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    MOSKAU, 28. Juni (RIA Nowosti)

    „WREMJA NOWOSTEJ"

    USA verzichten auf russisches Plutonium-238

    Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges nimmt Washington die Produktion von Plutonium-238 wieder auf. Angesichts der hohen Giftigkeit dieses Stoffs haben die USA in den letzten zwei Jahrzehnten den Plutonium-238-Import aus Russland bevorzugt, stellt die „Wremja Nowostej" am Dienstag fest.

    In der Russischen Atomenergiebehörde wurde gegenüber der Zeitung erklärt, am Wunsch der Amerikaner, die Produktion dieses Isotopen bei sich wieder aufzunehmen, gebe es „nichts Außergewöhnliches".

    Dieses Isotop ist im Unterschied zu Plutonium-239 für die Produktion von Kernwaffen nicht geeignet und wird traditionsgemäß als Treibstoff in Weltraumapparaten verwendet. In den zurückliegenden 20 Jahren wurden rund 20 Kilogramm Plutonium-238 aus Russland importiert. Das letzte Abkommen über den Plutonium-Import wurde 2003 unterzeichnet. Der Vertrag im Wert von 32 Millionen Dollar läuft bis 2009.

    Einem bilateralen Abkommen mit Russland entsprechend, dürfen die Amerikaner das russische Plutonium-238 nicht zu militärischen Zwecken verwenden. Der Wunsch, dieses Verbot zu umgehen, zwingt die USA, die Produktion wieder aufzunehmen, schreibt das Blatt.

    „Die Hauptursache liegt in den Interessen unserer nationalen Sicherheit", sagt Timothy Frazier, Leiter der Abteilung für Systeme der Radioisotopenergie des Energieministeriums der USA.

    In Russland wird das Isotop an den Forschungsreaktoren in Kurtschatow (Gebiet Kursk) und Dimitrowgrad (Gebiet Uljanowsk) hergestellt. Es handelt sich um eine separate technologische Kette, die nicht mit der Produktion des waffenfähigen Plutoniums-239 verbunden ist. Das Isotom wird für konkrete Bestellungen hergestellt, in dem Fall die amerikanische.

    „Wo eine Nachfrage ist, gibt es auch ein Angebot", meinten russische Atomenergieexperten dazu. „Wozu sollten sie unsere Industrie ernähren, wenn sie eigene Fachleute, Kapazitäten und Geld haben, dies bei sich zu Hause zu machen."

    Die Produktion des amerikanischen Plutoniums-238 wird im Nationalen Labor des USA-Bundesstaats Idaho beginnen. Der Wert des Projekts beträgt 1,5 Milliarden Dollar. Das erste Plutonium wird 2013 gewonnen. Insgesamt sollen im Laufe von 30 Jahren 150 Kilogramm radioaktives Isotop hergestellt werden.

    Eine internationale Zustimmung bzw. regulierende Dokumente für die Produktion von Plutonium-238 sind nicht erforderlich. „Dies ist ein Isotop, ist sein Gehalt am Plutonium mehr als 80 Prozent, so stellt es keine Gefahr dar, eine Atombombe lässt sich daraus nicht machen", hieß es in der russischen Atomenergiebehörde Rosatom.

    „MOSKOWSKI KOMSOMOLEZ"

    Name von Putins Nachfolger wird frühestens 2007 bekannt

    Die Diskussion über einen möglichen Nachfolger von Präsident Wladimir Putin ist vor kurzem mit neuer Kraft entbrannt, stellt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag fest. In den Vordergrund rückten Kandidaten wie Verteidigungsminister Sergej Iwanow und der neue Chef der AG „Russische Eisenbahnen" (RZD), Wladimir Jakunin. Nach Ansicht von Experten aber wird der Name des wirklichen Nachfolgers frühestens 2007 bekannt.

