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    Explosionen in Londen - wirklich nur inneres Problem von Großbritannien?

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    MOSKAU, 8. Juli (Juri Filippow, politischer Kommentator der RIA Nowosti.)

    Im nächsten Jahr, da Russland beim turnusmäßigen Gipfel der führenden Weltmächte den Vorsitz übernehmen soll, wird es sehr gewichtige Gründe haben, in den Mittelpunkt der Erörterung neben der eingeplanten Energetik auch die Problematik der Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu stellen.

    Die Serie von Terroranschlägen in London am Eröffnungstag des G-8-Gipfels zeigte anschaulich, dass ein effektiver Kampf gegen die Armut, die globalen Klimaveränderungen oder beliebige andere die Menschheit bewegende Probleme nicht einmal ruhig erörtert werden kann, solange die Fragen der Sicherheit und der Bekämpfung des internationalen Terrorismus außer Betracht bleiben. Wenn sich die Weltpolitiker, ebenso wie bisher, auf rituelle Zauberformeln ob der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Terrorismus beschränken, hierbei jedoch kein konzertiertes Aktionsprogramm ausarbeiten und seine Erfüllung nicht kontrollieren, wird sich die "Große Acht" bald in eine "Große Neun" transformieren. Der unsichtbare neunte Diskussionsteilnehmer wird nicht etwa eine neue Weltmacht wie China, Indien oder Brasilien, sondern es wird der internationale Terrorismus sein, der seine eigene Tagesordnung diktiert und von den Versuchen nicht ablässt, alle gut gemeinten Vorhaben der Leader der heutigen Welt zu vereiteln.

    Nach den Geschehnissen in London ist wohl die Frage angebracht: Warum wurde bisher noch kein koordiniertes internationales System des Widerstandes gegen den Terrorismus geschaffen? Dass ein solches System nicht besteht und dass die Weltgemeinschaft noch keine gemeinsame Politik zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus ausgearbeitet hat, springt ins Auge, trotz all der zahlreichen Deklarationen auf höchster Ebene und der Zusammenarbeit der Geheimdienste verschiedener Länder, die merkliche Fortschritte macht und bei der es zu einem Informationsaustausch über die potentiellen Terroristen und deren Organisationen gekommen ist.

    Vielleicht liegt der Hauptgrund darin, dass in jedem terroristischen Angriff das betroffene Land ebenso wie die gesamte Umgebung bisher noch unterbewusst ein durch und durch internes Problem des angegriffenen Landes sehen. Eine in einer solchen Situation unvermeidliche Reaktion sind einseitige Gegenmaßnahmen, die auf nationaler Ebene getroffen werden und zudem bei der Weltgemeinschaft und ihren einzelnen Mitgliedern bei weitem nicht immer Verständnis und Unterstützung finden.

    Der Angriff vom 11. September 2001 wühlte die Welt auf und erschreckte die Vereinigten Staaten. Er trieb sie zu einer harten einseitigen Reaktion: zur Invasion in Afghanistan und dann auch in Irak. Die amerikanische Okkupation Iraks stieß ihrerseits auf die stärkste Opposition in Europa. Wie jedoch die Zeit lehrt, hat vorläufig weder die Invasion in Irak noch die europäische Kritik an diesen Handlungen die Welt dem Sieg über den internationalen Terrorismus näher gebracht.

    Die Terrorakte in Madrid im März vorigen Jahres bewirkten ein völlig entgegengesetztes Ergebnis: Spanien zog seine Truppen aus Irak ab, was die USA und Großbritannien natürlich verärgerte. Möglicherweise hat die spanische Regierung ihr nationales Territorium vor neuen massiven Terrorakten abgesichert, doch selbstverständlich die grundsätzliche Lösung des Problems des internationalen Terrorismus nicht näher gebracht: Die Terroristen übertrugen ihre Aktivitäten einfach auf andere Objekte.

    Russland, das im September vorigen Jahres die größte terroristische Aggression in der ganzen Zeit seines mehrjährigen Krieges gegen den Terrorismus erlebte (bei der Tragödie in Beslan kamen 330 Menschen ums Leben, die Hälfte von ihnen waren Kinder), wählte seine eigene nationale Antwort auf die terroristische Gefahr: Russland ging daran, den Staat aktiv zu festigen. Sonderbarerweise löste selbst diese absolut natürliche Reaktion in mehreren Ländern der Antiterror-Koalition Kritik aus. Die Mitglieder des US-Kongresses McCain und Lantos erklärten, in Russland werde der Autoritarismus wiederhergestellt, weshalb es aus der G-8 auszuschließen sei. Ein absurderer Vorschlag lässt sich kaum ausdenken, doch bestätigt er eine Tendenz, die überall zutage tritt: Ein terroristischer Angriff auf unser Land bewirkt eine einseitige Gegenreaktion, die darauf in den Ländern, die formell unsere Verbündeten aus der Antiterror-Koalition sind, auf das Härteste kritisiert wird. Ein trauriges Ergebnis von all dem sind zunehmender Zerfall und Verwirrung unter den Opfern der terroristischen Angriffe und ein immer höherer Grad der Koordinierung und Organisierung des internationalen Terrorismus. Übrigens kritisierte London den russischen Kampf gegen den inneren und internationalen Terrorismus, der sich in Tschetschenien und Nordkaukasien festgesetzt hat, immer besonders scharf. Das bezieht sich allerdings nicht direkt auf Tony Blair und seine Regierung, die auf Political Correctness bedacht ist. Dennoch ist London bis heute das europäische Zentrum des radikalen Islams, gerade hier hat der Bürger Russlands Achmed Sakajew politisches Asyl gefunden. Die britischen Behörden weigerten sich, ihn an Russland auszuliefern, obwohl dieses Beweise für seine Mittäterschaft an terroristischen Aktivitäten auf russischem Territorium vorlegte. Was die tagtäglichen Nadelstiche wegen des russischen Kampfes gegen den Terrorismus angeht, so kommt selten eine britische Ausgabe ohne sie aus.

    Möglich, dass die Briten nach der Tragödie vom 7. Juli dieses Problem doch mit ganz anderen Augen sehen. Auf jeden Fall dürfen die Worte Wladimir Putins über die Doppelstandards in der Einstellung zum internationalen Terrorismus, die bald nach den Londoner Terrorakten in Gleneagles ausgesprochen wurden, nicht in der Luft hängen bleiben.

    Russland hat alle Gründe und überdies das moralische Recht, Fragen des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus im nächsten Jahr in den Mittelpunkt der Erörterung durch die G-8 zu rücken. Selbstverständlich wird der Terrorismus nicht das einzige Diskussionsthema sein, aber Russlands Position besteht darin, dass die weltweite Unorganisiertheit im Kampf gegen dieses Übel selbstmörderische Auswirkungen hat und ein für alle Mal überwunden werden muss. Übrigens muss man damit nicht unbedingt noch ein Jahr warten.

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