01:46 17 Januar 2017
Radio
    Meinungen

    Angeln in Russland für ausländische Gäste

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 77120

    MOSKAU, 24. Juni (Olga Sobolewskaja, RIA-Nowosti-Kommentatorin) Manch einer liebt das Angeln vom Schiff, wenn es modernste Navigationsanlagen, Radar, Echolot und Funk an Bord hat.

    Andere dagegen bleiben der Tradition und ihrer Angelrute von Anno dazumal treu. Während einer Angeltour wohnt man zum Beispiel in einer neuen Holzhütte mit Kamin, Sauna und Bar; den Fisch kann man mit allen erdenklichen kulinarischen Finessen in einer komfortablen Küche zubereiten. Oder man zeltet und kocht die Fischsuppe in einem Kessel aus Gusseisen über dem offenen Feuer. Heute hat man es in Russland gelernt, den Geschmack aller ausländischen Angler möglichst genau zu treffen, egal, ob sie elitär-abenteuerlichen Urlaub suchen oder die „Economy-Class" vorziehen.

    Auf so eine Reise braucht man sich nicht groß vorzubereiten. Nicht einmal die Ausrüstung muss man von zu Hause mitbringen. In Russland gibt es viele Geschäfte für Jäger und Angler, auch im Internet lässt sich alles Nötige bestellen. Auf zahlreichen Web-Sites von Liebhabern eines Abenteuer-Tourismus kann man sich ebenfalls Rat darüber holen, was es wo zu kaufen gibt. Berichte über solche Reisen bieten solche Sites in Hülle und Fülle an. Außerdem erscheinen Fachzeitschriften mit malerischen Erzählungen von einer Anglertour und nicht selten auch mit vollständiger Preisliste. Daneben ist die Werbung von bewährten Firmen zu finden, die sich auf Anglertouren spezialisieren. Man kann sich ein individuelles Programm zusammenstellen, aber gegenwärtig bieten immer mehr Firmen solche Dienstleistungen an. Übrigens ist eine Gruppenreise stets billiger. „Bei einer Gruppe von 10 Mann kostet eine Woche komfortable Erholung in Karelien 700 Dollar pro Person", sagt Sergej Lewin, Vertreter des Moskauer Reisebüros „Club IBEX". Gewöhnlich sind im Preis einer Reise die Unterbringung, Vollverpflegung, die Fahrt und russisches Dampfbad oder finnische Sauna inklusive. Kurze Rundfahrten im Rahmen einer Reise sind extra zu bezahlen, ebenso die Miete von Anglergerät und die Beförderung zum Bahnhof. Es gibt auch billigere Reisen, beispielsweise rd. 8 000 Rubel pro Person bei einer Reise von 10 Tagen (1 Dollar gleich 28,5 Rubel). Dabei ist einem eine Vollverpflegung gesichert, ebenso die gesamte notwendige Ausstattung, aber man wohnt in Zelten. „Die Preise der einzelnen Touren schwanken auch je nach Jahreszeit", sagt der Manager des Reisebüros „Astravel" Alexander Beloussow. „Wünschenswert ist natürlich, sich für eine bestimmte Reise im voraus zu entscheiden, weil es bei den Einreisevisa Quoten gibt."

    Bisweilen benötigt man keinen Angelberechtigungsschein, und doch raten Experten dazu, sich einen zu besorgen, um ihn gegebenenfalls der „Rybnadsor" (Flusspolizei und zugleich Angelaufsicht) vorweisen zu können. „Die Preise für Angelkarten sind unterschiedlich, je nach dem Preis bei dieser oder jener Fischart", bemerkt Alexander Beloussow. Sie können direkt an Ort und Stelle, aber auch in Moskau oder Petersburg ausgestellt werden, wo die Reisefirmen ihren Hauptsitz haben. Gewöhnlich kostet eine Angelkarte 380 bis 480 Rubel pro Tag und Person. Mit der Ausfuhr der gefangenen Fische gebe es sonst keine Probleme, sagt man im Reisebüro „Reisesalon" („Salon stranstwij"), „wenn natürlich Ihre Beute vernünftige Ausmaße nicht übersteigt und Sie nicht gegen die russischen Gesetze verstoßen. Es ist gut, wenn man sich mit den Beschränkungen beim Angeln nach einer bestimmten Fischart vorab bekannt macht. Aber auch an Ort und Stelle kann Sie ein Instrukteur, der Führer beim Angeln, darüber aufklären."

    Der „Reisesalon" bietet den Gästen „das Wohnen in einem Holzhaus mit allem Komfort sowie mit russischem Bad, einer Sauna, einem Kamin sowie Motorbooten für die Touristen an". Solche Häuser haben Platz für 6 - 8 Personen. Das ist eine Standardvariante.

    Die Speisekarte bietet russische Küche: die berühmte Kohlsuppe Schtschi, Blinis (Plinsen), mannigfaltige Teigtaschen (Pirogi), Pelmeni (russische Art der Ravioli), Fischsuppe, marinierte Pilze, Gurken und Tomaten. Als Krönung des Vergnügens wird das russische Schwitzbad, die Banja, geboten - eine Attraktion, auf die Kenner unter den Ausländern gewöhnlich mit Ungeduld warten. Nach einem Dampfbad, einer Massage mit Birkenruten und gemächlichen Unterhaltungen gehört ein Gläschen russischen Wodkas dazu, damit das Bild abgerundet wird. Nicht schlecht ist auch Tee mit einem Balsam, einem hochprozentigen Extrakt von örtlichen Kräutern.

    Eine Angelpartie in Karelien ist ein Glanzstück in der Reiseliste eines jeden Profis des Angelsports. Die Beute hier sind Barsche von rund 10 Kilogramm Gewicht (und bisweilen darüber - sagen die Angler), Hechte, Zander, Bleie, Äschen und Renken. Und natürlich der Lachs, der König dieser Gegend, von dem jeder richtige Angler träumt. „Zum Nachtisch" kann man eine Unterhaltungsfahrt bestellen: nach den Inseln Kischi, Walaam und Solowki; dann wohnt man in einem Cottage an der Seeküste. Karelien begrüßt die Reisenden mit jungfräulichen Wäldern, dem Wasserfall in der Ebene Kiwatsch, dem zweitgrößten in Europa, und dem geschützten Landschaftspark Tolvojarvi. Unterwegs macht man sich mit „Marzialnyje wody" bekannt: Das ist der erste russische Kurort mit heilsamen Quellen und Schlammbädern, den Peter der Große begründete. An der Küste des fischreichen Louchski-Sees, nach dem das ganze Rayon benannt wurde, steht in der Siedlung Plotina ein Touristenstädtchen: ein Zentrum für den Empfang der Gäste, die sich für die Natur des polnahen Karelien interessieren. Von hier aus kann man eine Fahrt zum berühmten Park Paanajarvi an der Grenze zu Finnland unternehmen oder längs der nördlichen Breite nach Sofporog fahren, wo in dem weiten Pjao-See die Kumscha, eine „Verwandte" von Lachs, vorkommt, oder schließlich die herbe Schönheit von Belomorje (Küste des Weißen Meeres) kennen lernen; dazu kann man einen Aufenthalt in einem Fischerdorf in der Mündung des Flusses Keret einlegen. Einige Firmen bieten drei- bis siebentägige Jachtfahrten über die Kandalakscha- oder die Onegabucht des Weißen Meeres an, dabei ist es möglich, den Archipel Solowki mitzunehmen. Auch gibt es Fahrten über die Kolahalbinsel auf den Flüssen Umba, Warsuga und Ponoj. Hier lässt sich das Meeresangeln mit dem Angeln in Flussmündungen und Küstenschären verbinden.

