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    Russische Banken unter Reform - von Krise noch keine Rede

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    MOSKAU, 21. Juni (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti). Neue Ideen der Zentralbank Russlands haben einigen Experten Anlass dazu gegeben, von ersten Symptomen einer herannahenden Krise zu sprechen.

    Aber in Wirklichkeit geht es nicht sosehr um eine Krise, sondern vielmehr um äußerst notwendige Reformen im Bankwesen.

    Gegenwärtig gewährt die Zentralbank Kredite an Geschäftsbanken, die durch föderale Anleihen, Wertpapiere der Zentralbank selbst oder der Stadtverwaltung von Moskau, der Agentur für Hypothekarkredite und der Moskauer Hypothek-Agentur verpfändet werden. Aber diese Instrumente reichen nicht aus. Nach Worten des Ersten Stellvertreters des Vorsitzenden der Zentralbank, Alexej Uljukajew, kann die Liste der Aktiva, die als Kreditpfand gelten können, durch korporative Anleihen von Emittenten mit hohem Rating erweitert werden. Zudem arbeitet die Zentralbank eine Anweisung aus, die die Gewährung durch nicht marktwirtschaftliche Aktiva gesicherter Kredite regulieren wird. Es geht um Schulden von Betrieben, deren Papiere nicht an der Börse aufgelistet sind oder die kein Kreditrating haben.

    Diese auf den ersten Blick ganz harmlosen Meldungen machten die russischen Banker, die sich immer noch mit Angst an die Vorjahreskrise erinnern, wieder nervös. Und Analysten gießen noch mehr Öl ins Feuer. Nach Angaben der Wirtschaftsexpertin Oksana Ossipowa vom Entwicklungszentrum nahm das Bargeld in der Wirtschaft im April und Mai dieses Jahres um etwa 129 Milliarden Rubel zu, während die von Geschäftsbanken bei der Zentralbank deponierten Mittel um 168 Milliarden Rubel schrumpften. Das zeuge nach Ossipowas Ansicht davon, dass Geschäftsbanken Probleme mit der Liquidität haben und daher zu ihren Depositen bei der Zentralbank greifen.

    Fachleute des Zentrums für makroökonomische Analysen und kurzfristige Prognosen (ZMAKP) warnen: In der Wirtschaft Russlands mangelt es an Geld, dessen Menge nur 30 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausmacht. In mehreren erfolgreichen Ländern liegt diese Zahl bei 100 Prozent und sogar darüber. In Russland hat sich eine starke rückläufige Tendenz abgezeichnet. Nach Angaben von ZMAKP-Experten ging das Wachstumstempo bei der Geldmenge im Mai 2005 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,3 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent zurück. Das Erreichen einer Jahresteuerungsrate von höchstens zehn Prozent, worauf das Kabinett Russlands derzeit aktiv hinarbeitet, wird es erforderlich machen, die Geldmenge noch mehr zu komprimieren. In diesem Fall wird die Geldmenge in den Banken auf ein an eine Krise grenzendes Niveau sinken und geringer als als Mitte 2004 sein. Experten gehen davon aus, dass die Zentralbank beschlossen hat, sich auf die möglichen Unannehmlichkeiten rechtzeitig vorzubereiten. Daraus resultierten denn auch die von ihr konzipierten Maßnahmen.

    Dagegen ist der stellvertretende Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Krediteinrichtungen und Finanzmärkte, Pawel Medwedew, der Meinung, dass die Handlungen der Zentralbank ganz und gar nicht mit Angst vor einer Liquiditätskrise, sondern mit dem Bestreben erklärt werden können, das Bankensystem flexibler und beständiger zu machen. "Liquiditätsschwankungen sind ein normaler Zustand des Marktes. Die Aufgabe der Zentralbank besteht darin, diese Liquidität auf dem Markt zu regulieren. Ein wichtiges Instrument sind dabei Wertpapiere. Normalerweise wird das Geld von den Banken nicht in Tresoren aufbewahrt. Geld wird in Wertpapiere investiert, die jederzeit verkauft, verpfändet oder als Kreditbürgschaft hinterlegt werden können. Je mehr die Zentralbank solche Instrumente im Arsenal hat, desto strikter funktioniert das Banksystem als Ganzes", sagte Medwedew.

    Gegenwärtig bereitet die Staatsduma Änderungen zu einigen Gesetzentwürfen vor, die die Emission von Wertpapieren durch die Zentralbank vereinfachen sollen. Diese Wertpapiere werden zu einem zusätzlichen Instrument für die Regulierung der Liquidität der Banken. In einigen Fällen wird der Zentralbank eine momentane Reaktion abverlangt, wenn die Geldmenge zum Beispiel erhöht oder im Gegenteil verringert werden soll. Aber eine Emission würde unter den gegenwärtigen Bedingungen Monate in Anspruch nehmen.

    Das, was sich jetzt im russischen Banksystem tut, ist eher im Voraus geplanten und gut berechneten Schritten ähnlich, die im Rahmen der Bankreform in Russland geplant gewesen waren. Das ist Bestandteil einer vom Finanzministerium und der Zentralbank Russlands erarbeiteten Strategie zur Entwicklung des Banksektors bis zum Jahr 2008. Nicht selten sind diese Schritte jäh und kompromisslos. Dafür tragen sie radikal zur Lösung des Problems bei: Wer die Sanierung nicht schadlos übersteht, wird in den Ruhestand versetzt und eine Invalidenrente beziehen.

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