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    Ein voraussehbarer Erfolg russischer Programmierer

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    MOSKAU, 15. Juni (Alexander Jurow, Kommentator der RIA Nowosti). Der heutige Konsument lässt sich selten in Staunen versetzen.

    Gerade das geschieht aber, wenn auf dem Handy-Bildschirm die dreidimensionale Visage seines Chefs auftaucht, die zudem mit seiner realen Stimme spricht.

    Es handelt sich aber nicht um ein Video von der realen Person, sondern um die Bildübertragung von einem Apparat auf den anderen. Die neue Technologie der russischen Software-Gesellschaft SeeStorm bietet die Möglichkeit, die üblichen zweidimensionalen Fotos in dreidimensionale zu verwandeln. Dabei gelingt es auch, diese Bilder zu beleben und sogar mit Originalstimme sprechen zu lassen.

    Besonders populär sind die „avatars" (3-D-Bilder) bei japanischen Handy-Nutzern. In diesem Jahr kommt aber die neue Technologie auch nach Europa.

    Für die russische Gesellschaft, die die neue Technologie entwickelt hat, welche sich in Telefone aus verschiedenen Ländern einbauen lässt, kam dieser Riesenerfolg freilich nicht überraschend. Wie Anna Tschistjakowa, Marketing-Leiterin von SeeStorm, erklärte, war 2005 nur eine Etappe auf dem Weg eines planmäßigen Aufstiegs aller russischen Software-Gesellschaften. Neben anderen Unternehmen ist auch SeeStorm seit zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Auf dem Markt erschienen gut organisierte Teams, zu denen Menschen gehören, die wissen, wie dies oder jenes kreiert werden kann. Sie wissen auch, was der Markt braucht und wie sich das verkaufen lässt.

    All das bedeutet jedoch nicht, dass früher niemand die russischen Software-Gesellschaften brauchte. Russische Fachleute können schon längst Produkte erzeugen, die heute auf dem Markt angeboten werden. Wie sich aber jetzt herausstellt, brauchen die internationalen Märkte auch Produkte, die die russischen Firmen in ihren Vorräten haben.

    Bereits 2000 wurde erwartet, dass die Dynamik des Exports russischer Software-Produkte in den nächsten Jahren rund 60 Prozent erreichen wird, während die Entwicklung der asiatischen Märkte unter 30 Prozent liegen würde. Nach dem heutigen Stand gehört dieser Markt zu einem der besonders dynamischen Segmente in Russlands Wirtschaft.

    Auch die Regierung hat das riesige Potential des russischen Software-Marktes erkannt. Leonid Reiman, Minister für Fernmeldewesen und Informationstechnologien Russlands, erklärte vor kurzem, die Regierung wolle in den nächsten fünf Jahren 650 Millionen Dollar ausgeben, um ausländische Investitionen in diese Branche zu mobilisieren. Die Software-Unternehmen können auch mit diversen Vergünstigungen rechnen. Geplant sind die Einrichtung freier Wirtschaftszonen, Herabsetzung von Steuern und Gründung russischer Analoga des amerikanischen Silikonareals. Der Umfang dieses Marktes soll nach Angaben des Ministeriums bis 2007 die 2-Milliarden-Dollar-Marke erreichen, während der globale Markt auf 16 Milliarden Dollar geschätzt wird. Zum Vergleich: Der jetzige Umfang der russischen Software-Produkte wird auf 380 bis 500 Millionen Dollar geschätzt.

    Dieser stürmische Aufstieg hat auch eine andere offensichtliche Erklärung. Viele russische Software-Gesellschaften haben von Anfang an einen komplizierten Entwicklungsweg eingeschlagen. Im Unterschied zu ihren chinesischen und indischen Kollegen setzten sich die Russen Projekte als Ziel, die einen „Durchbruch" bringen sollten. Vielen Neuentwicklungen liegen gründliche wissenschaftliche Kenntnisse und Know-how zugrunde. Sie strebten niemals sofortige Resultate an. Manchmal mussten sie sogar warten, bis die Marktentwicklung für die neue Technologie reif ist. „Über eine lange Zeit waren wir bloß eine Developer-Gesellschaft, die sich mehr mit Investitionen und der technologischen Entwicklung befasst hat", sagte Tschistjakowa. SeeStorm investierte Zeit und Kraft darin, dass ein Produkt auf den Markt vorbereitet wird, der sich erst jetzt zu kommerzialisieren begann. So tauchten Kunden auf, die Gesellschaft machte sich bemerkbar und genoss schließlich Anerkennung."

    Dabei spricht kaum noch jemand in Russland von einzelnen einheimischen Programmierern, deren Erfolg in der Welt der Hochtechnologien gesichert ist. Für solche gibt es in der Welt immer weniger Platz. Auf dem Markt sind große und gut organisierte Unternehmen erschienen, während die Genies kaum noch selbständig auf dem Markt auftreten. Der Erfolg von SeeStorm beweist, dass nur solche Software-Produkte marktreif sind, für deren Promotion gut organisierte Teams sorgen. Deshalb ist der Kreis der Akteure auf dem Markt der russischen Software heute so begrenzt.