10:46 24 September 2017
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    Experte: Aufgabe nicht erfüllt - El Kaida besteht weiter

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    MOSKAU, 8. Juli (von Gennadi Jewstafjew, Generalleutnant der Außenaufklärung SWR a.D., für RIA Nowosti).

    In den letzten Monaten verbreitete sich im Westen die Meinung, dass die berüchtigte El Kaida eher tot als lebendig ist, und dass die "Koalition der Gleichdenkenden" jetzt mit deren Splittergruppen in Irak und Afghanistan fertig werde. Werden in Russland, im Nordkaukasus Terroranschläge verübt, so geht es sehr wahrscheinlich nicht um den internationalen Terrorismus, sondern eher um lokale Freiheitskämpfer, glaubt man im Westen

    Amerikanische Offizielle und Experten erklärten, die El Kaida und die sie umgebenden Terroristengruppierungen seien zum größten Teil zerschlagen worden, ihr Führungssystem wurde zerstört, es gebe zwar noch vereinzelte kleine Splittergruppen, aber sie seien kaum zu einer großen, gezielten, gut vorbereiteten und koordinierten Terroraktion fähig.

    All das wurde als ein glänzender Erfolg der Administration Bush im Kampf gegen den Terror verkauft, was bei manchen die Wachsamkeit einschläferte.

    Auch London glaubte, mit den "Resten" der Terroristen ein internes gegenseitiges Einvernehmen erzielt zu haben - nach dem Motto: "Ihr rührt uns nicht an und wir verschließen die Augen vor einigen Aspekten eurer Tätigkeit". An dieser Linie halten übrigens viele Politiker und Staatsmänner einiger anderer westeuropäischer Staaten wie Belgien, Holland und Dänemark fest.

    Die Kurzsichtigkeit dieser Politik war von vornherein offensichtlich. Denn der internationale Terrorismus hat eine "Agenda", die er ungeachtet der erlittenen Verluste weiter in die Tat umsetzt. Die Anschläge in London haben das ein weiteres Mal bestätigt.

    Als es soweit war, verzichtete der internationale Terrorismus, ohne zu zögern, auf das satte und ruhige Leben, das sich ihm in London bot, und richtete entschlossen ein Blutbad an.

    Man sollte sich keinen Illusionen hingeben, dass die Anschläge mit der Wahl Londons als Olympiastadt 2012 verbunden waren. Die Weise, in der die Terroraktion geplant und verübt wurde, lässt eindeutig darauf schließen, dass sie zum G8-Gipfel vorbereitet wurde, und dass dahinter El Kaida steckt. Der Terrorserie ging offenbar eine monatelange Vorbereitung voraus. Um die Aktion so exakt durchzuführen, waren sicherlich mehrere erfahrene Terrorgruppen und ein gemeinsamer Maßnahmen- und Zeitplan notwendig. Diese Gruppen hatten zweifelsohne viele Helfershelfer, womöglich auch bei Behörden. Jedenfalls war ihr Kalkül richtig: Die besten Sicherheitskräfte würden aus London nach Schottland verlegt werden, um dort für die Sicherheit des G8-Gipfels zu sorgen.

    Bezeichnend ist, dass weder die britischen Geheimdienste noch ihre ausländischen Kollegen irgendwelche Hinweise auf die geplante Greueltat erhalten hatten. Das belegt die Schlussfolgerungen einiger Terror-Experten, laut denen es den führenden Geheimdiensten der Welt immer noch nicht gelungen ist, Agenten in die Terror-Strukturen einzuschleusen, die sich mit der Planung solcher Großanschläge befassen. El Kaida konnte inzwischen die Verluste ersetzen, die sie vor ein paar Jahren erlitten hatte, und ihre Kampffähigkeit zurückgewinnen.

    Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Tony Blair den Kampf gegen den Terror auf Platz acht in der Themenliste des Summit gesetzt hatte. Natürlich ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Häme.

    Es muss zugegeben werden, dass der Schluss, den die Geheimdienstler seinerzeit gezogen hatten, begründet und richtig war: El Kaida kann geduldig und sorgfältig große Aktionen vorbereiten, sie kann abwarten und den Eindruck vermitteln, dass sie zu groß angelegten Aktionen nicht mehr fähig ist. Das darf man nie vergessen. Bei kleinen und häufigeren Aktionen handelt es sich hingegen nicht um El Kaida, sondern um lokale Eigeninitiative.

    Es liegt im Interesse von El Kaida, Gerüchte über den eigenen Tod als Organisation zu verbreiten. Die kleinen Aktionen zweitrangiger mit ihr nichts gemein habender Gruppen tragen mit dazu bei. In London kam die "Handschrift" der El Kaida wieder in vollem Maße zum Vorschein. Mehr noch: In absehbarer Zeit ist mit aus technischer Sicht komplizierteren und gefährlicheren Aktionen zu rechnen.

    Die Serie von Terroranschlägen in London gibt der Zusammenarbeit der Geheimdienste im Kampf gegen den internationalen Terror vielleicht einen neuen Impuls. Allerdings bleibt zu hoffen, dass die Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft auf diesem Gebiet wieder in den Vordergrund rückt, indem sie enger und aufrichtiger, konsequenter und wirksamer wird. Sonst müssen wir ewig in Erwartung eines neuen Großanschlags leben, dessen Ort und Zeit die internationalen Terroristen nach eigenem Ermessen wählen, und das können sie durchaus. Auf dem Spiel steht das Leben von Dutzenden und Hunderten unschuldiger Menschen, denen die Machthaber Schutz und Sicherheit zugesichert haben.

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