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    Das neue russische Weltraumprogramm - ein Wechsel der Prioritaten

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    MOSKAU, 14. Juli (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti)

     Es ist irgendwie symbolisch, dass der 14. Juli - das Datum der Wiederaufnahme der Flüge US-amerikanischer "Space Shuttles" - mit dem Datum der Bestätigung des neuen "Föderalen Weltraumprogramms für den Zeitraum 2006-2015" durch die russische Regierung zeitlich zusammengefallen ist.

    Der Start des Shuttle, von dem die Zukunft des Programms der Internationalen Raumstation (ISS) abhängt, wurde erneut verschoben. Das russische Programm wurde von der Regierung gebilligt. Seine Analyse zeigt, dass die Entwicklung der russischen Weltraumbranche im nächsten Jahrzehnt nicht nur mit der ISS verknüpft wird, wie das in den vergangenen Jahren der Fall war. Mehr noch, auch die Orientierungspunkte für die Entwicklung der Branche haben sich geändert und sind viel pragmatischer geworden.

    "Das neue Weltraumprogramm Russlands ist in jeder Hinsicht konkurrenzfähig." Das erklärte der Leiter der Russischen Raumfahrtagentur (Roskosmos), Anatoli Perminow, in Beantwortung einer Frage des Kommentators der RIA Nowosti und formulierte somit ein neues Credo der nationalen Forschungen und der Nutzung des Weltalls. Wollen wir jedenfalls der Meinung zustimmen, dass das ISS-Programm von der Möglichkeit, seinen kommerziellen Nutzen auch nur annähernd zu schätzen, noch weit entfernt ist.

    Zugleich hält Perminow Starts von Raumapparaten für den konkurrenzfähigsten Sektor des neuen Programms. "Unsere Startmittel sind am konkurrenzfähigsten in der Welt, wir setzen jetzt einen Komplex von Maßnahmen zur Schaffung einer neuen Generation von Trägerraketen um, die mit umweltverträglichem Treibstoff betrieben werden. Es geht unter anderem um die Einführung der Trägerrakete ‚Sojus-2'", sagte der Roskosmos-Chef.

    Die Entwicklung und die Vervollkommnung des Parks einheimischer Trägerraketen gestattet es, dementsprechend auch die Zahl der Raumapparate unterschiedlicher Zweckbestimmung zu erhöhen. Und dies bedeutet die Versorgung der Bewohner entlegener Regionen des Landes mit modernen Kommunikationsmitteln sowie mit vielen Fernseh- und Hörfunkprogrammen wie auch mit Navigation. Darüber hinaus werden neue Möglichkeiten geboten, Liegenschaftskataster zusammenzustellen, die Flurneugestaltung zu organisieren und kartographische Arbeiten durchzuführen.

    Auch die Grundlagenforschung in der Astrophysik und planetare Forschungen werden einen neuen Impuls erhalten. Dabei werden ihre Kosten gegenüber den gleichen Arbeiten unter Einsatz nichtkosmischer Mittel um die Hälfte reduziert.

    Nach Meinung von Perminow können diese Pläne unmöglich ohne Umstrukturierung der einheimischen Weltraumindustrie verwirklicht werden. Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang eine Bemerkung des Ministers für Wirtschaftsentwicklung Russlands, German Gref, die er bei der Erörterung des Programms in der Regierungssitzung am 14. Juli vorbrachte. Ihm zufolge ist es notwendig, Betrieben die Möglichkeit zu bieten, "sich in den Markt einzufügen", damit sie Aufträge nicht für 150 Millionen Dollar, sondern mindestens für eine bis zwei Milliarden erhalten können.

    Das gleiche Verfahren erfordert übrigens das inzwischen international gewordene Projekt für die Schaffung der russischen Raumfähre "Clipper", die dazu noch für Flüge zur ISS gedacht ist. Ihre Entwicklung ist eine der Prioritäten des neuen Weltraumprogramms. Dadurch kann auch das beispiellose ingenieurtechnische Projekt für die Raumstation dank dem "Föderalen Weltraumprogramm für den Zeitraum 2006-2015" eine neue Entwicklung erfahren.

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