    Als der absolute Angelort gilt in Nordkarelien der Zusammenfluss von sieben Wasserbecken: von drei Seen - Pastajarvi, Ochtanjarvi, Malviajnen - und vier Flüssen: Pisto, Niwa, Woschma und Ochta. Sie alle liegen dicht beieinander. Beim Angeln kann jedes Gerät verwendet werden: Spinning, Trolling, Angelruten für große Tiefen, große Angeln zum Fangen von Hechten und anderen Raubfischen, Schwimmerangeln u. a. Die Beute besteht aus Hechten, Äschen, Renken, Alande, Kumschas und Barschen. Der Fisch kann auf einem Gasherd zubereitet, gegrillt oder zum Räuchern weggegeben werden. Wer sich von den vielen Menschen erholen möchte, kann sich in einer Hütte in Nordkarelien einmieten, mitten im Wald, und in die Pilze und Beeren gehen. Neben jeder solcher Hütte steht ein Badehäuschen. Für die Länge des Aufenthalts wird ein Ruderboot zur Verfügung gestellt.

    In der Gegend des Sees Janisjarvi, der seine Entstehung einem Meteoriten verdankt, besteht in einer Entfernung von 65 Kilometer von der Stadt Sortavala ein ganzes System von Reiserouten mit Basen und Herbergen für Touristen. Die 300 Meter lange Küstenlinie ist geschützt, zur Verfügung stehen ein Sandstrand und eine Anlegestelle sowie ein bewachter Parkplatz. Hier findet man Restaurants, Bars mit russischem Billard und mit Karaoke, Säle für geschlossene Veranstaltungen, Seminare sowie für Verhandlungen, falls die Reisenden in Geschäften kommen. Musikensembles aus Sankt Petersburg geben Konzerte, auch eine Disco fehlt nicht. Man steigt in einem Hotel ab, mietet Boote und Sportzubehör, veranstaltet Wettbewerbe und Picknicks. Falls Kinder dabei sind, ist eine Nanny da.

    Der Ladogasee ist ein Geschenk der nördlichen Natur. Wenn die Sonne hinter dem Horizont sinkt, man die Wellenbrandung und die Möwenschreie hört, hat man den Eindruck, an der Meeresküste zu stehen. Viele Sandbanken, Moränen, dicht bewaldete winzige Inseln, Labyrinthe von Wasserläufen... Dieses Wunder ist von Sankt Petersburg nicht so weit entfernt. Über den Ladogasee, den größten See Europas, fährt man mit einem Schiff nach Walaam. Die Insel ist nicht nur für ihre reichhaltige Geschichte und ihre altertümlichen Bauten, sondern auch für ihr Klima bekannt. Auf diesem nördlichen Archipel von 50 Inseln wächst Südobst. Besonders gutes Angeln ist auf dem Ladogasee von Bord eines leichten Ruder-Segelbootes für 6 Personen.

    Jenseits des Onegasees sollte man zum Angeln einen Führer mitnehmen. Die Reisetour beginnt am Freitagmorgen und endet am Sonntagabend. Der Höhepunkt aber ist das Trolling mitten im See. Die Barsche wiegen zwischen 200 und 400 Gramm, doch kommen auch Exemplare von einem Kilogramm Lebendgewicht vor, die Äschen sind im Durchschnitt 150 - 300 Gramm schwer.

    Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass man die passenden Zeiten fürs Angeln kennen muss. So lassen sich bei weitem nicht alle Fischarten im Herbst angeln. Die Hochsaison ist natürlich der Sommer. Vom Mai bis zu der Zeit, da das Eis die Seen und Flüsse bedeckt, sind beispielsweise um die Unoj-Inseln Zwergmaränen, Renken und Äschen zu fangen.

    Die an Finnland grenzenden russischen Regionen setzen jetzt auf die Entwicklung des Tourismus und entwickeln die dazu gehörende Infrastruktur. Nicht mehr lange - und die Erholung hier wird durchaus vorbildhaft sein.