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    Le Bourget: Schlacht der Himmelsriesen

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    PARIS, 15. Juni (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti). Die Industrie der Lufttransporte durchlebt heute weltweit einen Rückgang.

    Nach Angaben der IATA (International Air Transport Association) werden ihre Verluste in diesem Jahr 6 Milliarden US-Dollar betragen. Das ist um 25 Prozent mehr als 2004 und übersteigt um 9 Prozent die im vorigen Jahr prognostizierten Verluste. Dabei verloren amerikanische Fluggesellschaften in der vergangenen Saison mehr als die anderen - etwa 9 Milliarden US-Dollar. Die Fluggesellschaften können diese Situation überwinden, wenn sie ein besonders wirtschaftliches, leistungsstarkes und sicheres Flugzeug bekommen und es einsetzen.

    Eben ein solches Flugzeug demonstriert das Flugzeugunternehmen Boeing in Le Bourget. Sein Dreamliner kann in Abhängigkeit vom Modell bis zu 300 Passagiere an Bord nehmen und sie mit maximalem Komfort über eine Entfernung von bis zu 15 000 Kilometern befördern.

    Es entfaltete sich ein ernsthafter Konkurrenzkampf zwischen den Giganten der amerikanischen und der europäischen Flugzeugindustrie. Sowohl die eine als auch die andere Seite wenden sich an die Welthandelsorganisation mit Forderungen, ihren Rivalen dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass er von Finanzprivilegien und Wirtschaftspräferenzen Gebrauch macht, welche die eigene Regierung oder Regierungen der Europäischen Union festlegt haben. Beide Seiten betreiben eine umfassende Werbekampagne, die in Le Bourget besonders markant zum Vorschein kommt.

    Diesmal demonstriert Russland im Unterschied zu 2003, als unsere Jagdflugzeuge wegen juristischer Probleme mit der Firma Noga in Le Bourget fehlten, die unübertroffenen Manövereigenschaften der Su-27SKM. Sergej Bogdan, Testpilot der Firma Suchoi, erhält wie ein Filmstar für jeden Flug stürmischem Applaus.

    Im Übrigen ist das europäische Publikum solche Luftricks von den russischen Piloten und Flugzeugbauern bereits gewöhnt. Man kommt speziell zur Ausstellung in Le Bourget, um sie zu sehen. Wie der Marschall der Flieger, Jewgeni Schaposchnikow, der RIA Nowosti sagte, „gehe es heute Russland vor allem um die Einbeziehung in die internationale Arbeitsteilung und die Erschließung neuer Absatzmärkte für seine hochtechnologischen Erzeugnisse und seine hochprofessionellen Leistungen".

    Es mag sonderbar scheinen. Aber russische Flugzeugbauer arbeiten sowohl mit Boeing als auch mit Airbus. Russische Ingenieure leisteten ihren Beitrag zur Boeing-787 und zur A380-Maschine. Im ersten Fall sind es Titanlegierungen, die die Konstruktion des Flugzeuges wesentlich erleichtern und sie fester und zuverlässiger machen. Im zweiten Fall geht es um die Entwicklung der Tragflächensegmente, was auch die Zuverlässigkeit und die Sicherheit des Flugzeuges erhöht. Die Flugzeug-Holdinggesellschft Suchoi ist in Russland der zweifellose Spitzenreiter in dieser Richtung.

    In Le Bourget zeigt die Korporation Suchoi neben ihren berühmten Jagdflugzeugen der Su-Baureihe auch ihr neues Zivilprojekt - ein strahlgetriebenes Passagierflugzeug aus der Familie der regionalen RRJ-Flugzeuge. Sein Hauptvorzug besteht darin, dass es auf Grundlage internationaler Arbeitsteilung entwickelt wird. Am Projekt nehmen solche bekannten Firmen wie eben Boeing, die französischen Thales (Avionik und Logistik) und Snecma (Triebwerk und Motorgondel) teil. An diesem Teil des Projekts beteiligt sich auch die russische Forschungs- und Produktionsvereinigung Saturn. Fernsteuerungssysteme stellen die europäische Firma Liebherr und die russische Forschungs- und Produktionsvereinigung Woßchod her. Liebherr produziert auch Klimaanlagen und die amerikanische Messier Dowty das Fahrgestell. Intertechnique stellt das Kraftstoffsystem und Hamilton Sundstrend die Elektrik her. Für die Innenausstattung der Kabine sorgt B/E Aerospace. Honeywell und die russische Firma Saljut produzieren Hilfskraftanlagen. Die Firma Ipeco stellt Sitze für die Besatzung her...

    Auf der Ausstellung in Le Bourget gestalteten die Korporation Suchoi und Thales eine Präsentation zu einem von beiden Firmen unterzeichneten Vertrag. Die französische Firma investiert 120 Millionen US-Dollar in die Entwicklung der Avionik für das Flugzeug RRJ-95 (das für 95 Passagiere berechnet ist; es gibt noch ein Projekt für 75 und 65 Fluggäste). Um die Hälfte weniger investiert die Suchoi. Der Direktor des RRJ-Programms, Viktor Subbotin, erklärte, dass die Arbeit am Projekt auf vollen Touren und ohne Verzögerungen läuft. Die russische Regierung unterstützt es als föderales Prioritätsprogramm. Der erste Start dieser im Nowosibirsker Flugzeugwerk gebauten Maschine soll schon im März 2007 stattfinden.

    Eine solche Aufgabe steht auch vor der russischen Raumfahrtbranche. Der Leiter der Russischen Föderalen Weltraumagentur, Anatoli Perminow, erklärte, dass ein gemeinsames Programm, angelegt für 15 Jahre, keine Kürzungen erfahren wird. Alle Projekte, darunter auch zur Mond- und Marsforschung, werden erfüllt.

    Besonderes Interesse zeigten Europäer für das wiederverwendbare Raumschiff Clipper, dessen Modell in Le Bourget gezeigt wird. Perminow zufolge seien sie bereit, an seinem Bau sehr aktiv teilzunehmen. Dabei werde der Umfang der Teilnahme durch keinen Rahmen eingeschränkt. Die einzige Bedingung sei, dass die russische Forschungs- und Produktionsvereinigung Energija, Entwickler und Autor des Projekts, diese ganze Arbeit leiten, koordinieren und kontrollieren werde.

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