13:53 16 Januar 2017
Radio
    Meinungen

    Im Spiegel der Presse

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 0 0 0

    MOSKAU, 22. Juni (RIA Nowosti)

    „Nesawissimaja Gaseta"

    Kreml wirbt für Sympathie der Jugend

    Die zunehmende Häufigkeit der Begegnungen von Präsident Wladimir Putin mit jungen russischen Bürgern zeugt davon, dass dieses soziale Segment zu einer der wichtigsten Zielgruppen wird, auf die sich der Kreml in erster Linie orientiert, schreibt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Bis jetzt hatte Putin zwei Publikumsgruppen, die er besonders mochte: die Rentner und Veteranen sowie Wissenschaftler, Kultur- und Kunstschaffende. Die erste Gruppe bildet die bedeutendste Wählerschaft. Die zweite Gruppe ist die einflussreichste. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die heute 16-jährigen 2008 Wähler werden. In diesem Jahr haben rund 1,4 Millionen Einwohner Abitur gemacht.

    Nach Ansicht von Stanislaw Belkowski, Direktor des Instituts für nationale Strategie, sind die zunehmenden Aktivitäten des Staatschefs an der „Jugendfront" damit verbunden, dass der Kreml wegen der massiven Beteiligung der Jugend an Revolutionen im postsowjetischen Raum erschrocken ist. „Außerdem kann der Kreml immer noch nicht das Geheimnis der Nationalbolschewistischen Partei aufdecken, die, ohne Geld zu haben, die Jugend mit rein ideologischen Mitteln anzieht", so der Experte. Der Kreml versuche einfach, alle erfolgreichen Losungen anderer Projekte aufzufangen und daraus etwas Eigenes zu machen.

    Belkowski ist dennoch zuversichtlich, dass dies zu nichts führen würde, weil die Macht die Motivation der Jugendlichen nicht begreift. „Sie glaubt, dass die Motivation merkantiler Art ist, weil all diese ‚Naschi' (eine Kreml-loyale Jugendorganisation) bezahlt werden. Ohne Geld würde von denen niemand auf die Straße gehen. Und wenn, dann im entscheidenden Moment nicht auf der Seite des Kremls", so der Politologe.

    Dmitri Rogosin, Chef der linkspatriotischen Partei „Rodina" (Heimat), ist der Auffassung, dass die Kreml-Administration bereits jetzt beginnt, Versuche der Opposition zu unterbinden, Wahlergebnisse anzufechten. „Den Einsatz von Wasserwerfern und Panzern würde die internationale demokratische Gemeinschaft nicht akzeptieren", so der Abgeordnete. „Wenn aber die Jugend auf die Straße gehen wird, so wird das durchaus überzeugend wirken."

    „Bisnes"

    Airbus beansprucht Hälfte russischen Markts für zivile Luftfahrttechnik

    Der russische Markt wird laut einer Prognose von Chris Buckley, Airbus-Vizepräsident und zuständig für den Absatz, in den nächsten 20 Jahren mehr als 600 Maschinen für 100 Fluggäste und mehr brauchen, um die ausgedienten Flugzeuge zu ersetzen. Airbus wolle zumindest die Hälfte dieses Marktes einnehmen und 300 Maschinen liefern, erklärte Buckley in einem am Mittwoch in der Geschäftszeitung „Bisnes" veröffentlichten Interview.

    Wie er weiter ausführte, sei Airbus mit der Entwicklungsdynamik der Beziehungen seines Konzerns mit russischen Fluggesellschaften zufrieden. Aeroflot setzt derzeit 18 Maschinen der A320-Familie und Sibir drei A310-Maschinen im Einsatz.

    Der Vizepräsident äußerte die Hoffnung, dass die Verhandlungen mit der Fluggesellschaft Aeroflot, die kürzlich verkündet hatte, sie wolle 12 bis 16 neue Airbus-Maschinen in Leasing nehmen, bis zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen werden. Noch mehr interessieren sich die Fluggesellschaften für A321-Maschinen.

    Zugleich stellte er fest, dass das Potential der russischen Flugzeugindustrie weiterhin groß ist: „Russland hat konkurrenzfähige Produkte, beispielsweise die Tu-204." „Größenmäßig gehört diese Maschine zur gleichen Nische wie die Flugzeuge der A320-Familie. Die Hauptprobleme, die mit Tu-204 verbunden sind, bestehen nicht etwa darin, dass die Maschine den heutigen Anforderungen nicht entspricht, sondern im Mangel an einem gut funktionierenden technischen Service nach dem Verkauf."

