15:48 20 August 2017
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    Ist der Klimawandel eine globale Gefahr?

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    MOSKAU, 23. Juni. (Juri Israel, Direktor des Instituts für Weltklima und Ökologie der Russischen Akademie der Wissenschaften, IPCC-Vizepräsident, für RIA Nowosti). Probleme des Klimawandels stehen auf der Tagesordnung des anstehenden G8-Gipfels.

    Dieses uns alle beunruhigende Thema wird meiner Meinung nach aber von vielen Irrtümern und Unsinnigkeiten überschattet, die all zu oft als Grundlage für wichtige politische Entscheidungen dienen. Die G8-Führer sollten das Anfang Juli bei ihrem Treffen in Schottland berücksichtigen.

    Die Verbindung zwischen Klimaerwärmung und anthropogener Einwirkung nicht bewiesen

    Heute ist ein gewisser Trend zur Erhöhung der durchschnittlichen Temperaturen zu beobachten. Nach Angaben von 10.000 Wetterstationen handelt es sich um einen Wert - 0,6 °C in den vergangenen hundert Jahren. Es heißt, dass auch dieser Temperaturanstieg zu negativen Prozessen führe, obwohl das wissenschaftlich nicht bewiesen ist.

    Übrigens sind diese 0,6 °C interessant verteilt: Nach einem Anstieg in den 1940er Jahren sanken die Temperaturen in den 70er Jahren ab und stiegen dann wieder an. Es ergibt sich eine wellenartige Kurve. Und dabei gab es in den 40er Jahren fast den gleichen Anstieg wie heute. Damals entstand sogar der Begriff "leichte Arktis", weil der Arktische Weg schiffbar wurde. Die Einwirkung des Menschen war aber offenbar viel geringer als jetzt. Eine russische Expedition, die kürzlich aus der Antarktis zurückkehrte, gab eine sensationelle Erklärung ab: Die Temperaturmessungen in der Mitte des Festlands lassen eine Tendenz zur Temperatursenkung erkennen. Eine neue Überraschung der Natur.

    Die Forscher, die einmal in fünf Jahren Klimaberichte erstellen, sprechen von einer - sehr wahrscheinlichen - anthropogenen Einwirkung der Treibhausgase (Kohlendioxid, Distickstoffoxid, Methan, Freone usw.) auf das Weltklima.

    Wir wissen, dass der CO2-Anteil im Jahr 1880, also noch vor der Industrialisierung, 280 ppm (Anzahl der CO2-Moleküle pro eine Million Luftmoleküle) betrug, jetzt sind es 378 ppm. Obwohl der CO2-Anteil seit der vorindustriellen Zeit um 31 Prozent anwuchs (das ist viel), stiegen die Temperaturen nur um 0,6 Prozent. Und es ist paradox: Bei historischen Höhepunkten stiegen die Temperaturen um 1-12 Grad, während die CO2-Anteil unter 300 ppm lag. Ein ungeklärter Widerspruch.

    Ich neige daher zu der Meinung, dass die Verbindung zwischen der Klimaerwärmung und der antropogenen Einwirkung nicht ganz bewiesen ist. Man kann durchaus ein Gemisch aus Naturfaktoren und der Einwirkung des Menschen annehmen.

    Gefährdungsgrenze kann höher angesetzt werden

    Die Europäische Union hat die Gefährdungsgrenze der Klimaerwärmung bei zwei Grad im Vergleich zum jetzigen Zustand festgesetzt. Dieser Wert ist aber nicht wissenschaftlich begründet und wurde durch eine politische Entscheidung bestimmt.

    Viele Wissenschaftler sprechen von einem CO2-Anteil in der Atmosphäre von 400 ppm als dem Grenzwert. Unsere Berechnungen ergaben: Selbst wenn die gesamten erkundeten und gewonnenen Kraftstoffe der Erde im Laufe von wenigen Stunden verbrannt würden, stiege die CO2-Konzentration lediglich auf 800 ppm. Aber unsere Erde erlebte in ihrer Geschichte 6000 ppm, nämlich in der Steinkohlezeit, und das Leben, wie wir sehen, geht weiter.

