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    Kosmische Beschleunigung Chinas

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    MOSKAU, 20. Juni (Andrej Kisljakow, Kommentator der RIA Nowosti).

    Anfang Juni legten China und Russland auf der Jahrestagung der Genfer Abrüstungskonferenz ein thematisches Arbeitsdokument vor, das der Vorbereitung auf den allgemeinen gesetzlichen Verzicht auf jegliche Stationierung von Waffen im Kosmos gilt.

    Das Dokument befasst sich mit Definitionen und Termini in juristischen Dokumenten. Darin werden unter anderem mögliche Definitionen solcher Schlüsseltermini wie kosmisches Objekt, Weltraum und Waffen im Kosmos dargelegt.

    Man möchte glauben, dass das Thema eines sicheren Kosmos, das für Russland und China objektiv notwendig geworden ist, auch für alle anderen nicht weniger aktuell ist und zu einer völkerrechtlichen Vereinbarung über die Verhinderung der Stationierung von Waffen im Weltraum führen wird.

    Heute wird der Kosmos immer häufiger als möglicher Kriegsschauplatz betrachtet. Dabei rufen nur zwei Länder - Russland und China - bereits seit einigen Jahren die Weltgemeinschaft auf, auf gesetzlicher Grundlage auf jegliche Stationierung von Waffen im Kosmos zu verzichten.

    Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass die chinesische Weltraumfahrt historisch russische Wurzeln hat. Von Bedeutung dabei ist die Philosophie der russisch-chinesischen Zusammenarbeit, deren Kriterium die schon seit langem entstandene Gemeinsamkeit der staatlichen Interessen ist, denen auch der Geist des kommerziellen Wettbewerbs nicht fremd ist.

    Die russischen kosmischen Kreise sind sich der Vorteile aus der Partnerschaft mit China bei Weltraumerschließung gut bewusst. Wenn man versucht, das chinesische Weltraumprogramm mit einem Wort zu charakterisieren, so trifft die Definition, die gleich in den Sinn kommt, auch für die Illustration des Landes im Ganzen voll und ganz zu. Und zwar "selbstsuffizient". Dabei in einem solchen Grade, dass eben China schon in der nächsten Zeit zusammen mit Russland und den USA zu den drei kosmischen Spitzenreitern gehören wird. Deshalb ist die Frage der Herstellung oder der Entwicklung der Partnerschaft auf dem kosmischen Gebiet mit China für die Letzteren sehr wichtig.

    Heute hat China drei Kosmodrome: Jiuquan, Xichang und Taiyan. Wie jedoch die Nachrichtenagentur Xinhua im März mitteilte, könne das vierte chinesische Kosmodrom in Kürze auf dem Territorium der Inselprovinz Hainan im Süden des Landes gebaut werden. Außerdem meldete die Zeitung Renmin Ribao im April, dass im Raum von Schanghai, der größten Megapolis, auf einem Areal von 80 ha der Bau eines neuen kosmischen Zentrums begonnen habe, das gerade die Umsetzung des nationalen Weltraumprogramms beschleunigen soll.

    Der erste Bauabschnitt des neuen Zentrums wird bereits 2007 seiner Bestimmung übergeben. Die Vollendung des Baus ist für das Jahr 2010 geplant. Durch das Zentrum sollen die Kapazitäten der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Chinesischen Akademie für kosmische Technologie erweitert werden, wo Nachrichtensysteme und Triebwerksanlagen für Trägerraketen und bemannte Raumschiffe entwickelt werden. Darunter die neuartige Rakete Chang Zheng-2D ("Großer Feldzug") und das Raumschiff Shenzhou-6 ("Heiliger Kahn"), mit dem zwei chinesische Kosmonauten im Herbst dieses Jahres den zweiten Weltraumflug absolvieren sollen. Sie sollen einige Tage im Orbit verbringen und das Orbitalmodul des Raumschiffes erproben. Es werden nicht unbegründete Vermutungen geäußert, dass die Modulsektionen der Raumschiffe Shenzhou für die Entfaltung einer eigenen Weltraumstation in nicht allzu ferner Zukunft bestimmt sind.

    Außerdem verfügt China über:

    - automatische Raumschiffe mit Rückkehrkapsel, die für Aufnahmen und wissenschaftliche Experimente eingesetzt werden. Außer China können nur die USA und Russland Güter aus Umlaufbahnen zurückbringen;

    - Forschungssatelliten, Funk- und Fernsehsatelliten;

    - Wettersatelliten, darunter auch Satelliten für Erdbebenwarnung;

    - Satelliten des Navigationssystems Beidou, das dem amerikanischen GPS-System Navstar und dem russisch-europäischen System COSPAS-SARSAT analog ist.

    Anders gesagt, ist China auch heute eine starke Weltraummacht, die, ausgehend vom Niveau der Mittel und Ressourcen, die für die Weltraumfahrt bereitgestellt werden, in der nächsten Zeit bei einzelnen Kennziffern zu einem zweifellosen Spitzenreiter werden kann.

    Was die Zusammenarbeit Pekings mit den USA und Russland betrifft, so muss ein wichtiges Detail betont werden. Ungeachtet des unverkennbaren Interesses für die chinesischen kosmischen Bemühungen und der richtigen Bewertung des Potentials dieses Zweiges rücken die Vereinigten Staaten von Amerika allerdings eigene Befürchtungen bezüglich der militärischen Komponente der chinesischen Weltraumbranche bei Einschätzung eventueller bilateraler Zusammenarbeit in den Vordergrund. Selbstverständlich wird die Perspektive, die nationale Weltraumfahrt durch das Prisma der amerikanischen kosmischen Bedrohungen zu betrachten, China nicht passen. Sogar unter der Voraussetzung der engen Zusammenarbeit mit den USA in einem bestimmten Teil des Hochtechnologie-Bereiches. Hier gibt es eine Möglichkeit für Russland, seine Positionen bei gemeinsamen kosmischen Entwicklungen mit China zu festigen.