    „Weder Iwanow noch Jakunin gehören heute zu realen Kandidaten"; so der Politologe Stanislaw Belkowski. „Putin ist vorerst geneigt, die Vorsitzenden beider Parlamentskammern - Sergej Mironow und Boris Gryslow - als solche zu betrachten."

    Zugleich ist sich der Präsident seiner Ansicht nach bewusst, dass es in seinem Team vorerst keinen vollwertigen Nachfolger gibt im Sinne einer Führungsfigur, die fähig wäre, die gesamte Verantwortung für das Land zu übernehmen. Die Konzeption, wie die Machtkontinuität gewährleistet werden soll, ist im Kreml noch nicht durchgearbeitet worden. Höchstwahrscheinlich wird sie ein Jahr vor der Präsidentenwahlkampagne 2008 vorbereitet.

    Experten waren sich einig, dass der Kreml bei den künftigen Staatsduma-Wahlen 2007 auf die jetzige Partei der parlamentarischen Mehrheit, „Einheitliches Russland", setzen wird.

    „Wie die Umfragen zeigen, liegt die Kreml-orientierte Partei ‚Einheitliches Russland' vor anderen politischen Kräften", stellt Wjatscheslaw Nikonow, Präsident des Fonds „Politika", fest. „Ich sehe keine Gründe, warum Putin auf deren Unterstützung verzichten soll."

    Die absolut berechenbare und zuverlässige Liberaldemokratische Partei Russlands wird dabei nach Ansicht Belkowskis eine Satellitenpartei vom „Einheitlichen Russland" sein. Alle anderen politischen Konstruktionen, die anfangs als Kreml-Produkte galten, von der linkspatriotischen Partei „Rodina" (Heimat) bis zur Rentnerpartei wird die Präsidentenadministration niederschlagen. „Der Kreml hat panische Angst vor jeglicher Unberechenbarkeit und Selbständigkeit", so der Politologe. „Deshalb wird der unverbrüchliche Block der Partei ‚Einheitliches Russland' und der Liberaldemokraten von Wladimir Schirinowski die einzige Stütze Putins sein."

    Das Zentrum einer Konsolidierung der realen Opposition gegen Putin werden die linken und die linkspatriotischen Kräfte sein. Die USA würden dabei den Stärkeren unterstützen, der in der Lage ist, die Macht zu übernehmen und zu halten. Vorerst aber stellt Putin den Westen durchaus zufrieden, meinte er.

    „BISNES"

    Strategische Luftstreitkräfte Russlands werden grundlegend modernisiert

    Das Oberkommando der Luftstreitkräfte hat seine Pläne für eine Modernisierung der Fernstreckenflugzeuge bekannt gegeben. Die grundlegende Modernisierung der Raketenträger wird mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen und die Entwicklung einer prinzipiell neuen Maschine ermöglichen, die die Staatskasse mehr als vier Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,58 Rubel) kosten wird, schreibt die Geschäftszeitung „Bisnes" am Dienstag.

    „Wir haben hervorragende Tu-160-Flugzeuge", sagte Armeegeneral Wladimir Michailow, Oberkommandierender der Luftstreitkräfte, dieser Tage. „Unsere Hauptaufgabe ist deren Modernisierung."

    Laut unterschiedlichen Schätzungen haben Russlands Luftstreitkräfte gegenwärtig mindestens 12 strategische Bombenflugzeuge des Typs Tu-160.

    Als Ergebnis ihrer Modernisierung werden die Luftstreitkräfte ein Bombenflugzeug mit der modernsten digitalen Bordausstattung bekommen, die die Möglichkeit bieten wird, den Weltraum maximal zu nutzen. Das System des Angriffs wird revidiert, sagt Generalleutnant Igor Chworow, Chef der 37. Fliegerarmee. Mit einem neuen Navigationssystem und mit neuen funkelektronischen Apparaturen wird die Tu-160 bis zum Jahr 2060 fliegen können.

