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    Jahresversammlung der Gasprom-Aktionäre: Keine Überraschungen

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    MOSKAU, 30. Juni (Igor Tomberg, RIA Nowosti). Am 24. Juni fand die Jahresversammlung der Gasprom-Aktionäre statt.

    Obwohl eine ganze Reihe wichtigster Fragen der Tätigkeit des Konzerns berührt wurde, erklären die Experten, dass die Versammlung keine Überraschungen gebracht habe.

    In der Tat. Es wurde bekannt gegeben, dass alle Geschäfte abgeschlossen sind, die damit zusammenhängen, dass der Staat 10,7 Prozent der Gasprom-Aktien bei seinen Tochterunternehmen gekauft hat. Die Liberalisierung des Marktes der Gasprom-Aktien werde bis zum Ende des laufenden Jahres verwirklicht. Der Abschluss dieses Prozesses wird unter anderem mit Änderungen an der russischen Gesetzgebung zusammenhängen, die es Devisenausländern erlauben werden, Gasprom-Aktien zu erwerben.

    Übrigens machten die Versprechungen von Vertretern des Staates, den Markt der Gasprom-Aktien zu liberalisieren, keinen großen Eindruck auf Investoren, und in die Aktien des Gasmonopols kam keine Bewegung. Die Regierung hatte schon mehrfach die baldige Liberalisierung des Marktes für Gasprom-Aktien versprochen. Wie zum Beispiel im November 2003 oder im September 2004. Damals versprach der Präsident Wladimir Putin, dass die "Schutzbarriere" liquidiert werde, nachdem der Staat das Kontrollpaket des Monopols im Austausch gegen 100 Prozent der Rosneft-Aktien bekommen werde. Nach dieser Erklärung belebte sich der damals depressive Markt wieder. Aber das Geschäft kam nicht zustande. Zweifel bestehen auch heute.

    Nach Meinung der Analytiker sind nicht neue Versicherungen von Beamten, sondern reale Schritte notwendig, um Investoren zum Erwerb von Wertpapieren zu bewegen. Es gibt auch keine Klarheit über die Liberalisierungsfristen (gegen Ende 2005). Die Analytiker meinen, dass der Staat, bevor er die Liquidierung der „Barriere" in Angriff nimmt, wahrscheinlich das Rosneft-Aktienpaket verkaufen wird, um die Kredite zu tilgen, die mit dem Kauf von Gasprom zusammenhängen. Und damit werde er Rosneftegas liquidieren müssen, eine Holdinggesellschaft, die speziell für den Besitz des erworbenen Gasprom-Aktienpakets gegründet wurde.

    Ungeachtet der zahlreichen Erklärungen über die strategische Wichtigkeit der Kapitalerhöhung von Gasprom überwiegt die Meinung, dass für den Staat die Liberalisierung des Aktienmarktes kein Selbstzweck ist. Für den Staat ist es überhaupt nicht so wichtig, was mit Gasprom-Aktien passiert. Wichtiger ist die Reform des Gasmarktes, worüber vorläufig nicht besonders viel gesprochen wird. Aber es steht ein alles andere als einfaches Gespräch bevor. Nicht von ungefähr warf Gasprom kurz vor der Jahresversammlung der Aktionäre erneut die Frage über Gastarife auf.

    Außerdem löst die von Alexej Miller bekannt gegebene Strategie zur Verwandlung von Gasprom in das weltgrößte Erdöl- und Erdgasunternehmen durch den Erwerb von Erdölaktiva in Russland und im Ausland Zweifel aus. Obwohl die Strategie zum Ausbau der Erdölgeschäfte unter den gegenwärtigen Bedingungen zweifellos zweckmäßig ist. Aber die vom Konzernleiter gestellte Aufgabe, die Balance von Erdöl und Erdgas in einer Proportion von 55 zu 45 zu erzielen, kann sich als irreal erweisen.

    Im Erdöläquivalent macht heute die Gasgewinnung bei Gasprom 490 Millionen Tonnen aus, und die Erdölförderung betrug im vorigen Jahr etwas weniger als 460 Millionen Tonnen. Für dieses Jahr gibt es unterschiedliche Bewertungen. Aber die einmütige Bewertung läuft darauf hinaus, dass sie den Stand von 470 Millionen Tonnen kaum übersteigen wird. Das ist weniger, als Gasprom Gas gewinnt. Deshalb wird der Konzern, um 55 Prozent Erdöl zu haben, die gesamte Erdölbranche Russlands kaufen müssen.

    Im Fall von Gasprom ist die Zweckmäßigkeit seiner Verwandlung in einen Erdöl- und Erdgasgiganten auch nicht ganz offensichtlich. In der Welt gibt es kein einziges Unternehmen, das wenigstens annähernd ein Gaspotential wie Gasprom hat: Ein Drittel der Gasvorräte in der Welt, dabei der besten Vorräte, ist in Russland konzentriert. Zugleich hat der Konzern nicht wenig Probleme im Gasbereich: die Aufrechterhaltung des Gasleitungssystems im Arbeitszustand und der Übergang zur Ausbeutung der Vorkommen auf der Halbinsel Jamal sowie des Stockmanowskoje-Vorkommens. Diese Aufgaben kosten Milliarden und Abermilliarden US-Dollar. Die heutigen finanziellen Möglichkeiten von Gasprom sind nicht so groß, um alles wahllos zu kaufen. Heute ist der Konzern kaum in der Lage, irgendein großes russisches Unternehmen zu erwerben. Gasprom könnte einen Teil der Tjumener Erdölgesellschaft (TNK), einen Anteil an Sibneft oder Rosneft und etwas von Yukos-Aktiva kaufen. Das wäre wohl alles. Dabei muss man die eigene Verschuldung in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar tilgen.

    Deshalb läuft die allgemeine Meinung der Experten darauf hinaus, dass es zweckmäßiger wäre, jene verhältnismäßig nicht großen Geldmittel, die Gasprom aus dem Verkauf seiner Aktien an den Staat bekommen wird, in die Entwicklung der bestehenden Unternehmen und nicht in den Erwerb von branchenfremden Aktiva zu investieren.

    Im Ganzen ist der Nachrichtenstrom nach Meinung der Experten positiv. Die meisten Meldungen verweisen darauf, dass sich Gasprom, ungeachtet einer Reihe von Verzögerungen, der vollen Liberalisierung von Operationen mit seinen Aktien annähert. Außerdem setzt das Gasmonopol die Restrukturierung seiner zahlreichen Tochterunternehmen fort, um ihre Lenkbarkeit und Transparenz zu verbessern. Zugleich bleiben die Befürchtungen bezüglich der Schulden des Konzerns, die den Effekt der verkündeten Strategie zur Verwandlung in einen Erdöl- und Erdgasgiganten recht ernsthaft abwerten.

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