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    Transneft ist an den Baikalsee herangerückt

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    MOSKAU, 28. Juni (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti). Das Erdölunternehmen Transneft führt eigenmächtig und verborgen Prospektierungsarbeiten im Rahmen des Projektes „Ostsibirien - Pazifik" in der Nähe des Baikalsees durch.

     So lauten die Beschuldigungen des Föderalen Aufsichtsdienstes im Bereich der Nutzung der Natur (Rosprirodnadsor) und der Filiale der internationalen ökologischen Organisation Greenpeace in Russland. Inspekteure der beiden Organisationen erklärten öffentlich, dass Transneft, ohne die Gesetze zu beachten, bereits Arbeiten auf der für den Bau einer Pipeline bequemen Strecke längs des nördlichen Endes des Baikalsees aufgenommen hätte. Per heute seien bereits 180 Meter des Waldstreifens abgeholzt und gesäubert worden. Dabei wären die Bäume entgegen den Regeln gefällt und zu beiden Seiten der abgeholzten Fläche liegen gelassen worden. Vertreter von Greenpeace und Rosprirodnadsor bezeichnen die Handlungen von Transneft als „Ökozid" und erklären, dass das Unternehmen schon durch seine ersten Schritte der Staatskasse einen Schaden in Höhe von 260 000 Rubel zugefügt hätte (1 US-Dollar entspricht 28,5 Rubel).

    Im November 2004 setzte die AG Transneft mit Kämpfen ihr Projekt in der Regierung durch. Wie aber Oleg Mitwol, stellvertretender Leiter von Rosprirodnadsor, behauptet, wäre damals nur ein Dokument unter der Bezeichnung „Begründung der Investitionen für den Bau des Erdölleitungssystems WSTO (Ostsibirien - Pazifik)" bestätigt worden. Es wäre keine staatliche ökologische Begutachtung vorgenommen worden. Aber bereits im ersten Dokument war der Verlauf der Rohrleitung festgelegt worden, die nicht weniger als 140 Kilometer vom Ufer des Sees entfernt verlaufen soll. Die Besitzer von Transneft beschlossen jedoch später, unter Berufung darauf, dass die Arbeiten an diesen Orten wegen der schlechten Landschaft unmöglich seien, ein bequemeres Territorium, das einen geringeren Aufwand erfordert, zu wählen, und rückten somit unmittelbar an den Baikalsee heran.

    Es ist viel einfacher und vorteilhafter, die Rohre in der Nähe des Sees zu verlegen, als sich durch das Taigadickicht durchzuschlagen und Tunnel durch die Bergkuppen auf dem genehmigten Gelände zu bauen. Dieses Projekt der längsten Pipeline der Welt (4000 Kilometer) ist sehr anziehend. Die Pipeline kann zu einer Art Epizentrum der wirtschaftlichen Entwicklung einer riesigen Region werden. Die japanische Bank für Internationale Zusammenarbeit versprach bereits Investitionen in das ehrgeizige Bauvorhaben von Transneft in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar. Und sie steht bei weiten nicht allein da - von Investitionen dieser Art sprechen mit Russland bereits China, Südkorea, Indien und andere.

    Auf dem Abschnitt von Taischet bis zur Pazifikbucht Perewosnaja, wo sich die Terminale befinden sollen, setzt Transneft zu einem entschlossenen Sprung über zwei ökologisch verbotene Territorien an: Das Ufer des Baikalsees, der von der UNESCO zum „Natur-Welterbe" erklärt wurde, und das Fernöstliche biosphärische maritime Naturschutzgebiet, das ebenfalls unter UNESCO-Schutz steht. Den Adepten der Erdölleitung macht es keine Sorgen, dass in diesem Fall die von Russland abgeschlossenen internationalen Abkommen, insbesondere die UNESCO-Konvention zum Welterbe, die von unserem Land 1988 unterzeichnet wurde, verletzt werden.

    Der Baikalsee ist der tiefste See in der Welt. In seinem Becken sind 20 Prozent der Süßwasservorräte unseren Planeten enthalten. Die endemische Struktur dieses natürlichen Behälters hat nicht ihresgleichen, sie ist zerbrechlich und verwundbar. Aber der See ist gerade dank seinem unikalen ökologischen System durch ungewöhnliche Sauberkeit und gesundes Wasser berühmt. „Wenn die Pipeline in der Nähe des Baikalsees verlaufen wird, so werden alle lokalen Quellen, die den See speisen - und das sind Tausende - bedroht", meint der Koordinator des Baikalsee-Projektes von Greenpeace Roman Waschenkow. „Bei der geringsten technischen Havarie wird das gesamte Baikalsee-Milieu unumkehrbar verschmutzt. Dadurch kann der Epischura-Kleinkrebs, der das Wasser im Baikalsee filtriert, zugrunde gerichtet werden."

    „Der Staat braucht die Erdölleitung, durch die russisches Erdöl auf die Pazifik-Märkte gebracht werden kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass dabei der Baikalsee zugrunde gerichtet werden soll", erklärte Oleg Mitwol. „Wir fordern von Transneft die Einhaltung der ökologischen Gesetze des Landes und übergeben den Fall an die Generalstaatsanwaltschaft".

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