    Mit anderen Worten: Es ist wichtig, zu erkennen, was in dem Intervall zwischen den heutigen 378 ppm und den 800 ppm passieren würde, die hypothetisch nach der Verbrennung aller Kraftstoffvorräte da sein würden.

    In den nächsten 100 Jahren sollen die Temperaturen laut Prognosen um 1,4 bis 5,8 Grad steigen. Durchschnittlich um drei Grad also. Ich sehe darin keine große Gefahr für die Menschheit. Der Meeresspiegel soll in diesen 100 Jahren um 47 cm steigen, was nicht einmal für Hafenstädte katastrophal wäre.

    Klimawandel und Erhöhung des Meeresspiegels

    Die zunehmende CO2-Konzentration und die Temperaturerhöhung verbindet man mit einer möglichen katastrophalen Erhöhung des Meeresspiegels. Aber auch an dieses Problem muss man vernünftig herangehen.

    In den vergangenen 100 Jahren stieg der Meeresspiegel um 10 bis 20 cm. Steigt der Ozeanspiegel in diesem maße weiter an, dann bedeutet das keine Katastrophe etwa für London, sondern eher für seinen Hafen. Man muss ihn also nur an die neuen Bedingungen anpassen, neue Kais bauen. Im russischen Magadan zum Beispiel schwankt der Meeresspiegel wegen der Gezeiten um acht Meter. Und der Hafen wurde angepasst, indem man mehrere Anlegekais auf verschiedener Höhe errichtete.

    Freilich gibt es Regionen, wie zum Beispiel in Bangladesch, wo die Menschen im tief gelegenen Küstenbereich leben. Wenn ein wesentlicher Anstieg des Wasserspiegels zu erwarten ist, müssen sie umgesiedelt werden. Das kostet zwar Geld, doch die Kosten sind nicht mit den Ausgaben vergleichbar, die zur Realisierung des Kyoto-Protokolls bereitzustellen sind.

    Einige Wissenschaftler sehen eine angeblich globale Gefahr, die vom schmelzenden Eisgletscher Grönlands ausgehen soll. Der Eisgletscher könne bereits in 3000 Jahren völlig schmelzen, falls die Temperaturen um drei Grad steigen, argumentieren sie. Aber man muss verstehen, dass selbst dann der Meeresspiegel in den ersten ein paar hundert Jahren um nur ein bis zwei cm steigen würde.

    Ein wirkungsvolles Bündnis: Wissenschaftler - Politiker

    Aber welche Beschlüsse der G8 wären denn nun von Nutzen für die Klimatologie? Meiner Meinung nach ist eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung notwendig, um festzustellen, welche Temperatur und welcher CO2-Anteil in der Luft als zulässige Grenze zu betrachten sind. Und zwar nicht nur von Wissenschaftlern, sondern auch von Politikern, von Regierungen. Mag sein, dass die Menschen gemeinsam etwas werden opfern müssen, so wie es in einer extremen Situation passiert, wenn alle Kräfte gegen eine Bedrohung mobilisiert werden.

    Die Wissenschaftler müssen begreifen, was die Politiker brauchen, während Politiker die Angaben der Wissenschaftler akzeptieren und sich darauf verlassen müssen. Dieses Schema wäre meines Erachtens sehr wirksam. Heute gibt es leider eine gewisse Diskrepanz: Manchmal treffen die Politiker Entscheidungen ohne Rücksicht auf die Meinung der Wissenschaft.

    Die G8 sollte deshalb eine feste Verbindung zur Wissenschaft pflegen. Und dann werden die Treffen der Politiker wirklich nützlich und effektiv sein.

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