11:01 18 Januar 2017
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    Speisekarte für Kosmonauten auf ihrem Weg zum Mars

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    MOSKAU, 17. Juni (Juri Saizew, Experte des Instituts für Weltraumforschungen - RIA Nowosti). Was werden die Kosmonauten auf dem Weg zum Mars essen?

    Kaum jemand zweifelt heute daran, dass ein bemannter Flug zum Mars zustande kommen wird. Auch die Flugdauer ist genau bekannt - etwa 700 Tage. Aber wann das geschehen soll, ist noch schwer zu sagen. Wie Optimisten glauben, kann es sich um die Jahre 2017 bis 2018 handeln - das nächste besonders günstige "ballistische Fenster" für einen Flug von der Erde zum Mars. Pessimisten halten diesen Zeitpunkt für unrealistisch. Sowohl vom Standpunkt der Technik - denn dafür muss ein spezielles Raumschiff mit entsprechenden Triebwerken geschaffen werden, damit dieser Koloss mit einer Masse von 300 bis 500 Tonnen auf eine Flugbahn in Richtung Mars gebracht wird - als auch vom Standpunkt der Durcharbeitung vieler medizinisch-biologischer Aspekte eines interplanetaren Fluges.

    Eine der Anfangsetappen dieser Durcharbeitung bildete noch Ende des vergangenen Jahrhunderts der 438-tägige Raumflug des Arztes und Kosmonauten Valeri Poljakow an Bord der Raumstation "Mir", der bewiesen hat, dass es keine prinzipiellen medizinisch-biologischen Einschränkungen für solche Langzeitmissionen gibt.

    Nun zur Ernährung der Kosmonauten: Die gegenwärtige Praxis hat sich, wie es scheint, seit Jahren bewährt, und es gibt hier nichts mehr auszudenken. Die Besatzung eines interplanetaren Raumschiffes erwarten sublimierte (getrocknete) Lebensmittel, wie sie heute üblich sind. Es genügt, Wasser dazu zu geben und sie zu erwärmen. Darüber hinaus gibt es Fleisch- und Fischkonserven, in Tüten abgefüllte Säfte und in einem besonderen Verfahren behandeltes Brot. Trotz alledem muss auch dieses Menü abwechslungsreich sein.

    Die Idee, an Bord des Raumschiffes Geflügel anzuschaffen, damit die Kosmonauten frische Eier - bevorzugt Wachteleier - verzehren können, ist entfallen. Wie Experimente zeigten, konnten sich neugeborene Nestlinge der Schwerelosigkeit unmöglich anpassen. Mit Fischen und Weichtieren war es einfacher - schon die ersten Versuche brachten vielversprechende Ergebnisse: Sie können im Weltraum Nachwuchs produzieren, auch wenn sie langsam wachsen. Schon jetzt kann mit voller Sicherheit gesagt werden: An Bord eines interplanetaren Schiffes wird es ein Treibhaus geben. Die Wissenschaftler wussten noch vor zehn Jahren nicht, ob normale Pflanzen im Weltraum gezogen werden können. Heute ziehen die Kosmonauten, die im Schichtwechsel das Treibhaus pflegen, bereits die vierte Generation von Hülsenerbsen an Bord der ISS auf. Es wurde berechnet: Um einen Menschen beim Raumflug mit der pflanzlichen Komponente seiner Kost (Gemüse, Grün, Getreide) zu versorgen, ist ein Treibhaus von 15 bis 20 Quadrameter Fläche notwendig. Während eines Fluges zum Mars kann es höchstes um ein bis zwei kleinere Regale gehen. Daher kommt es auf die optimale Auswahl der Kulturen für das Treibhaus an.

