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    Satellit erteilt Studenten Unterricht aus Kosmos

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    MOSKAU, 16. Juni (Juri Saizew, Experte des Instituts für Weltraumforschung - RIA Nowosti).

    Die Epoche der Forschungs- und Bildungssatelliten oder, wie sie auch noch genannt werden, der Studenten- und Schülersatelliten, die im Amateurfunkbereich arbeiten, begann 1961, als der erste amerikanische kosmische Flugkörper der Baureihe OSCAR ins All gestartet wurde.

    Die Sowjetunion, die zu jener Zeit enorme Errungenschaften auf kosmischem Gebiet hatte (Start des ersten Satelliten und erster bemannter Flug), blieb in dieser Richtung zurück. Die Arbeit am ersten kosmischen Amateurfunk-Flugkörper begann erst 1971 an der Moskauer Hochschule für Energetik (MEI).

    Zum Ausgangspunkt der Entwicklung des Studenten-Satelliten von MEI in den 70er Jahren wurde die Erkenntnis der Tatsache, dass beim Start praktisch eines jeden kosmischen Apparates in den Orbit die Trägerrakten bei der Nutzlast Reserven von Dutzenden Kilogramm hatten. Nun ging es darum, wozu sich die von Studenten entwickelten Apparate tatsächlich eignen könnten. Das Projekt zur Entwicklung des Satelliten wurde zur natürlichen Fortsetzung der Forschungs- und Bildungsarbeiten der Hochschule. Zu diesen Arbeiten wurden auch Studenten der Moskauer Hochschule für Flugzeugbau (MAI) und der Zentrale Funkklub der Freiwilligen Unionsgesellschaft zur Förderung der Land-, Luft- und Seestreitkräfte (DOSAAF) herangezogen, wo ein gesellschaftliches Laboratorium für kosmische Technik eingerichtet wurde.

    Der Start wurde während der Flug- und Konstruktionserprobung einer neuen Rakete im Oktober 1978 vorgenommen. Das war ein Clusterstart, wie er heute genannt wird. Das heißt, eine Trägerrakete transportiert gleich mehrere Apparate. Solche Starts werden heute bei der Einsteuerung von Kleinsatelliten in den Orbit umfassend angewendet. Den MEI-Satelliten bezeichnete man als Radio-1 und den MAI-Satelliten als Radio-2. Die DOSAAF-Geräte bekamen den Namen Radio-3. Die Funkmessdaten von allen Satelliten wurden über einen offenen Kanal im Morsealphabet durchgegeben.

    Funkamateure in der ganzen Welt empfingen die Informationen und leiteten sie an das Satelliten-Steuerzentrum weiter. So wurden die Methoden zur Verbindung über den Kosmos vervollkommnet. Und die Projektanten der Geräte studierten das Verhalten der Elektronik im freien Raum.

    Im Ganzen wurde die volle Stichhaltigkeit der Idee der Forschungs- und Bildungssatelliten demonstriert. Dann wurden Satelliten mit analogen Aufgaben schon unter Nutzung von "professionellen" kosmischen Plattformen entwickelt, die in Betrieben des kosmischen Raketenzweiges gebaut wurden. Im März 2002 wurde bereits der 21. Amateursatellit, "Kolibri", von Bord des Raumtransporters Progress gestartet. Der Apparat begab sich zum selbständigen Flug aus einem Transport- und Startcontainer des Raumtransporters. Die Trennung erfolgte ferngesteuert, nachdem sich der Raumtransporter von der Internationalen Raumstation ISS weit genug entfernt hatte. Entwickelt wurde der Satellit im Sonderkonstruktionsbüro des Instituts für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Allerdings beteiligten sich Studenten und Schüler, darunter auch aus Australien, unmittelbar an seinen Erprobungen, empfingen die Informationen von Bord und steuerten den Satellitenflug.

    Seit November 2002 wurden fünf Forschungs- und Bildungssatelliten Moschajez gestartet, die für die Schulung von Studenten der militärkosmischen Lehreinrichtungen in der Arbeit mit der realen Technik im Kosmos bestimmt waren. Studenten der Moschaiski-Militärakademie befassten sich mit der Projektierung und Herstellung des Versuchs- und Modellmusters des kosmischen Apparates. Darauf ist auch der Name der Satelliten zurückzuführen.

    Zusammen mit dem fünften Moschajez-Satelliten wurde noch der Forschungs- und Bildungssatellit "Universitetski-Tatjana" in eine Umlaufbahn gebracht, der dem 250-jährigen Jubiläum der Moskauer Staatlichen Universität (MGU) gewidmet war.

    Die gesamten Informationen von diesem Satelliten sind einem breiten Kreis von Nutzern zugänglich und auf den Web-Seiten der MGU unentgeltlich einzusehen. Das Forschungsprogramm mit Hilfe des Bildungssatelliten sieht die Untersuchung der Strahlungssituation in der Nähe der Erde, von kosmischen Hochenergieteilchen, Polarlichtern und vieles andere vor.

    Zurzeit wird der neue Forschungs- und Bildungssatellit "Tschibis" ("Kiebitz") am Institut für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften entwickelt. Er soll zum 25. kosmischen Bildungsapparat, aber mit einem sehr ernsthaften Forschungsprogramm werden. Es beinhaltet die Kontrolle über die Atmosphäre, darunter auch über die Verteilung der Treibhausgase und das Detektieren großer Emissionen von gefährlichen Stoffen, die Beobachtung des kosmischen Wetters, das Monitoring von Bränden und anderen gefährlichen Prozessen auf der Erde und die Registrierung von Boliden und Meteorströmen in der Erdatmosphäre. Der Bildungsteil des Projektes wurde mit Lehrmaßnahmen in Schulen und an Hochschulen des Landes abgestimmt.

    Kleine Apparate finden heute in der ganzen Welt Anwendung, denn sie sind ein ökonomisch erschwingliches Mittel für die Lösung von Aufgaben, denen früher nur große Satelliten gewachsen waren. Sie sind schon keine "Amateurapparate" mehr, denn bei ihrer Entwicklung und Herstellung werden die jüngsten Errungenschaften von Wissenschaft und Technik ausgewertet. Projekte von Universitätssatelliten wurden in allgemeinbildende Programme vieler ausländischer Hochschulen aufgenommen.

    In dieser Hinsicht liegt Russland etwas zurück. Aber es gibt auch Fortschritte, insbesondere in den letzten Jahren.