    Nach seiner Ansicht hat Russland aussichtsreiche regionale Projekte RRJ und An-148. Er empfahl den russischen Flugzeugherstellern, das Marketing ihrer Erzeugnisse aggressiver zu gestalten.

    Die nicht ausgelasteten russischen Flugzeugfabriken sind bereit, Aufträge für die Schlussmontage westlicher Maschinen aufzunehmen. Die Gesellschaft Eclipse wählte beispielsweise den Betrieb Aviastar in Uljanowsk für die Serienproduktion der Geschäftsflugzeuge Eclipse 500.

    Der Airbus-Chef meint aber, sein Konzern brauche keine Montage in Russland. „Wir haben heute zwei Montagelinien in Toulouse und in Hamburg. Die Produktionskapazitäten und die Ausbaumöglichkeiten dieser Anlagen sind groß", teilte er mit.

    "Kommersant"

    Marks & Spenser wollen Ladennetz in Russland aufbauen

    Das britische Einzelhandelsnetz Marks & Spencer (M&S) will bis Ende dieses Sommers einen Vertrag mit IKEA über die Pacht größerer Handelsflächen gleich in fünf „Mega"-Handelszentren schließen, berichtet die Wirtschaftszeitung „Kommersant" am Mittwoch. Wird der Vertrag zustande kommen, so werden die Briten das größte Kaufhausnetz in Russland aufbauen.

    Wie Sue Sadler, Pressemanagerin von M&S, mitteilte, werde das erste Kaufhaus der Firma bereits im Herbst dieses Jahres in Moskau eröffnet. 2006 will M&S das tun, wozu sich noch kein einziges europäisches Handelsnetz entschlossen hat, nämlich russische Regionen erschließen.

    Auf den ersten Schritt erscheint der M&S-Drang in die Regionen überraschend: Die M&S-Marke gilt in Europa als recht teuer und respektabel. In Russland lässt sich M&S wohl nur mit Stockmann vergleichen. Stockmann-Regionaldirektor Petri Anttila äußerte sich denn auch über die M&S-Pläne erstaunt: „Wir gehen gerade nur aus dem Grund nicht in die Regionen, weil wir unser ‚Hauptstadt-Format' - 10 000 Quadratmeter - nicht ändern wollen. Für eine solche Fläche würden die gut betuchten Käufer in den Regionen einfach nicht ausreichen."

    Nach Meinung von Paul Price, geschäftsführender Direktor des Investmentfonds Delta Private Equity Partners, war das Erscheinen von M&S in Russland voraussehbar. Der russische Handelskettenmarkt ist der sechstgrößte in Europa und wächst um 15 bis 20 Prozent im Jahr, während die europäischen nur um drei bis vier Prozent zunehmen.

    Marina Woloschtschuk, internationale Direktorin der Russischen Handelsgruppe, ist der Auffassung, dass M&S außer der Erschließung von Regionen nicht allzu viele Alternativen hat. Alle guten Plätze in Moskau sind bereits vor M&S vergriffen.

    Außerdem verweisen die Beobachter auch auf andere Stimuli, warum sich das Unternehmen bei der Eroberung Russlands beeilen sollte. Auf den traditionellen Märkten tritt M&S nicht gerade glänzend auf: 2004 ging der Gewinn vor der Steuer um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei planen neben M&S auch andere Kaufhausketten die Erschließung Russlands.

    M&S gehört mit 375 Geschäften zu den größten Einzelhandelsnetzen in Großbritannien. Weitere 155 Geschäfte in 28 Ländern arbeiten im Franchising.

    „Iswestija"

    42 Prozent der Russen betrachten sich als arm

    61 Millionen Einwohner Russlands und damit 42 Prozent der Bevölkerung betrachten sich als arm. Das wurde am Dienstag bei der Präsentation eines Berichts zum Thema „Armut in Russland: eine Wirtschaftsanalyse" festgestellt. Der Bericht stützt sich auf eine Studie, die im Mai im Auftrag der Buchprüfungs- und Consultinggesellschaft FBK von Soziologen des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentr vorgenommen wurde, berichtet die renommierte Tageszeitung „Iswestija" am Mittwoch.

    Rund ein Viertel derjenigen, die sich als arm betrachten, sind junge Leute zwischen 16 und 30 Jahren. Mehr noch: Die Jugend ist die einzige Bevölkerungsgruppe, in der der Anteil der Unterbemittelten (die Einkommen liegen unter dem Existenzminimum) seit 1992 zunimmt.

    Nach Ansicht von FBK-Experten ignorieren die Behörden diese Tatsache in ihren Kalkulationen und sind dabei Gefangene der offiziellen Statistik. Laut dieser nehme der Anteil der „wirklich Armen" in Russland ständig ab und habe Ende vergangenen Jahres 25,5 Millionen Menschen betragen.