    Vom Standpunkt der Einwohner Russlands handelt es sich beim grünen Gemüse vor allem um Dill, Petersilie und Blattsalat. In Japan, China und Korea ist beispielsweise Chinakohl sehr beliebt. Von der großen Zahl der orientalischen Kohlsorten wurden vier ausgewählt, die anspruchslos sind und schnell wachsen. Kosmonauten haben sie während eines Raumfluges aufgezogen und probiert und waren - ohne Übertreibung - davon sehr begeistert. Für eine Expedition zum Mars werden höchstwahrscheinlich fünf bis sechs Arten von Blattgemüse zur Aufzucht und zum Verzehr vorgeschlagen. Sie sind nicht nur bekömmlich und enthalten eine ganze Menge von mineralischen Stoffen und Zellulose, sondern Pflanzen im Weltraum sind einfach schön, ihr Anblick ruft bei den Kosmonauten viele positive Emotionen hervor. Während ihrer Funkkontakte können sie lange darüber erzählen, wie sich Weizenähren in den Luftströmen bewegen, die von den Ventilatoren erzeugt werden - es entstehe der Eindruck eines irdischen Feldes, über das Wind weht.

    Bei den Versuchen, die jetzt an Bord der ISS durchgeführt werden, wird erstmals die Frage beantwortet, ob sich der Gentyp einer Pflanze unter den Bedingungen eines Dauerraumfluges verändert und ob diese Veränderungen sich auf die Gesundheit der Kosmonauten negativ auswirken können. Ob die Pflanzen entarten und sich dabei in "Zwerge" verwandeln oder im Gegenteil wegen der im Vergleich zur irdischen Basisstrahlung erhöhten Radioaktivität intensiv wachsen.

    Für die Forschungsarbeiten wurde eine spezielle Erbsensorte ausgewählt, deren Erbgene den Forschern gut bekannt sind. Im Weltraum wurden bereits vier konsequente Generationen solcher Pflanzen gezüchtet. Das Experiment verläuft jetzt erfolgreich, es sind keine Veränderungen des Gentyps festgestellt worden.

    Eine weitere Frage, die die Spezialisten noch zu lösen haben, besteht darin, wieviel Wasser für den Flug mitgenommen werden muss. Es wurde berechnet, dass ein Kosmonaut 2,5 Liter pro Tag braucht. Es muss also mehrere Tonnen Wasser an Bord geben. Dabei wird ein Teil des Wassers dank der Systeme zur Wiederherstellung, Klärung und Entkeimung wiederverwertet und für verschiedene Zwecke genutzt. Eine ideale Variante wäre, einen vollständigen Stoffkreislauf zu sichern, wofür geschlossene physikalisch-chemische Systeme, das heißt eine eigene, in bedeutendem Maße neue Biosphäre im Raumschiff geschaffen werden muss. Wichtig ist auch, dass alle lebenserhaltenden Systeme mehrfach vorhanden sind und es Leistungsreserven für sie gibt.

    Auch gibt es Fragen, die die Flugorganisatoren zum ersten Mal lösen müssen.

    Eine scheinbar nicht sonderlich wichtige Frage: Wie sollen die Kosmonauten den Müll entsorgen? Denn es wird bei einem interplanetaren Flug keine Transportraumschiffe geben, in die alles Unnötige verladen werden kann und die dann abgekoppelt und im Ozean versenkt werden könnten. Dabei darf der Mars auf keinen Fall mit Müll belastet werden.

    Die Wissenschaftler befürchten, dass zusammen mit dem Müll Leben zum Nachbarplaneten transportiert werden könnte. In der Wissenschaft existieren bis jetzt verschiedene Theorien über die Entstehung unseres Lebens. Nicht ausgeschlossen ist, dass es auf der Erde mit dem Erscheinen aus dem Weltraum stammender einzelliger Lebewesen begann. Auf dem Mars gibt es jetzt viel günstigere Bedingungen, als damals auf der Erde. So kann unter anderem gesagt werden, dass dort große Wasservorräte faktisch eindeutig nachgewiesen wurden. Wenn irdische Lebewesen in diese Verhältnisse auf dem Mars geraten würden, könnten sie dessen natürlichen Entwicklungsablauf durch eine intensive Vermehrung stören. Selbstverständlich, wenn solche Lebewesen nicht schon bei den Flügen der automatischen Mars-Landeapparate dorthin gebracht worden sind. Möglicherweise würden die Marsbewohner in Dutzenden, ja Hunderten von Jahrmillionen genauso wie die Erdbewohner heute raten, woher das Leben auf ihrem Planeten stammt.

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