21:14 18 Januar 2017
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    Strategie des wichtigsten Unternehmens der russischen Raumfahrtindustrie festgelegt

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    MOSKAU, 15. Juni (Andrej Kisljakow, politischer RIA-Nowosti-Kommentator). Das größte nationale Programm der Weltraumforschung der letzten Jahrzehnte nimmt Russland im kommenden Jahr in Angriff.

    Es soll in den darauf folgenden zehn Jahren verwirklicht werden. Die Realisierung beginnt praktisch mit der Reform des führenden russischen Unternehmens der Weltraumbranche, das für Raketenbau und die Entwicklung der bemannten Raumfahrt zuständig ist.

    Es handelt sich um die Gesellschaft für Weltraumraketen (RKK) „Energija". Über eine lange Zeit wurde sie von Juri Semjonow, dem Generalkonstrukteur der wichtigsten russischen Raumschiffe, geleitet. Am 30. Mai wurde der 70-jährige „Energija"-Präsident Semjonow vom 44-jährigen Nikolai Sewastjanow abgelöst, der bis dahin in einer Abteilung des Konzerns Gasprom gearbeitet hatte, welche mit „Energija" durch Programme für die Entwicklung zielgebundener Fernmeldesatelliten verbunden war.

    Juri Semjonow leitete die RKK „Energija" seit vielen Jahren. Eben er war der Generalkonstrukteur der meisten russischen Raumschiffe und Weltraumstationen. Sein Problem bestand jedoch darin, dass er das Unternehmen nicht rentabel zu machen vermochte, obgleich sich „Energija" in den letzten Jahren in der Position des internationalen Spitzenreiters im Raketenbau befand.

    In den letzten ca. 20 Jahren verwandelte sich die Raumfahrtbranche aus einem zukunftsorientierten Venture-Unternehmen in einen unveräußerlichen Bestandteil nationaler Wirtschaften. Genauer gesagt: Das müsste sie. Die Weltraumaktivitäten eines Staates setzen eine exakte wirtschaftliche Begründung voraus.

    Nach den jüngsten Äußerungen des neuen „Energija"-Chefs zu urteilen, wird die Strategie des Unternehmens, das Russlands Positionen im Bereich der Weltraumforschung vertritt, von ausgewogenem Pragmatismus geprägt sein, der unter anderem frei sein wird von der seit langem andauernden Konfrontation zwischen den Anhängern der bemannten Raumflüge und den Befürwortern der automatischen Apparate. „Wir befinden uns in einer Übergangsetappe, in der die neue, die industriemäßige Phase der Entwicklung der Kosmonautik eine wachsende Rolle spielt, deshalb müssen wir Projekte vorweisen, wie sie die Gesellschaft braucht", erklärte Sewastjanow in einer Generalversammlung des Unternehmens.

    Auf zukunftsorientierte Projekte eingehend, hob der „Energija"-Leiter die Erschließung der Naturressourcen des Mondes hervor. „Das Projekt, das die Förderung von Helium-3, das bei einer thermonuklearen Reaktion eine gigantische Menge von absolut umweltfreundlicher Energie ermöglicht, auf dem Mond vorsieht, könnte im Prinzip innerhalb von 15 bis 20 Jahren realisiert werden", betonte Sewastjanow. „Angesichts der damit verbundenen Skepsis müsste man aber von 25 bis 30 Jahren sprechen."

    Im Bereich der Satellitensysteme habe „Energija" alle Voraussetzungen, auf dem internationalen Markt von Fernmelde- und Beobachtungssatelliten aktiv zu konkurrieren", sagte er.

    Sewastjanow verwies darauf, dass „die Weltraumbranche stets auf Staatsaufträge gewartet hat, in der Überlegung: ‚Man wird uns Geld geben, und mit diesem Geld werden wir leben.' Soweit aber die Gesellschaft zu einem Geschäftsunternehmen geworden ist, muss sie auch selbständig arbeiten können, und zwar auf einem Markt, wo man nicht unbedingt auf sie wartet."

    Bereits jetzt ist das Unternehmen auf eine enge internationale Kooperation orientiert. Das gilt in erster Linie für ihre Teilnahme am Programm der Internationalen Weltraumstation ISS. Alexander Medwedtschikow, Vizeleiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, verwies in einem online-Briefing am 7. Juni auf die Bedeutung des Programms als eines Projekts, das „eine überaus wichtige Rolle gespielt hat, weil sich dabei Länder mit unterschiedlicher Mentalität und unterschiedlicher politischer Ordnung erstmals zusammengetan haben", und ging konkret auf das Problem der internationalen Zukunft der „Energija" ein. „Der jüngste Wechsel an der Spitze der Gesellschaft für Weltraumraketen ‚Energija' wird sich in keiner Weise auf die Realisierung der internationalen Verträge auswirken. Was die Zuverlässigkeit bei der Einhaltung der internationalen Verpflichtungen anbelangt, so tritt der Staat bei vielen internationalen Verträgen und Projekten als Garant auf, u. a. auch was die Internationale Weltraumstation ISS anbelangt. Bei bestimmten Verträgen agiert die Föderale Weltraumbehörde als Garant. Wir haben unsere internationalen Partner noch nie im Stich gelassen."

    Gehen all die Ankündigungen in Erfüllung, dann hat die russische Weltraumbranche nunmehr neben dem starken Forschungs- und Produktionspotential auch eine moderne Leitungsstruktur bekommen.