    Im neuen Flugzeug wird auf nichtnukleare Waffen mit einem modernen Navigationssystem gesetzt. Auf der Basis der Standardrakete X-55 wurde die Rakete X-555 entwickelt - ein ideales Mittel für nichtnukleare Schläge gegen Terroristenstützpunkte, sagt Konstantin Makijenko, Vizedirektor des Zentrums für Strategien- und Technologienanalyse.

    Nach den Worten des Oberkommandierenden der Luftstreitkräfte ist neben der Modernisierung der vorhandenen Maschinen auch der Erwerb neuer vorgesehen. Geplant ist der Bau von zwei weiteren Tu-160-Maschinen, sagt Makijenko. Ein neues Bombenflugzeug des Typs Tu-160 kostet mindestens 100 Millionen Dollar.

    Mit der Modernisierung der Flugzeuge wird die Flugzeugbauvereinigung Kasan beauftragt. Nach Ansicht von Experten wird die Arbeit an einer jeden Tu-160-Maschine auf 250 Millionen Rubel geschätzt. Und es wird mindestens vier Milliarden Rubel kosten, um im Bereich der strategischen Bombenflugzeuge Ordnung zu schaffen.

    Die Maschine Tu-160 (NATO-Bezeichnung: Blackjack) ist das größte serienmäßig hergestellte Bombenflugzeug der Welt. Seine maximale Nutzlast beträgt 40 Tonnen. Es wird mit sechs strategischen Flügelraketen des Typs X-55 bzw. X-55CM bzw. 12 steuerbaren Raketen der Luft-Oberfläche-Klasse X-15P bzw. herkömmlichen Bomben ausgerüstet. Künftig sollen neue Flügelraketen des Typs X-101 mit konventionellen Gefechtsköpfen und einer größeren Reichweite für selektive Schläge an Bord der Tu-160 montiert werden.

    Die maximale Geschwindigkeit der TU 160 beträgt 2220 km/h, ihre praktische Flughöhe 15 500 m und die maximale Reichweite ohne Nachtanken 12 300 km.

    „WEDOMOSTI"

    Statoil-Chef: Bereit zu maximalen Investitionen in „Schtokman"-Vorkommen

    Die norwegische Firma Statoil rechnet mit 25-prozentigen Anteilen am Abbau des „Schtokman"-Gaskondensatvorkommens. In diesem Fall wäre die Firma bereit, „so viele Mittel ins Projekt zu investieren, wie erforderlich sein werden." Das erklärte Helge Lund, Präsident der Gesellschaft, in einem am Dienstag in der wirtschaftspolitischen Zeitung „Wedomosti" veröffentlichten Interview.

    Nach seinen Worten beginnt Statoil, der zweitgrößte Gasanbieter in Europa nach Gasprom, „mit substantielleren Aktivitäten in Russland". Das norwegische Projekt Snohvit (Schneewittchen) in der Barentssee ist das erste Projekt für die Flüssiggasproduktion in Europa. Die Statoil-Technologien können beim Abbau des „Schtokman"-Vorkommens auf dem russischen Barentssee-Schelf (Gasvorräte 3,205 Billionen Kubikmeter, Gaskondensatvorräte 30,98 Millionen Tonnen) verwendet werden. Vom „Schneewittchen" wird das Gas bereits 2006 mit Tankschiffen in die USA geliefert. Dieses Projekt ist auch für Russland überaus wichtig. Auf diesem Weg könnte das russische Gas vom „Schtokman"-Vorkommen ebenfalls auf den amerikanischen Markt kommen.

    Bei der Arbeit in Russland schätzt Statoil in erster Linie die Projektrisiken ab. Dieses Geschäft hat eine langfristige Grundlage, deshalb sind ein stabiles Steuersystem und ein stabiles Recht wichtig, stellte der Statoil-Chef fest. Das Wichtigste am Steuersystem sind Exaktheit, Transparenz und Unveränderlichkeit.