    „Die Stimmungen der Menschen hängen nicht davon ab, wie viele Unterbemittelte der Staat registriert hat, sondern davon, wie sie sich selbst fühlen", so Igor Nikolajew, Direktor der FBK-Abteilung für strategische Analyse.

    In der Tat: Laut Umfragen (sowohl von Lewada-Zentr als auch der Holding ROMIR-Monitoring) ist es etwa die gleiche Zahl von 40 bis 42 Prozent der Bevölkerung, die zugeben: „Wir sind arm."

    Unter den verschiedenen Wegen des Kampfes gegen die Armut sehen mit 61 Prozent die Meisten den effektivsten in einer Erhöhung der sozialen Zahlungen (Löhne, Renten und Stipendien). Sobald aber das persönliche Einkommen der Befragten die 9000-Rubel-Marke übersteigt (ein US-Dollar = 28,54 Rubel), geht der Anteil der Bürger, die den Staat für die Steigerung ihres Lebensstandards zuständig machen, auf rund 38 Prozent radikal zurück. Zugleich verdreifacht sich der Anteil der Befragten, die der Aussage zustimmen, dass „die Menschen selbst für ihr Wohlergehen sorgen müssen, ohne eigene Probleme auf Staat und Gesellschaft abzuwälzen."

    Der Staat entledigt sich inzwischen still und leise der „fremden" Probleme. Im Lärm der Erklärungen über die wachsenden Staatshaushaltsausgaben für die soziale Sphäre ging eine bemerkenswerte Tatsache unter: Die Realeinkommen der Bevölkerung haben den Stand von 1991 immer noch nicht erreicht.

    „Profil"

    Vorstellung der Russen vom Privateigentum entstellt

    Wie eine Umfrage des Instituts für komplexe Sozialstudien der Russischen Wissenschaftsakademie ergab, haben die meisten Russen eine einseitige Vorstellung vom Privateigentum: Die meisten verstehen darunter hauptsächlich Konsumgüter. Russische Experten gehen im neuesten Heft der wirtschaftspolitischen Wochenzeitschrift „Profil" auf dieses Problem ein.

    Michail Deljagin, Direktor des Instituts für Globalisierungsprobleme: Wenn ein Mensch beispielsweise keine Aktien eines großen Ölkonzerns besitzt und auch kein Geld hat, um diese zu kaufen (und das ist die Mehrheit in Russland), so nimmt er diese Papiere auch nicht als Privateigentum wahr. Wohnungen, Autos und Fernseher werden im postsowjetischen Russland selten entwendet. Das Entwenden von Unternehmen ist dagegen eine recht weit verbreitete Erscheinung. Betrieben das früher Geschäftsleute, so tut es jetzt auch der Staat. Der Staat erkennt Aktien und Werke nicht als Privateigentum an, deshalb nimmt er diese auch weg, meinen die Menschen.

    Jewgeni Gontmacher, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für soziale Studien: Eine kardinale Veränderung der Einstellung der Bevölkerung zum Institut des Privateigentums ist in nächster Zeit nicht zu erwarten, weil dieser Begriff mit Großkapital und Oligarchen verbunden wird. Die Macht bemüht sich leider nicht, dies zu widerlegen. Russland hat bereits einen Effektenmarkt, jeder Mensch auf der Straße kann kommen und Aktien kaufen. Zugleich wird die Propaganda im Lande so gestaltet, dass man mit diesem Schritt faktisch die klassenbezogene Grenze überwindet und von den Menschen weggeht, die ihr Brot „mit ehrlicher Arbeit" verdienen. Wer aber Aktien besitzt, der zieht Gewinne aus der Luft und betreibt Spekulationen. Gerade so, von den Positionen der sowjetischen Klischees aus, wird das auch von den meisten Mitmenschen aufgenommen.

    Wladimir Golownjow, Kovorsitzender der Unternehmerorganisation „Delowaja Rossija": Das Institut des Privateigentums in Russland ist in erster Linie infolge der Einstellung der Macht dazu nicht richtig entstanden. In Deutschland beispielsweise war die Haltung zum Privateigentum bei jeder Ordnung, selbst unter den Faschisten, unerschütterlich. Dies war stets die Urgrundlage. Nur in Russland war es so, dass das Wegrauben bei jedem Regime - ob „weiß" oder „rot" - möglich war. Die Geschäftsleute sehen, dass sich das Privateigentum mit Hilfe der administrativen Ressource umkrempeln lässt. Das ist eben kein Ansporn für die Festigung des Privateigentums.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren