01:49 17 Januar 2017
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    NASA kann aus dem Projekt der Internationalen Raumstation aussteigen

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    MOSKAU, 30. Juni (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Das Programm der Internationalen Raumstation (ISS) wird allem Anschein nach in der nächsten Zeit zu einem rein russischen Projekt werden.

    Obwohl eine bestimmte Beteiligung auch der Europäischen Weltraumbehörde möglich ist, die den Start des automatischen Raumtransporters „Jules Verne" zur ISS plant.

    Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Hauptteilnehmer am Programm sind, wollen, auch wenn sie das Gegenteil behaupten, mit großer Wahrscheinlichkeit das einzigartige internationale Projekt auf dem Gebiet der bemannten Weltraumfahrt verlassen.

    Dabei gab es in den letzten zwei Monaten, einer Frist, in der der neue NASA-Chef Michael Griffin seine Funktionen ausübte, so gut wie keine amerikanischen Loyalitätsversicherungen hinsichtlich des ISS-Programms. Im Gegenteil. Am 22. Juni wurde Griffins Erklärung in der amerikanischen Zeitung USA Today veröffentlicht, dass die USA die Erfüllung aller früher eingegangenen Verpflichtungen nicht versprechen könnten, die eine Vollendung des ISS-Baus ermöglichen.

    Wie er sagte, könne die NASA nicht garantieren, dass alle Module, mit denen die ISS ausgerüstet werden sollte, auf die entsprechenden Umlaufbahnen gebracht werden. Die Ursache liegt in einer neuen ambitiösen kosmischen Doktrin des US-Präsidenten, George Bush, die neue Mondflüge amerikanischer Astronauten und bemannte Marsunternehmen vorsieht. Ihre Verwirklichung bedeutet, dass die NASA auf frühere Pläne wird verzichten müssen, noch 28 Shuttle-Flüge zur ISS zu unternehmen. Die USA überprüfen also von Grund auf ihre Beteiligung am Programm. Damit beschäftige sich, so Griffin, eine speziell gebildete Gruppe von NASA-Spezialisten. Sie wolle ihre Arbeit spätestens Anfang Herbst abschließen.

    Ganz sicher plant die NASA keine totale Flucht von der ISS. Ein allmählicher, aber konsequenter Austritt aus dem Programm ist dagegen sehr wahrscheinlich. Der erste Shuttle-Flug nach der Katastrophe der Columbia, der mit Ungeduld erwartet wird, kann im Prinzip nichts ändern. Die Wiederaufnahme des Einsatzes der Shuttle-Raumfähren wird nicht zur Umsetzung des ISS-Programms führen. Umso mehr, als die früher geplanten 28 Flüge nach Meinung von Experten ohnehin nicht ausreichen. Jetzt ist überhaupt über nichts zu sprechen.

    Damit nicht genug. Es erweist sich, dass die NASA nach zweieinhalb Jahren der Arbeit alle Empfehlungen für die Sicherheit bei der Vorbereitung der Discovery auf den Flug unberücksichtigt ließ. Zu einer solchen Schlussfolgerung gelangte eine unabhängige Kommission, die von den Astronauten Thomas Stafford und Richard Covey geleitet wird. Nach Angaben von Experten wurden an der Discovery-Konstruktion nur 12 der von Spezialisten vorgeschlagenen 15 Modifikationen vorgenommen, die eine Vermeidung neuer Havarien ermöglichen sollten. So ist der Körper der Raumfähre immer noch nicht robust genug. Es besteht das Risiko, dass beim Start abgebrochene Eisbruchstücke oder andere Materialien dem Raumschiff einen wesentlichen Schaden zufügen können. Schließlich fehlt ein System, das eventuell eine komplizierte Reparatur im Orbit ermöglicht.

    Man kann nicht sagen, dass diese Umstände, genauer gesagt, die Perspektive, erneut allein die ISS zu versorgen und zu nutzen, eine große Offenbarung für Russland sei.

    Was die Shuttles betrifft, so werde es nach Meinung des Roskosmos-Leiters, Anatoli Perminow, die er auf der Luft- und Raumfahrtausstellung in Le Bourget Mitte Juni geäußert hat, unmöglich sein, das Funktionieren der Raumstation in vollem Umfang zu sichern, wenn die Shuttle-Flüge zur ISS nicht wieder aufgenommen werden. Wie Perminow erläuterte, war eine Reihe von Modulen ursprünglich mit solchen Abmessungen entwickelt worden, dass man sie nur mit Hilfe amerikanischer Raumschiffe zum Orbit bringen könne.

    Aber dabei bedenkt Roskosmos, wie Anatoli Perminow noch Ende vorigen Jahres in seinem RIA-Nowosti-Interview aufrichtig erklärt hat, die Perspektive, dieses Programm selbständig in die Tat umzusetzen.

    Später, Anfang Juni, erklärte Alexander Medwedtschikow, Stellvertreter Perminows, dass Russland im Falle des Austritts der USA aus dem Programm die Raumstation mit Hilfe der eigenen, künftigen Raumfähre Clipper wird entwickeln können. „Sie wissen, dass wir auch vorausschauen. In Russland wird auch das wiederverwendbare Raumschiff Clipper entwickelt. Deshalb werden wir gefasst sein, wenn etwas passiert, und die USA aus dem Programm austreten", meint Medwedtschikow.