21:20 22 Januar 2017
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    Moskau will Situation in Borosdinowskaja unter Kontrolle nehmen

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    MOSKAU, 24. Juni (Juri Filippow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).

     Am 4. Juni hat die Einheit „Wostok", die zum Bestand der 42. russischen Armee gehört und deren Angehörige in ihrer Mehrheit Tschetschenen sind, in der Siedlung Borosdinowskaja im Ostteil Tschetscheniens eine militärisch-polizeiliche Aktion zur Entdeckung bewaffneter Terroristen durchgeführt.

     Das war eine Antwort auf die Ermordung des Vaters eines der Angehörigen der Einheit. Hierbei ist ein sehr wichtiges Detail hervorzuheben: Die Siedlung wird nicht nur von Tschetschenen, sondern auch von Awaren, einer ethnischen Gruppe, die im benachbarten Dagestan am zahlreichsten ist, bewohnt. Gerade sie fielen der „Säuberung" zum Opfer. Das Ergebnis der „Maßnahme" - ein Toter und elf verschwundene Menschen (wie vermutet wird, sind sie ebenfalls getötet worden) sowie vier zerstörte Häuser. Nach dieser Aktion verließen rund 1000 Awaren Borosdinowskaja und gingen nach Dagestan, um ihr Leben zu retten. Dmitri Kosak, bevollmächtigter Vertreter des russischen Präsidenten im Kaukasus, bezeichnete die „Säuberung" in Borosdinowskaja als eine unmittelbare Diversion gegen Russland, Dagestan und Tschetschenien.

    Die nächsten Folgen dieser Aktion können sehr ernst sein. Im russischen Nordkaukasus kann ein neuer Herd von zwischenethnischen Spannungen, ähnlich dem ossetisch-inguschischen, entstehen, wo nicht einzelne Gruppen von bewaffneten Extremisten wie heute in Tschetschenien, sondern ein deutlicher Teil der Bevölkerung bereit ist, aktiv an Kampfhandlungen teilzunehmen. Einstweilen sind die Behörden noch in der Lage, den Konflikt in einen mehr oder weniger annehmbaren Rahmen zu stellen und seine Ausdehnung zu verhindern. Dafür sollen die Awaren schnell zurückgeführt und ihre relative Sicherheit gewährleistet, die Untersuchung zu Ende geführt und die Schuldigen genannt, Entschädigungen für die Betroffenen gezahlt und ihnen Hilfe bei der Einrichtung geleistet werden. Kosak bemüht sich um die Organisation der Handlungen der Behörden in dieser Richtung.

    Aber selbst wenn es gelingen sollte, diese Aufgaben zu lösen, wird eine andere sehr große Gruppe von Problemen bestehen bleiben. Sie hängen mit denjenigen zusammen, die die „Säuberung" in Borosdinowskaja wie auch Dutzende und Hunderte solche Aktionen in anderen Ortschaften Tschetscheniens durchgeführt haben.

    Selbst wenn Moskau sich dazu entschließt, die Organisatoren der „Säuberungen" zur Verantwortung zu ziehen, wird die zerbrechliche Stabilität in der Republik einer ernsten Gefahr ausgesetzt.

    Viele Vertreter des föderalen Zentrums bezeichnen die Angehörigen der prorussischen tschetschenischen Formationen als Banditen. Die zentrale Macht gerät im Ergebnis in eine nicht beneidenswerte Lage: Einerseits versucht sie, den „Säuberungen" Einhalt zu gebieten, andererseits aber duldet sie diese.

    Die Generalstaatsanwaltschaft Russlands leitete im Zusammenhang mit den Ereignissen in Borosdinowskaja ein Strafverfahren nach zwei Artikeln des Strafgesetzbuches ein - Menschenraub und Erpressung. Wladimir Kalita, stellvertretender Militärstaatsanwalt Tschetscheniens, behauptet, dass die Untersuchung ein Überprüfungschießen mit den Waffen und deren Identifizierung durchführe.

    Die Awaren, die Borosdinowskaja verlassen hatten, weigerten sich indessen sogar nach dem Treffen mit dem bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten, Kosak, heimzukehren. Sie wollten nicht mit der speziell im Zusammenhang mit diesem Vorkommnis gebildeten Staatlichen Kommission Tschetscheniens sprechen. Die Flüchtlinge wollen Verhandlungen erst nach der Erfüllung ihrer Forderung - der Auffindung der aus Borosdinowskaja im Zuge der „Säuberung" verschwundenen elf Personen - aufnehmen.

    „Der Nordkaukaus wird in Flammen aufgehen, wenn Umsiedlungen nach dem ethnischen Merkmal beginnen", behauptet Kosak. Er ist gemeinsam mit den tschetschenischen Behörden bestrebt, alles zu unternehmen, damit die Bewohner von Borosdinowskaja in ihre Häuser zurückkehren.