14:21 21 Januar 2017
Radio
    Meinungen

    Reform der Armeereform nötig

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 4 0 0

    MOSKAU, 7. Juli (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti.)

    "Die Armeereform wurde weitestgehend abgeschlossen", äußerte Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow vor zwei Jahren. Aber offensichtlich bedarf diese Behauptung einer Korrektur. Das geht aus Erklärungen leitender Mitarbeiter des Ministeriums selbst hervor. Selbst Präsident Putin sagte auf einer Sitzung des Sicherheitsrates Russlands: "Die bewaffneten Kräfte haben es bis jetzt nicht geschafft, die früher gefassten Beschlüsse über die Reform der Armee und der Sicherheitsstrukturen umzusetzen."

    Und weiter: "Das Entwicklungsprogramm der Streitkräfte auf Perspektive muss vom exakten Begreifen der vielen heute wirkenden Faktoren ausgehen und der sich dynamisch verändernden Situation in der Welt adäquat sein. Notwendig ist eine präzise Analyse des Charakters der Gefahren: des internationalen Terrorismus, der Drogenausbreitung, der technischen Katastrophen sowie der sozialen und ethnischen Konflikte in den an Russland grenzenden Regionen. Übrigens sind diese Probleme auch in unserem Lande nicht gelöst worden", erklärte das Staatsoberhaupt. Dem fügte er hinzu: "Natürlich müssen wir auch für die Lösung anderer Aufgaben von globalem Charakter das Pulver trocken halten. Das dürfen wir niemals vergessen."

    Die Probleme, die eine unverzügliche Lösung erfordern, sind in der russischen Armee tatsächlich zahlreich. Wir wollen nur auf eines eingehen: die Umstellung auf moderne Kampftechnik und Systeme zur Sicherstellung des Gefechts, denn wenn diese Aufgabe nicht gelöst wird, kann von einem effektiven Kampf gegen den Terrorismus, die Drogenausbreitung, die ethnischen und anderen Konflikte und noch ernstere potentielle Gefahren keine Rede sein.

    Davon, wie es um die russische Kampftechnik steht, zeugen folgende offiziellen Zahlen, die von leitenden Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums bekannt gegeben wurden: Etwa die Hälfte aller Panzer (ihre Zahl beträgt rd. 20 000) erfordert eine Generalreparatur, nur 20 Prozent der in den Waffenbestand aufgenommenen Gefechtstechnik entsprechen den Anforderungen der Zeit, nur 30 Prozent der Jagdflugzeuge sind zu einem Soforteinsatz bereit.

    Und all das zu einer Zeit, da im Haushalt 2005 für den Ankauf von Kampftechnik mehr Mittel bereit gestellt wurden, als der Umfang des gesamten Waffenexports Russlands im Jahre 2004 ausmachte. Genauer: es wurden 186 Milliarden Rubel beziehungsweise 6,3 Milliarden Dollar bereitgestellt. Der Waffenexport hatte einen Umfang von 5,7 Milliarden Dollar.

    Eines der Schlüsselprobleme besteht darin, dass der Mechanismus, nach dem die Mittel für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und für den unmittelbaren Waffenkauf bereit gestellt werden, nicht reibungslos funktioniert. Vor kurzem klagte der stellvertretende Verteidigungsminister Armeegeneral Alexej Moskowskij, der für Rüstungsfragen der Streitkräfte Russlands zuständig ist, in einem Interview für eine Moskauer Zeitung, dass 2001 - 2004 das laufende Rüstungsprogramm um 160 - 170 Milliarden Rubel beziehungsweise 5,8 Milliarden Dollar unterfinanziert worden sei. Wie wir sehen, genau um den Betrag, der für den Waffenankauf 2005 bereitgestellt worden ist. Der Grund ist trivial: Der Staatshaushalt wird jeweils für ein Jahr aufgestellt, während die Entwicklung praktisch aller Arten von hochtechnologischen Waffen recht viel Zeit - drei bis zehn Jahre - in Anspruch nimmt. Und so kommt es, dass die Konstrukteure, anstatt an ihren Neuentwicklungen zu arbeiten, unheimlich viel Zeit verschwenden müssen, um in verschiedenen Büros der Regierung und dann noch in der Staatsduma zu beweisen, dass die Arbeit erfolgreich vor sich gehe, jedoch eine zeitliche Umverlagerung der zugestandenen Mittel erfordere. Es gelingt nicht immer, das zu beweisen, dann bleibt die Entwicklung stecken. Im Ergebnis bekommt die Armee nicht, was sie braucht.

    Das ist übrigens einer der Gründe dafür, dass der den Truppen längst versprochene "Nachtjäger", der Hubschrauber Mi-28N, immer noch nicht zur Bewaffnung der Luftstreitkräfte gehört; dass die veralteten strategischen U-Boot-Raketen nicht ersetzt werden; dass nicht nur die Militärs, sondern auch schon der Präsident immer wieder mahnen: Eine der akutesten Aufgaben der Streitkräfte sei heute die Entwicklung moderner Aufklärungs- und Nachrichtenmittel.

    Zu diesen Aufklärungsmitteln gehören zum Beispiel unbemannte Flugapparate. Russland besitzt den operativ-taktischen Raketenkomplex "Iskander" von hoher Präzision, der in einer Entfernung bis zu 280 km auch die schwierigsten Ziele trifft. Aber unbemannte Flugkörper mit einer solchen Reichweite, die Angaben über das entdeckte Ziel übermitteln können, gibt es vorläufig nicht. Auch das hemmt die Umrüstung der Armee.

    Wie das Problem gelöst werden kann, ist schon bekannt. Es gilt, die Pläne des Staatshaushalts bei einzelnen Posten nicht nur für ein Jahr, sondern für drei und eventuell noch mehr Jahre aufzustellen. Das würde es ermöglichen, die Mittel für die Entwicklung und den Kauf von Waffen und Kampftechnik rhythmischer bereitzustellen. Ihre Produzenten müssen sich dann nicht den Kopf darüber zerbrechen, was zu tun ist, wenn das Geld für das nächste Jahr nicht reicht. Mit dieser Fragestellung sind alle Minister einverstanden, nicht nur im militärischen, sondern auch im Finanz- und Wirtschaftsblock, aber Wort und Tat stimmen da noch nicht überein.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren