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    Russland entwickelte ein neues Satellitensystem

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    MOSKAU, 14. Juli (Juri Sajzew, Experte des Instituts für Weltraumforschung, für RIA Nowosti).

    Ende 2005 will Russland den Satelliten Monitor-E zur Fernsondierung der Erde ins Weltall starten. Erstmals in der Welt soll für die Umweltbeobachtung ein Kleinsatellit auf eine Umlaufbahn gebracht werden, der ebenso leistungsfähig ist wie schwere Raumapparate.

    Die Sondierung der Erde aus dem Weltraum findet heute überall in der Welt Anwendung. Die Daten, die auf diesem Wege gewonnen werden, werden für geographische und thematische Kartierung, für rationelle Bodennutzung, für die Kontrolle über Umweltverschmutzungen und für die Umweltbeobachtung insgesamt verwendet. Auch im Wasserbau und bei der Melioration, der Holzbeschaffung und Aufforstung, bei der Suche nach Bodenschätzen, bei der rationalen Verlegung von Transportwegen, zur Verhinderung von Unfällen beim Land- und Seetransport, für die Sicherheit bei der Gewinnung von Meeresfrüchten und beim Fischfang finden sie Anwendung.

    Bis jetzt wurden für diese Zwecke große und schwere Raumapparate eingesetzt. Ihre hohen Entwicklungs-, Bau- und Betriebskosten machen die von ihnen gelieferten Informationen teuer.

    Wegen mangelnder Finanzierung der Raumforschung und im Zusammenhang mit dem Abbruch wirtschaftlicher Verbindungen nach dem Zerfall der Sowjetunion nahmen der Bau und die Startvorbereitungen derartiger Raumapparate in Russland in letzter Zeit immer mehr Zeit in Anspruch. Russische Kunden mussten die notwendigen Informationen daher bei ausländischen Raumagenturen kaufen. Und das, obwohl die russischen Satelliten- und vor allem die Aufklärungsdaten - sich stets durch eine hohe Auflösung auszeichneten.

    Als Ausweg boten sich billigere Kleinsatelliten an, die als Nebenlast bei den Starts schwerer Raumapparate ins All gebracht werden. Sie können mit leichten Trägerraketen gestartet werden, auch mit außer Dienst gestellten ballistischen Interkontinental-Raketen.

    Bei Monitor-E handelt es sich um einen Versuchssatelliten für die Fernsondierung der Erde. Der Apparat durchläuft gegenwärtig seine abschließende Erprobung im Chrunitschew-Zentrum, wo die Trägerraketen Proton sowie die Module Sarja und Swesda der Internationalen Raumstation hergestellt wurden. Der Bau von Monitor-E kennzeichnete für das Zentrum eine wichtige Etappe in seinem neuen Tätigkeitsfeld, nämlich bei der Entwicklung zukunftsorientierter Raumsysteme sozial-ökonomischer Bestimmung.

    Die wichtigste Innovation bestand dabei darin, dass der kleine Raumapparat von Anfang an so konzipiert wurde, dass er keinesfalls den großen Satelliten nachsteht. Das Projekt wurde ein Erfolg. Monitor-E repräsentiert eine neue Generation der Raumapparate mit "hochintelligenten" Bordsystemen. Seine nicht hermetische Modulkombination ermöglichte es, die Bauzeit zu verringern. Der 750 kg schwere Satellit ist mit zwei optisch-elektronischen Kameras mit einer Auflösung von 8 und 20 m ausgestattet. Als Grundlage für ihn diente die vereinheitlichte Raumplattform Jachta, die im Chrunitschew-Zentrum entwickelt wurde. So gut wie alle Systeme des neuen Satelliten sind Neuentwicklungen der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie.

    Das spezifische Problem, das hier zu lösen war, bestand darin, dass die Anzahl der Aufgaben der Apparate beim Übergang von Einzelsatelliten zu Satellitengruppen wesentlich wächst. Monitor-E ist hierfür am besten geeignet. Das wichtigste Aufbauprinzip des neuen russischen Raumsystems auf der Basis von Monitor ist der Bau eines vollendeten Systems, das sich für alle Verfahren - angefangen bei den Starts bis hin zu den Endprodukten - eignet. Die Hauptkomponente ist eine Gruppierung kleiner Apparate auf der Basis der erwähnten vereinheitlichten Plattform.

    Die Gruppierung ist auch darum notwendig, um die besten Ergebnisse bei gleichzeitiger Verwendung einander ergänzender Bilder von verschiedenen Satelliten zu erreichen. So können die Bilder, die mittels eines Funkmessgeräts an Bord eines Raumapparates gewonnen werden, eine wichtige Ergänzung für die optischen Aufnahmen sein, weil die Radarbilder witterungsbeständig sind. Auch Lichtmangel hat keine Auswirkung auf die Infrarotaufnahmen. Deshalb müssen neben Monitor-E künftig auch die neuen Apparate Monitor-I (infrarot), Monitor-S (stereo) und Monitor-O (mit Hochauflösung), ausgestattet mit diversen optisch-elektronischen Vorrichtungen, sowie Monitor-R mit einem Radargerät an Bord in die Gruppierung aufgenommen werden. Sie alle werden mit einer leichten Rokot-Trägerrakete ins All geschossen. Weitere Bestandteile des kosmischen Systems werden künftig ein Steuerkomplex und ein Komplex für Empfang und Bearbeitung von Daten sein, ein Zentrum für die Planung der Aufnahmen, die Archivierung und die Katalogisierung. Die beiden Letzteren wurden bereits im Chrunitschew-Zentrum gebaut und sind betriebsfähig. Im abschließenden Stadium befindet sich die Schaffung der Flugleitzentrale.