    Lund sieht nichts Gefährliches in einer Verstärkung der Staatskontrolle über die strategischen Ressourcen. Nach seinen Worten ist dies eine globale Tendenz, weil der Energiesektor für die meisten Länder besonders wichtig wird.

    Rund 71 Prozent der Statoil-Aktien gehören dem Staat. Es ist allerdings äußerst wichtig, dass in der Branche auch das Privatkapital präsent ist. Dies wäre eine Garantie für neue Technologien und Effektivität, meinte Lund.

    Statoil orientiert sich auf langfristige Investitionen in Russland. Dies ist sowohl mit der geografischen Nähe als auch mit stabilen politischen Beziehungen verbunden. Zwischen russischen und norwegischen Unternehmen gibt es viele Gemeinsamkeiten auch hinsichtlich der Technologien. Als Statoil den Beschluss fasste, in Russland zu arbeiten, ging das Unternehmen von der Überzeugung aus, dass es bei der Organisation seiner Aktivitäten alle Risiken überwinden wird, betonte Lund in seinem „Wedomosti"-Interview.

    "GASETA"

    Moskau plant obligatorische Fingerabdrücke für einreisende Ausländer

    Ein obligatorisches Scannen von Fingerabdrücken kann für alle einreisenden bzw. in Moskau lebenden Ausländer eingeführt werden. Diese Gesetzgebungsinitiative des Moskauer Stadtduma-Abgeordneten Juri Popow wird am Mittwoch vom Moskauer Stadtparlament behandelt, berichtet die Tageszeitung „Gaseta" am Dienstag.

    Jährlich reisen bis zu einer Million Migranten illegal in Moskau ein. Die meisten von ihnen sind Bürger der GUS-Mitgliedsländer. Der gesetzlich festgelegte Modus für ihre Registrierung, u. a. das Ausfüllen von Migrationskarten, schließt dabei eine mögliche Kontrolle über die Aktivitäten dieses Menschen auf dem Territorium Russlands aus.

    Nach Popows Worten würde mit der Daktyloskopie die Möglichkeit gegeben, den Zustrom der illegalen Einwanderer zu verringern und die Kriminalität einzudämmen. „Jedes zweite Verbrechen wird in Moskau von Zugereisten, hauptsächlich ukrainischen Bürgern, begangen", so der Abgeordnete.

    Das Projekt zur technischen Neuausrüstung der Sicherheitskräfte und der Polizei würde rund 1,5 Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,58 Rubel) kosten.

    Der reale Wert der Realisierung des Projekts könnte allerdings laut Berechnungen von Wladimir Nowizki, Präsident der russischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für den Schutz der Menschenrechte, 1,5 Milliarden Dollar betragen.

    Inna Swjatenko, die Vorsitzende der Sicherheitskommission der Moskauer Stadtduma, hält die neue Prozedur für erniedrigend und ungeeignet, das Kriminalitätsproblem zu lösen. Sie würde nur eine neue Runde der Korruption anspornen.

    „Heute werden die Migrationskarten innerhalb weniger Stunden in Hinterhöfen hergestellt", meinte Swjatenko in der „Gaseta". „Für diejenigen, die sich damit befassen, würde es keine Mühe kosten, auch die Fingerabdrücke einzufügen."

    Um einen oder zwei Kriminelle zu finden, ist es sinnlos, alle Gäste der Hauptstadt dieser erniedrigenden Expertise zu unterziehen. Selbst die Migrationskarten lösen die Probleme nicht, zugleich stellen sie eine Verletzung der grundlegenden Menschenrechte dar und ziehen riesige Ausgaben für die Finanzierung entsprechender Strukturen nach sich, stellten Experten fest.

    Der Abgeordnete Popow sieht allerdings an der Abgabe von Fingerabdrücken nichts Erniedrigendes: „Wir halten es doch auch nicht für erniedrigend, uns für Personalpapiere fotografieren zu lassen."