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    Russische staatliche Unternehmen sind nicht transparent

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    MOSKAU, 20. Juni (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin der RIA Nowosti).

    Vor einigen Tagen veröffentlichte die internationale Ratingagentur Standard & Poor's die Ergebnisse einer Untersuchung über die informelle Transparenz der russischen staatlichen Korporationen.

    Der durchschnittliche Grad bei der Offenlegung von Informationen ist bei ihnen recht mäßig und beträgt 47 Prozent. Die Ergebnisse führen zudem vor Augen, dass die staatlichen Unternehmen in Russland die Information noch schlechter als die entsprechenden russischen Privatunternehmen (52 Prozent) und viel schlechter als ähnliche staatliche Gesellschaften im Ausland (63 Prozent) offenbaren.

    Im Prinzip sind die Ergebnisse für ein Land, in dem die Normen der korporativen Verwaltung erst vor kurzem eingeführt wurden und wo der Kodex des korporativen Verhaltens erst vor ein paar Jahren erschienen ist, gar nicht schlecht. Es ist absolut nicht verwunderlich, dass die Transparenz bei staatlichen Gesellschaften geringer ist als bei nichtstaatlichen, wobei diese Tendenz nicht nur in Russland zu beobachten ist. Wie gesagt, der Grad der Transparenz beträgt bei den untersuchten staatlichen Gesellschaften im Ausland 63 Prozent. Julja Kotschetygowa, Direktorin des Dienstes für Rating der korporativen Verwaltung Standard & Poors konstatiert bei den größten Privatgesellschaften in England im Durchschnitt einen Grad der Transparenz von 71 Prozent und somit ebenfalls einen höheren als bei den staatlichen Unternehmen.

    Die Unternehmen beginnen dann Sorge für die eigene Transparenz zu tragen, wenn sie zusätzliche Mittel zu beschaffen wollen, um auf dem Weltpapiermarkt zu handeln. Je höher das Niveau der korporativen Verwaltung, desto besser der Ruf der Gesellschaft und desto mehr Geld kann sie bei der Unterbringung ihrer Aktien an der Börse erhalten. Staatliche Gesellschaften hängen aber in viel geringerem Maße von der Geldbeschaffung auf dem Wertpapiermarkt ab, darum spielt für sie die Transparenz keine vorrangige Rolle.

    Die in Russland ermittelten Kennziffern sind daher an und für sich absolut natürlich. Eine andere Frage ist es, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden. Aus der Sicht von S&P bestätigen diese Ergebnisse die Annahme, dass der Informationstransparenz der staatlichen Unternehmen die „Tendenz der russischen Regierung und einzelner Staatsbeamten, ihren Einfluss auf solche Unternehmen zu politischen oder persönlichen Zwecken, die oft kommerziell nicht motiviert sind und den Interessen der Investoren nicht entsprechen, zu benutzen", im Wege steht.

    Heute, besonders nach dem Geschehen mit YUKOS, ist es Mode, Russland die fehlende Transparenz und die Einmischung der Behörden in die Angelegenheiten der Geschäftswelt wie auch die Behinderung ihrer effektiven Tätigkeit vorzuwerfen.

    Den Worten von Kotschetygowa nach seien viele staatliche Unternehmen Aktiengesellschaften mit privaten Kleinaktionären, deren Interessen nicht immer mit den Interessen des Staates übereinstimmen. Und niemand hat die Probleme mit der Korruption aufgehoben.

    Die Wirtschaft und die Behörden fassen Effektivität von vornherein unterschiedlich auf. Die staatlichen Unternehmen sind mitunter gezwungen, als Agenten des Staates, nicht aber als effektive Markteinheiten zu handeln und die Lösung wichtiger staatlicher Aufgaben, den geschäftlichen Interessen zum Schaden, zu übernehmen. Wie Viktor Springel vom Institut für offene Wirtschaft behauptet, laste die soziale Verantwortung der Wirtschaft in Russland in erster Linie auf den staatlichen Unternehmen.

    Die Versorgung der ländlichen Gebiete mit Gas und Strom oder die soziale Belastung der städtebildenden Unternehmen sind für die staatlichen Unternehmen oft unvorteilhaft, sie sind aber gezwungen, einige Funktionen des Staates zu übernehmen, weil die lokalen Haushalte diese Aufgaben nicht bewältigen können.

    Schenkt aber ein staatliches Unternehmen der Erhöhung der Transparenz für potentielle Investoren zu viel Aufmerksamkeit, so wirkt sich das nicht immer positiv auf seine unmittelbaren Aufgaben aus. Nach Meinung von Springel sei die RAO EES Rossii, die im Rating von S&P auf der zweiten Stelle nach Gasprom steht, in der letzten Zeit aktiv mit der Arbeit auf dem Wertpapiermarkt und der Erhöhung der eigenen Kapitalisierung beschäftigt gewesen, worin eine der Ursachen der Katastrophe liege, die sich in der städtischen Elektroenergieversorgung Ende Mai ereignet hat.

    Pawel Tepluchin, Präsident der Investitionsgesellschaft Troika-Dialog, sieht das Problem mit der Entwicklung der korporativen Verwaltung in Russland darin, dass der Staat die Spielregeln formuliert und zugleich auch als Spieler auf dem Markt auftritt. In jenen Aktiengesellschaften, in denen der Staat Großaktionär ist, fordert er höhere Dividendenauszahlungen. Dort aber, wo er kein großes Aktienpaket besitzt, möchte er höhere Gewinne und folglich auch höhere Steuerabführungen an den Haushalt sehen.

    Darum sind unter anderem eine verständliche Dividendenpolitik und konsequentere Steuerdisziplin mögliche Methoden zur Verbesserung der korporativen Verwaltung in Russland und zur Erhöhung der Transparenz der Unternehmen. Der Staat, meint Jelena Krasnizkaja von der Investitionsgesellschaft Troika-Dialog, werde 2005 als Dividenden- und Steuerempfänger eine aktivere Rolle bei der Festigung der Finanzdisziplin spielen.

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