michailow. "Wir könnten die Produktion innerhalb von sechs Monaten umstellen."

    Alle Ausgaben, die mit der Neuausrüstung von Werkhallen und die Umschulung des Personals verbunden sind, übernimmt der Investor, schreibt die Zeitung.

    "In das Projekt werden mindestens 80 Millionen Dollar investiert", teilte Daniil Kaschdan, ETIRC-Vertreter und Generaldirektor der Gesellschaft Eclipse Europa, mit. "Jetzt haben wir von Großunternehmern eine Bestellung für 100 Eklipse-Maschinen bekommen. Dabei zahlen sie voraus."

    Die Seiten unterzeichneten bereits ein Kooperationsprotokoll. Die Neuausrüstung der Aviastar-Produktionsflächen soll im September dieses Jahres beginnen.

    "Wedomosti":

    Russlands Unternehmen verlieren Positionen auf der globalen Liste der größten Firmen

    Die Präsenz Russlands unter den 500 größten Unternehmen der Welt, deren Liste von der "Financial Times" zusammengestellt wird, ist erstmals zurückgegangen, und zwar von sieben auf vier, schreibt die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Dienstag. Aus verständlichen Gründen schied die Ölfirma Yukos aus, das Schicksal dieses Unternehmens beeinflusste aber den gesamten Effektenmarkt und die "Kapitalisierung des Landes".

    Die erste russische Gesellschaft, die 1997 auf die FT-500-Liste kam, war Gasprom mit einer Kapitalisierung von 7,9 Milliarden Dollar. Das nächste Jahr, in dem Russland eine Finanzkrise erlebte, traf aber selbst diesen Gasgiganten. Erst seit 2002 hat Russland in dieser angesehenen Liste richtig Fuß gefasst. Damals wurden die große Öl-Troika (Yukos, Surgutneftegas und Lukoil) und Gasprom in den Kreis der globalen Spitzenreiter aufgenommen. Ein Jahr später waren es schon fünf und 2004 sieben Unternehmen.

    In diesem Jahr sind es aber wieder vier. Nicht auf die Liste kamen der Strommonopolist RAO EES Rossii und die Hüttengesellschaft Norilsk Nickel (der weltgrößte Buntmetallproduzent), deren Kapitalisierung auf rund 12,5 Milliarden Dollar zurückging. Yukos kostet heute lediglich 1,26 Milliarden Dollar gegenüber 29,42 Milliarden vor einem Jahr. Die gleiche Tendenz ist auch in der Liste der größten Unternehmen Osteuropas zu verfolgen: Die Anzahl der russischen Firmen ist von 45 auf 39 zurückgegangen, stellt das Blatt fest.

    "Die sinkende Kapitalisierung der größten russischen Unternehmen ist besorgniserregend, denn es ist sowohl für die Unternehmen als auch für das Land ehrenvoll, in der FT-Liste präsent zu sein", stellt Alexander Kandel, Generaldirektor der Investmentgesellschaft Aton, fest.

    "Offensichtlich verlieren wir Osteuropa beim Wachstum des Effektenmarktes infolge des Falls Yukos und anderer politischer Risiken."

    Mit den gleichen Faktoren erklärt Dmitri Ussanow, Direktor des Amtes für Beziehungen mit den Investoren der Holding Norilsk Nickel, die Verringerung der Kapitalisierung seines Unternehmens. Nach Ansicht von Andrej Subkow, Vizepräsident der Investmentbank "Trast", hat die sinkende Kapitalisierung von RAO EES andere Ursachen: 2007 soll die Stromholding ihre Existenz als eine einheitliche Gesellschaft beenden.

    Ilja Stscherbowitsch, Präsident der Vereinigten Finanzgruppe, ist der Auffassung, dass die FT-Liste kein Indikator der investitionellen Attraktivität der russischen Unternehmen sei. Im Gegenteil: Für Investoren seien billige Gesellschaften mit einem hohen Wachstumspotential interessant, meint er.

    "Gaseta"

    Nortgas gehört wieder zu Gasprom

    Die Konfrontation zwischen Gasprom und Nortgas ist beendet. Am Freitag gaben die Aktionäre dieses Privatunternehmens das Kontrollaktienpaket von Nortgas an Urengoigasprom, eine Tochtergesellschaft des Gasmonopolisten, zurück, teilt die Tageszeitung "Gaseta" mit.

    Die Meinungsdifferenzen zwischen Gasprom und Nortgas hatten rund zehn Jahre gedauert, führt das Blatt weiter aus. Ursprünglich war Urengoigasprom der Hauptbesitzer des Privatunternehmens. Später verlor die Gasprom-Tochter diese Aktiva infolge einer zusätzlichen Aktienemission von Nortgas. Nachdem ein neues Managerteam unter Leitung von Alexej Miller 2001 die Gasprom-Leitung übernahm, wurden die Bemühungen um die Rückerlangung der Aktiva aufgenommen, die zu Zeiten Rem Wjachirews als Gasprom-Chef verlorengegangen waren. Der Konzern fing unter anderem an, den Verlust von Nortgas zu bestreiten.

    Es ist schwer zu sagen, wer bei diesem Konflikt Recht hat: Gerichte verschiedener Instanzen nahmen Beschlüsse zugunsten beider Seiten an.

    Dann fing Gasprom an, Nortgas von seiner Pipeline abzuschalten. Die private Gasgesellschaft gab aber nicht auf und setzte die Gerichtsprozesse gegen Gasprom fort.

    Nach dem Gerichtsbeschluss vom April, dem zufolge Nordgas die Lizenz für die Erschließung des Vorkommens Nord-Urengoi (Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen), Hauptbesitz des Privatunternehmens, entzogen wurde, stimmte Nortgas einer friedlichen Lösung mit Gasprom zu.

    Für Gasprom wurde Nortgas zum letzten größeren Besitz, der beim früheren Management verlorenging und vom Miller-Team zurückgeholt wurde, stellt die Zeitung fest. Nortgas wird die Ressourcenbasis von Gasprom um 333 Milliarden Kubikmeter Gas vergrößern. Die Jahresförderung des Monopols wird um 2,5 bis drei Milliarden Kubikmeter wachsen. Insgesamt stieg die Gasprom-Produktion seit 2001 von 512 auf 545 Milliarden Kubikmeter. Zu einem großen Teil wurde dieser Zuwachs der Gasprom-Förderung von den zurückgeholten Aktiva gewährleistet. Zugleich geht die Förderung bei den eigenen Gasprom-Lagerstätten zurück. Nun ist zu erwarten, dass die aktive Zunahme der Gasprom-Förderung stoppen wird. Höchstens könnten die acht bis zehn Milliarden Dollar, die Gasprom vom Staat für 10,7 Prozent seiner Aktien bekommen soll, die Möglichkeit bieten, das Zuwachstempo beizubehalten. Wenn man aber berücksichtigt, dass Gasprom eine eigene Ölkomponente gründen will, könnten die Mittel für all die Projekte nicht ausreichen, so die "Gaseta".

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