05:32 18 Oktober 2017
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    Zugunglück in Twer: Beseitigung aller Umweltschäden erst in zehn Jahren

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    MOSKAU, 20. Juni (Tatjana Sinizina, Kommentatorin der RIA Nowosti). Bei einem Zugunglück im Gebiet Twer sind am 15. Juni mehr als 200 Tonnen Heizöl in die Wasusa, rechter Nebenfluss der Wolga, gelangt.

    Die Wasusa ist ein indirekter Wasserlieferant für den Stausee Iwankowskoje, die Haupt-Trinkwasserquelle für die Zehn-Millionen-Stadt Moskau.

    „Dieses Unglück ist nicht schlechthin von lokaler Bedeutung, sondern es ist eine Katastrophe von nationalem Ausmaß", beschwert sich die Leitung des Gebietes Twer.

    „Die Bezeichnung grandiose Umweltkatastrophe für den Unfall im Gebiet Twer ist übertrieben, denn es gab keine übermäßige Einwirkung auf das Natursystem", meint Viktor Danilow-Daniljan, Direktor des Instituts für Wasserprobleme und korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Dennoch bedrohe der Unfall die Trinkwasserversorgung in anderen Regionen des Gebietes Twer, die an die Wasusa anliegen. Auch Moskau sei bedroht, behauptet Danilow-Daniljan. Die Unglücksstelle liege nicht weit von der russischen Hauptstadt entfernt. „Die Wassersysteme durchdringen sich bekanntlich gegenseitig, so dass Moskau über kurz oder lang gezwungen sein wird, die Wasserentnahmen aus dieser Region zu reduzieren und zusätzliche Klärungskosten zu tragen", erläuterte der Direktor des Instituts für Wasserprobleme. Ihm zufolge ist das System der Moskauer Trinkwasserversorgung äußerst „verwundbar". „Dieses System ist instabil, denn es speist sich fast ausschließlich aus oberirdischen Gewässern. Die Wissenschaftler verwiesen wiederholt auf die Notwendigkeit, auch von unterirdischen Quellen Gebrauch zu machen. Vielleicht zwingt nun das Drama in Twer die Behörden dazu, auf unsere Meinung zu hören", hofft Danilow-Daniljan.

    Vom Ufer und von der Wasseroberfläche der betroffenen Flüsse wurden bis heute (20.06) 48 Tonnen Masut entfernt. Um die Folgen der Umweltverunreinigung zu beseitigen, werden auch biologische Ressourcen eingesetzt: Hubschrauber verstreuen Bakterien, welche die Ölflecke bekämpfen.

    Der stellvertretende Gouverneur des Gebietes Twer Wladimir Grabarnik kündigte Klagen gegen die Eisenbahn an. Der entstandene Schaden wird auf 14 Millionen Rubel (rund 400.000 Euro) geschätzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen die Unglücksursache. Laut Experten wurde der Unfall durch eine Absenkung des Bahndammes verursacht, der von Grundwasser unterspült worden war. Im Ergebnis sank das Gleis um zwölf Zentimeter ab und der Zug kippte in einer Kurve um. Diesen Standpunkt teilt der gerade erst ernannte Eisenbahnchef Wladimir Jakunin: „Das Unglück wurde von Naturumständen ausgelöst", erklärte er vor Journalisten. Die Eisenbahner würden die Folgen des Unglücks kurzfristig beseitigen und alles wieder in Ordnung bringen, versprach der Minister.

    Doch die Wissenschaftler sind nicht so optimistisch. Die Beseitigung aller Umweltschäden würde mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen, sagt Danilow-Daniljan. Allein der Fluss brauche fünf Jahre, um sich von dem Schock zu erholen und sein Ökosystem gewissermaßen wiederherzustellen. „Für die endgültige Genesung der Flora und Fauna des Flusses sind mehr als zehn Jahre notwendig", meint der Wissenschaftler.