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    Ukraine: Konflikt zwischen den Orthodoxen und den Griechisch-Katholiken

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    MOSKAU, 4. Juli (Alexej Makarkin, stellvertretender Generaldirektor des Zentrums für politische Technologien - RIA Nowosti).

     Im ukrainischen Transkarpatien haben sich die Beziehungen zwischen der orthodoxen und der griechisch-katholischen (die dem Römischen Stuhl unterstellten Christen, die jedoch ihre orthodoxen Riten bewahrt haben) Gemeinde zugespitzt. Der Vorsteher der orthodoxen Kathedrale zu Kreuzerhöhung in Transkarpatien, Erzpriester Dimitri Sidor, hat die griechisch-katholischen Gemeinden wegen einer beispiellosen Expansion im traditionell orthodoxen Uschgorod - der Hauptstadt der Transkarpatischen Rus - beschuldigt. Die orthodoxen Gläubigen sind vor allem über den geplanten Bau eines Römisch- und Griechisch-katholischen Kirchenkomplexes in unmittelbarer Nähe zu dem Gotteshaus empört, in dem Vater Dimitri Gottesdienste durchführt. Vom ihrem Standpunkt aus kann diese Entscheidung zu einer interkonfessionellen Konfrontation in Uschgorod führen.

    Der Konflikt zwischen den Orthodoxen und den Griechisch-Katholiken (auch Unierte genannt) in der Ukraine hat jahrhundertealte Wurzeln. 1946 wurde die Uniatenkirche auf Stalins Befehl verboten und ging in den Untergrund; ihre Legalisierung fiel zeitlich mit der Perestroika zusammen. Gleichzeitig begann die Umverteilung der kirchlichen Ressourcen auf dem Territorium der Westukraine - die einen Gemeinden kehrten freiwillig und die anderen erst nach schweren Konflikten und sogar nach Gewaltanwendung in die Unierte Kirche zurück. Eine Ausnahme im Westen des Landes bildet Transkarpatien, wo die Orthodoxie in einem bedeutenden Maße ihre Position beibehalten hat. Jetzt kann sie diese Position einbüßen. Es sei angemerkt, dass nach dem Stand von 2004 im Lande 10 310 Gemeinden der Ukrainisch-orthodoxen Kirche und 3 328 Gemeinden der Griechisch-katholischen Kirche registriert sind.

    Die Orthodoxen reagieren gewöhnlich auf solche Expansionen mit Mahnwachen und anderen Protestaktionen sowie mit Appellen an die Machtorgane. Doch in diesem Fall würden solche Maßnahmen für das europäische Bewusstsein nicht gerade überzeugend wirken - es sei daran erinnert, dass die Ukraine Mitglied des Europarates ist. Denn es geht nicht darum, eine Gemeinde wegen interkonfessionellen Widersprüchen aus ihrem Gotteshaus zu verjagen, sondern nur um den Bau neuer Kirchen (die Uschgoroder Behörden haben den Unierten vier Grundstücke zugeteilt). Für das moderne sekuläre und relativistische Europa nehmen sich die Argumente hinsichtlich der historischen Wurzeln oder der Wahrhaftigkeit des Glaubens sehr archaisch und als den Normen des modernen Rechtes und den liberalen Prinzipien der freien Konkurrenz nicht nur von Waren, sondern auch von Ideologien und Religionen zuwiderlaufend aus. Offenbar aus diesem Grund haben die Orthodoxen in diesem Fall einen ungewöhnlichen Weg gewählt - sie bekundeten die Absicht, ihr Gotteshaus im Zentrum der Stadt, gegenüber einer Uniatenkathedrale zu errichten. Es geht also um eine symmetrische Antwort auf die Handlungen der Griechisch-Katholiken, die mit den demokratischen Normen voll und ganz übereinstimmt. Wenn aber die Stadtbehörden das Vorhaben der Orthodoxen nicht genehmigen sollten, kann der örtlichen Administration die Diskriminierung einer Konfession und die Unterstützung einer anderen vorgeworfen werden.

    Mehr noch, das künftige orthodoxe Gotteshaus soll im Namen des Ehrwürdigen Alexi Kabaljuk- einer für Transkarpatien symbolischen Figur - eingeweiht werden. In einer Uniierten-Familie geboren, wechselte er noch als Jugendlicher zur Orthodoxie über, wurde später zu einem Geistlichen und spielte bei der Wiederherstellung der orthodoxen Kirche Anfang des 20. Jahrhunderts in Transkarpatien die Hauptrolle. Seine missionarische Tätigkeit hatte Repressionen seitens der österreichisch-ungarischen Behörden zur Folge (Transkarpatien gehörte zu dem Reich), die die Orthodoxen politischer Sympathien für Russland verdächtigten. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges wurde Vater Alexi zu Gefängnishaft verurteilt, kam nach dem Kriegsende frei und blieb bis zu seinem Ableben im Jahre 1947 Führer der transkarpatischen Orthodoxen. Es ist klar, dass er für die orthodoxe Gemeinde ein Held ist, der 2001 kanonisiert wurde. In den Augen der Griechisch-Katholiken ist er ein Abtrünniger, ein unversöhnlicher und recht erfolgreicher (und daher gefährlicher) Opponent.

    Selbstverständlich ist jede interkonfessionelle Konfrontation unerwünscht, denn sie führt zu verderblichen Folgen für die Seelen der Gläubigen, die statt zu beten und zu fasten in heftige Konflikte hineingezogen werden, die von verschiedenen politischen Kräften oft in ihren eigenen Interessen genutzt werden. So hat sich die Mehrheit der Uniierten während der letzten Wahlkampagne für Viktor Juschtschenko ausgesprochen, während die Orthodoxen Viktor Janukowitsch den Vorzug gaben. In Fällen aber, da ein Konflikt zu weit geht, wirken die notgedrungenen friedlichen Antwortmaßnahmen, auf die die transkarpatischen Orthodoxen eingegangen sind, durchaus logisch und gerechtfertigt

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