Radio
    Meinungen

    Der Strom aus den Gezeiten - in Russland nahe Zukunft

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 23 0 0

    MOSKAU, 27. Juni (Juri Saizew, Experte des Instituts für Weltraumforschungen). In der nächsten Zeit werden in Russland zwei einzigartige Gezeitenkraftwerke (GKW) gebaut.

    Das erste GKW in Russland wurde 1968 in Kislaja Guba im Weißen Meer in Betrieb genommen. Dieses Kraftwerk (eine 36 m lange, 18,3 m breite und 15,35 m hohe Stahlbetonkonstruktion) wurde in einem Dock in der Nähe von Murmansk errichtet und dann über 100 km bis Kislaja Guba bugsiert. Es wurde mit einer Goldmedaille auf der EXPO-Weltausstellung in Japan ausgezeichnet. Die Baumethode wurde die „russische" genannt und heute bei der Herstellung von Bohrinseln für die Erdölförderung genutzt.

    Das Gezeitenkraftwerk in Kislaja Guba wurde Mitte der 90er Jahre wegen finanzieller Probleme bei seiner Modernisierung konserviert und erst vor kurzem nach fast zehnjähriger Pause wieder in Betrieb genommen.

    Das Know-how des modernisierten Kraftwerkes ist eine einzigartige rechtwinklige Turbine, die weltweit nirgendwo anders in der Hydroenergetik angewendet wird. Ihre Hauptidee besteht darin, dass sich das Turbinenlaufrad stets in einer Richtung unabhängig von der Richtung des Antriebstroms dreht. Solche Aggregate werden schon längst in der Windenergetik angewendet. Aber für das Medium Wasser wurde es erstmalig im russischen Forschungsinstitut für Energieanlagen entwickelt und im Betrieb Sewmasch hergestellt, der durch seine Atom-U-Boote berühmt wurde. Die Anwendung des rechtwinkligen Rotors ermöglicht es, die Turbinenlaufräder bei der Änderung der Richtung des Antriebstroms nicht zu wenden, wodurch sich die Ausgaben für den Betrieb des Kraftwerkes um etwa 30 Prozent vermindern.

    Die Leistung des Gezeitenkraftwerkes in Kislaja Guba, wo die Gezeitenhöhe 5 Meter beträgt, macht 400 kW aus. Dieses GKW gilt als Experimentalkraftwerk. Aber es werden schon Projekte neuer Kraftwerke für die industrielle Nutzung ausgearbeitet: ein Gezeitenkraftwerk im Weißen Meer und ein anderes im Ochotskischen Meer. Geplant ist, dass im Mesenskaja-GKW im Weißen Meer der erste halbindustrielle Energieblock Russlands mit einer Leistung von 10 MW in Betrieb genommen wird. Das vollständig in Betrieb genommene Mesenskaja-Gezeitenkraftwerk kann bis zu 20 000 MW erzeugen.

    In Penschinskaja Guba im Ochotskischen Meer, wo die Gezeitenhöhe bis zu 17 m erreicht, kann ein Gezeitenkraftwerk 20 000 bis 90 000 MW erzeugen. Im Ganzen verfügt Russland über eine Ressource an Gezeitenenergie, die mit der gesamten Energiemenge vergleichbar ist, die heute im Land erzeugt und genutzt wird. Allein die Kola-Bucht und die Küste des Ochotskischen Meeres könnten etwa 100 GW Energie durch die Nutzung von Gezeitenkraftwerken geben. Und insgesamt 2 MW reichen für die Beheizung und Beleuchtung einer mittelgroßen Siedlung jenseits des Polarkreises aus.

    Unlängst trat das Kyoto-Protokoll in Kraft, das die Reduzierung der schädlichen Emissionen in die Atmosphäre beinhaltet. Die Länder der Europäischen Union planen, im Rahmen des Protokolls den Anteil der regenerierbaren Energiequellen an der gesamten Energiebilanz um das Jahr 2010 auf 10 Prozent zu bringen. Die Inbetriebnahme des Gezeitenkraftwerkes in Kislaja Guba, das natürlich kein Kohlendioxid in die Atmosphäre auswirft, kann man für den Beitrag der russischen Energetiker zur Lösung der allgemeinen ökologischen Probleme halten.

    Außerdem wird der erste Windpark des Landes zur Erzeugung von Elektroenergie im Gebiet Kaliningrad gebaut und es wird auf Kamtschatka die geothermale Energetik entwickelt. Im Gebiet Jaroslawl wird eine Versuchsstation für die kleine Hydroenergetik gebaut. Ein föderales Gesetz über regenerierbare Energiequellen ist in Vorbereitung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren