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    Sauberkeit der Moskwa lässt zu wünschen übrig

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    MOSKAU, 13. Juli (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti).

    Der Ölteppich, ein Kilometer lang und insgesamt 600 Quadratmeter groß, der im hauptstädtischen Bezirk Mnewniki zu beobachten ist, und die zweite mächtige Verschmutzung bei Fili sei nicht das Schlimmste, was mit der Moskwa geschehe, sagt das korrespondierende Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Viktor Danilow-Daniljan, Direktor des Instituts für Wasserprobleme der Russischen AdW. Die Quelle einer plötzlichen "salvenartigen" Verschmutzung kann oft festgestellt werden. Die Schuldigen werden durch die Umweltpolizei und die Staatsanwaltschaft bestraft, die Ölflecken von den operativen Reinigungsdiensten von der Oberfläche des Flusses entfernt.

    "Viel gefährlicher ist das chronische Gebrechen der Moskwa, die ökologisch schwer krank ist", betont der Wissenschaftler. "Der systematische Ausstoß von ungereinigten oder nicht hundertprozentig gereinigten Abwässern enthält absolut alles, was er nur enthalten kann, in erster Linie Erdölprodukte. Die Abflüsse bei starken Regenfällen vom städtischen Territorium und natürlich die Kanalisation, die nicht reguliert und bisweilen ohne jede Reinigung in die Moskwa abgelassen wird, erhöhen nur noch den Verschmutzungsgrad."

    Der Fluss, der vor 858 Jahren einer kleinen Slawensiedlung, die sich zu Russlands Hauptstadt entwickeln sollte, ihren Namen gab, geht heute wegen der Abwässer der Megapolis mit ihren 10 Millionen Einwohnern ein. "In hydrologischer Hinsicht handelt es sich um einen schweren, phänomenalen Fall", erläutert Danilow-Daniljan. "Beim Einfluss in die Hauptstadt macht die Wassermenge in der Moskwa nur einen Bruchteil der Wassermenge aus, die ausfließt. Das ist ein Fakt. Der Fluss ‚schwillt' durch die Abwässer und Ausflüsse der Stadt und die kleinen innerstädtischen Flüsse (Jausa u. a.), deren Wasser man ohne weiteres ‚Abfälle der Lebenstätigkeit' nennen könnte, an."

    Das biologische Leben in der nach der Charakteristik von Wissenschaftlern "außerordentlich verschmutzten" Moskwa ist in hohem Maße unterdrückt. Dort, wo der Fluss das Weichbild der Hauptstadt verlässt, gibt es praktisch keine gesunden Lebewesen mehr darin. Die Erzählungen von allerlei ungeheuren Mutanten sind natürlich eine Übertreibung, es handelt sich einfach um kranke Einzelwesen. Dabei war die Tierwelt in der Moskwa früher gar nicht schlecht, Sterlet und Zander kamen vor. Aber dies bis zu der Zeit, da das Wasser massiv vergiftet wurde.

    Im Wasserschutzgebiet der Moskwa befinden sich viele technologisch veraltete Kanalisationseinrichtungen, aus denen viel Schmutz in das Flussbett kommt. Die giftige Einwirkung der Industrieabwässer beginnt ab Moschaisk. Jede nächste Stadt in der Umgebung der Moskau leistet ihren "Beitrag" zum Wasser der Moskwa. Die Landwirtschaft lässt in der Regel die Abwässer aus den Tierfarmen und diffuse Flüssigkeiten von Feldern ab, welche Düngemittel und Pestizide enthalten. Doch die Stadt Moskau verschmutzt die Moskwa vielfach mehr als alle übrigen Schmutzquellen zusammengenommen.

    "Das Problem verlangt das sofortige und energische Einschalten der Stadtbehörden, das ist einfach eine heilige Pflicht der Regierung von Moskau", sagt Danilow-Daniljan. "In erster Linie müssen die Abflüsse vom städtischen Territorium wesentlich gereinigt werden. Es ist höchste Zeit, von den Industriebetrieben ein qualitativ neues Niveau der Abwasserreinigung zu fordern."

    Die Moskauer Behörden sind alles andere als untätig, vieles wird in dieser Hinsicht schon unternommen. So wurden im Frühjahr Schneeschmelzanlagen eingesetzt, die außerdem das Schmelzwasser reinigen. In beiden vergangenen Sommern wurde der Grund der Moskwa aktiv gereinigt: Gehoben wurden 20 versunkene Schiffe, und das ist ebenfalls ein positiver Fakt.

    Aber die Situation schreit nach radikalen Maßnahmen. Die Hydrologen beschweren sich darüber, dass ihre Empfehlungen hinsichtlich des Volumens des sogenannten ökologischen Durchlasses, bei dem aus den Stauseen speziell ein Wasserstrom in den Fluss eingelassen wird, um das Bett zu waschen, nicht immer befolgt werden. In diesem Fall treten die Interessen des Umweltschutzes in Gegensatz zu den Interessen der Wasserbenutzer, die an einem langsamen und gleichmäßigen Wasserverbrauch interessiert sind. Aber das Bett müsse eben gereinigt werden, das sei unvermeidlich, sagen die Wissenschaftler beharrlich.

    Das Wohlbefinden, die Gesundheit eines Flusses hängt sehr stark von der Gesundheit seines Einzugsgebietes ab. "Als absoluter Unfug ist zum Beispiel die Tatsache zu nennen, dass im Moskauer Gebiet bisher noch durchgehende Kahlschläge vorgenommen werden. Dem sei längst ein Ende zu setzen, sagt Danilow-Daniljan. "Sind die Flussufer bewaldet, so hält der Wald das Niederschlagswasser fest, und dieses Wasser kommt beständig in den Fluss, wobei es gereinigt und um Mineralsalze bereichert ist. Sonst aber fließt das Wasser schnell an der Oberfläche ab und nimmt unterwegs noch Schmutz mit."

    Die Welt kennt positive Beispiele der Gesundung verschandelter Flüsse. Man denke da an den Rhein, der erst vor Kurzem die "Kloake von Zentraleuropa" war. Heute haben die Deutschen ihren Rhein "gesund gepflegt". Vielleicht hat auch die Moskwa Glück.

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