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    Proton: 40 Jahre im Dienst der Menschheit

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    MOSKAU, 13. Juli (Juri Sajzew, Experte des Instituts für Weltraumforschung, für RIA Nowosti). Vor 40 Jahren, am 16. Juli 1965, hat die Sowjetunion die Proton, mit 12,2 Tonnen damals die schwerste Forschungsstation der Welt, ins All gestartet.

    Allein ihre Forschungsapparatur wog 3,5 Tonnen. Die Station sollte die kosmische Strahlung und Partikel der Höchstenergien erforschen.

    Die Forschungen wurden später mit den Stationen Proton-2, Proton-3 und Proton-4 fortgesetzt. Die Proton-4 hatte schon eine Masse von 17 Tonnen, wobei ihre Forschungsapparatur 12,5 Tonnen wog. Alle vier Stationen wurden von schweren Universalraketen Ural UR-500, entwickelt im Konstruktionsbüro von Akademiemitglied Wladimir Tschelomej, in ihre Umlaufbahn gebracht.

    In technischer Hinsicht kannten die Ural-Raketen weder innerhalb noch außerhalb der Sowjetunion ihresgleichen. Beim Militär sollte sie für Vergeltungsschläge im Falle eines Angriffs "eines eventuellen Feindes" auf die Sowjetunion dienen. Als Interkontinentalrakete konnte die Ural einen nuklearen Sprengkopf von bis zu 50 Megatonnen tragen.

    Das war ein wirklich riesiges Projekt. Die erste Stufe der Rakete bestand aus einem zentralen Block und sechs Seitenblöcken. Jeder Block war mit einem Triebwerk mit einer Schubleistung von 150 Tonnen versehen. Die zweite Stufe bestand aus einem Block mit dem gleichen Durchmesser wie der zentrale Block der ersten Stufe. Betankt wurde die Rakete mit aggressivem Treibstoff, bestehend aus Stickstofftetroxid als Oxydiermittel und aus Heptyl als Treibstoff. Die Startmasse der Rakete betrug rund 600 Tonnen.

    Noch bei ihrer Entwicklung stellte sich heraus, dass die Abmessungen der Stufe 1 den Transport per Eisenbahn, auf dem das Militär beharrte, unmöglich machten. Eine Lösung fand Akademiemitglied Tschelomej: Er ließ die Behälter mit dem Treibstoff an den Oxydiermittel-Behältern befestigen. Diese Konstruktion fand beim Militär Zustimmung und diente weiterhin als Prototyp.

    Einmalig war auch die Startanlage für die Rakete. Erstmals in der Weltpraxis wurden zwei gleiche Startanlagen in 600-Meter-Entfernung von einander errichtet. Dazwischen fanden gemeinsame Aggregate und Systeme für Startvorbereitungen Platz.

    Ursprünglich sollten sowohl bodengestützte als auch unterirdische Startanlagen geschaffen werden. Später musste man jedoch auf unterirdische Starts verzichten.

    Der erste Versuchsstart der UR-500 fand am 15. Mai 1964 statt. Aber schon nach der Erprobung eines Sprengkopfes mit halber Sprengkraft auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer wurde klar, die Explosion einer 50-Megatonnen-Bombe mit einer globalen Katastrophe droht. Es wurde daher beschlossen, auf die Bombe zu verzichten. Als Folge wurde auch die Rakete, die eigens für ihre Beförderung entwickelt wurde, nicht mehr gebraucht. Das Projekt Ural UR-500 wurde 1964 eingestellt.

    Auf der Grundlage der zweistufigen ballistischen Interkontinentalrakete wurden dann eine zweistufige und eine dreistufige Weltraum-Trägerrakete gebaut. Da bei ihren Teststarts Raumapparate vom Typ Proton ins All flogen, erhielt die zweistufige Rakete den Namen "Proton" und die dreistufige "Proton-K". Die Rakete erwies sich als zuverlässig. Seit der Einstellung des russischen Shuttle-Programms Energija-Buran ist Proton die einzige Weltraum-Trägerrakete schwerer Klasse in Russland. Mit ihrer dreistufigen Modifikation wurden Module der russischen Raumstation Mir und danach auch Teile der Internationalen Raumstation ISS auf die Umlaufbahn gebracht. Mit den vierstufigen (mit einem Beschleunigungsblock ausgestatteten) Proton-Raketen können Raumapparate (wie z.B. das europäische astrophysikalische Observatorium Integral) höhere und geostationäre (wie z.B. Navigationssatelliten GLONASS und Nachrichtensatelliten) Umlaufbahnen erreichen sowie Umlaufbahnen, von denen aus ein Weiterflug ins All möglich ist (Mars-Phobos, Mars-96).

    Die Proton-K hat sich inzwischen als die zuverlässigste und rentabelste Trägerrakete schwerer Klasse bewährt. Seit April 1996 dient sie auch für kommerzielle Starts. Bis Dezember 2000, als die Quoten für Proton-Starts abgeschafft wurden, führte Russland 23 kommerzielle Proton-Starts im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Dollar durch. Jeder Start kostete dabei zwischen 65 und 90 Millionen Dollar.

    Jetzt kann eine Proton-K-Rakete, gestartet vom Raumbahnhof Baikonur, bis zu 20,6 Tonnen Fracht auf eine 200 km entfernte Umlaufbahn und 2,6 Tonnen auf eine geostationäre Umlaufbahn bringen.

    Im April 2001 wurde die neue Rakete Proton-M (M bedeutet soviel wie "modernisiert") erfolgreich getestet. Die Rakete wurde mit dem Beschleunigungsblock Bris-M ausgestattet, der die Installierung der zu befördernden Raumapparate unter der Bugverkleidung erleichtert und dadurch die Attraktivität für die Kunden erhöht.

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