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    Kirgisien wählt Umwandlungen

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    BISCHKEK, 14. Juli (Pjotr Gontscharow, RIA-Nowosti-Kommentator). Der Sieg Kurmanbek Bakijews bei den Präsidentenwahlen in Kirgisien, und zwar mit einem riesigen Abstand von den anderen Kandidaten, wurde von vielen in der Republik erwartet.

    Knapp 89 Prozent der Wahlbeteiligten stimmten für ihn. Innerhalb des Landes wird diese Zahl auch kaum angezweifelt. Nach Ansicht meiner Gesprächspartner - Vertreter der Geschäftskreise, des mittleren und des großen Unternehmertums, Politologen und Experten - widerspiegele die Zahl von 89 bis 90 Prozent die reale Situation in der Gesellschaft. Ein überwältigender Teil davon ist der unrealistischen Projekte und Versprechungen des früheren Regimes müde. Nach dem heutigen Stand werden Bakijew und Co. in der Republik als das einzige Team aufgefasst, mit dem die Bevölkerung bestimmte Zukunftspläne verbinden kann. Deshalb ist dieser Sieg natürlich zweifel-, freilich nicht bedingungslos.

    Der beeindruckende Erfolg Bakijews und seines Teams, zu dem Spitzenfiguren der jüngsten "samtenen" Opposition gehören - ist in erster Linie ein großer Vertrauenskredit, den er von einem überwältigenden Teil der Bevölkerung Kirgisiens bekommen hat, die auf positive Veränderungen hofft. Diesen Kredit wird man noch abarbeiten müssen. Denn gestimmt wurde nicht vordergründig "für" Bakijew, sondern vielmehr "gegen" das gestrige "Regime Akajews". Zahlreiche Zeugnisse und Zusicherungen des früheren Präsidenten und seiner engsten Mitarbeiter sowie von Vertretern der politischen Elite des Regimes von einer explizit "weltlichen, demokratischen und positiven" Entwicklung der Republik erwiesen sich in Wirklichkeit als ein Lügenmärchen. Und dass trotz der Tatsache, dass Kirgisien schon zur Sowjetzeit den Ruhm einer "weltlichen und fortschrittlichen" Sowjetrepublik mit einer Wirtschaft genoss, die sich selbst versorgen konnte.

    In den letzten 15 Jahren, seit die Republik den Status eines souveränen Staates erlangte, besonders aber im zurückliegenden Jahrzehnt rückte die Aufgabe der Steigerung des Bevölkerungswohlstands in den Hintergrund und wurde von der Idee der "Festigung der Demokratie" verdrängt. In der Praxis führte das zu einer ungeheuerlichen Korruption, Ausweglosigkeit, Armut, Arbeitslosigkeit und anderen Faktoren, die mit der Stagnation des Staatsapparates stets einhergehen.

    Heute liegt die Rente eines früheren Universitätslehrers, der zudem alle nur möglichen Zuschüsse und Vergünstigungen verdient hat, bei umgerechnet 25 bis 30 US-Dollar. Eine solche Rente, die gerade ein Überleben ermöglicht, gilt dabei als gut. Nicht besser ist es um die Löhne bestellt, davon ganz zu schweigen, dass es äußerst schwer ist, eine geeignete Arbeit zu finden. In Bischkek erfolgt das Wachstum der Arbeitsplätze ausschließlich durch die "Schubkarrenfahrer" - Personen, die auf den Märkten Waren mit ihren Schubkarren herumtransportieren. Dies ist kein Scherz, darauf basierte das Wahlprogramm eines der Kandidaten bei den jüngsten Parlamentswahlen. Das ist eine Einzelheit, die das gesamte Bild nur noch trauriger macht.

    Die Situation, in die die Führer der "Volksrevolution" geraten sind, ist äußerst schwierig. Die Wirtschaft ist weitgehend lahmgelegt, die wichtigsten etatbildenden Zweige bereiten sich erst auf eine Reanimierung vor, die Staatsmacht hat ihren Ansehen in beträchtlichem Maße verloren.

    Die Hauptfrage, die heute vor Bakijew und seinem Team steht, ist offensichtlich: Wie wird sich das Land weiter entwickeln? Wird die Regierung auf neue Anleihen und Kredite setzen, wie das in den letzten 15 Jahren getan wurde, oder wird er nach anderen Wegen zur Stimulierung der nationalen Wirtschaft suchen?

    Die jetzige Führung der Republik erklärt, sie sei auf eine möglichst baldige Wiederherstellung der traditionsgemäß prioritären Wirtschaftsbranchen eingestellt, wie die Wasserenergiewirtschaft, der in Kirgisien stets besondere Bedeutung beigemessen wurde, die Landwirtschaft, die früher bis zu 60 Prozent des Staatsetats sicherte, heute aber in einer tiefen Krise steckt, und natürlich die Bergbauindustrie.

    Dieses Programm ist nach Ansicht kirgisischer Experten im Prinzip "real". Andererseits wird Kirgisien ohne Hilfe von außen nicht auskommen können. Deshalb fragen die örtlichen Experten auch, auf wessen Hilfe die Republik nun rechnen kann. Weiterhin auf die Hilfe des Westens und der USA - oder wird Kirgisien nach seinem 15jährigen missglückten Experiment eine engere regionale Zusammenarbeit vorziehen, beispielsweise mit den Ländern der Schanghaier Kooperationsorganisation?

    Bakijew hat seiner Nation eine Verbesserung des Lebens bereits in drei Jahren versprochen. Nach Ansicht der örtlichen Experten ist dies machbar.

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