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    Moskau will Dagestans Probleme lösen

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    MOSKAU, 15. Juli (Achmet Jarlykapow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Ethnologie und Anthropologie der Russischen Wissenschaftsakademie - für RIA Nowosti).

    Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag erklärt: "Wir werden unsere Positionen in Dagestan festigen. Wir werden diese Aufgabe lösen. Wir kennen die Situation dort, und dieses Problem muss gelöst werden. Das werden wir auch tun." Damit erwiderte Russlands Präsident eine Äußerung von Vizeadmiral Juri Starzew, Chef der Kaspisee-Flotille, der auf die komplizierte Lage in dieser Region hinwies. Einen Tag zuvor hatte auch die provisorische Kommission des Föderationsrates die Lage in Dagestan diskutiert.

    Diese kleine nordkaukasische Republik mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern zog wegen der in letzter Zeit ständigen Terrorakte die Aufmerksamkeit auf sich. Meist sind diese gegen Angestellte des Innenministeriums, sowohl gegen leitende Mitarbeiter als auch gegen einfache Polizisten gerichtet. Terrorakte passieren dort zwar seit Ende 1999 regelmäßig, die jüngsten Aktivitäten von Terroristen haben alle bisherigen Rekorde überboten. Was sind die Ursachen der andauernden Gewalt gegen die Vertreter der Macht?

    Offenbar ist die erhöhte Aufmerksamkeit der Terroristen für die Mitarbeiter der Rechtsschutzorgane von einer persönlichen Rache für die Maßnahmen motiviert, die bei der Abwehr einer Attacke vom Territorium Tschetscheniens 1999 und bei der darauf folgenden Schaffung der Ordnung in der Republik unternommen wurden. Die Terroristen, die unter der Flagge des Islam agieren, bewerten die jetzige Macht in der Republik als "gottlos" und untergraben die Existenzgrundlagen der Republik mit allen nur möglichen Mitteln.

    Die Anführer der illegalen terroristischen Kräfte haben aber noch ein weiteres Ziel: Sie wollen allgemeine Aufmerksamkeit auf die Lage in der Republik lenken, was mit einer Diskreditierung der örtlichen Macht einhergeht. Man muss zugeben, sie haben ihr Ziel erreicht.

    Das in der Republik entstandene System einer praktisch totalen Korruption ruft bei dem wirtschaftlich aktiven Teil der Bevölkerung, die diese Bürde tragen muss, eine große Unzufriedenheit hervor. Man kann nur ahnen, wie viele junge Leute sich nur aus diesem Grund den Extremisten angeschlossen haben. Die Krise wird dadurch noch zusätzlich verschärft, dass die Amtszeit des jetzigen kollektiven obersten Exekutivmachtorgans, des Staatsrates, 2006 zu Ende geht. Laut der neuen Verfassung Dagestans soll es durch das Amt eines Präsidenten der Republik ersetzt werden. Alle Akteure in der innenpolitischen Arena Dagestans sind sich dessen bewusst, dass in der Republik in nächster Zeit ernsthafte Veränderungen zu erwarten sind - je nachdem ob der jetzige Staatsratsvorsitzende Magomedali Magomedow an der Macht bleibt oder nicht.

    Paradoxerweise nutzen sowohl die jetzige Macht als auch die Opposition die entstandene Instabilität und die andauernden Gewaltakte gekonnt für ihre Zwecke aus. Die Machthaber versuchen zu beweisen, dass das jetzige politische System Dagenstan vom weiteren Abgleiten zum Chaos und zur Instabilität rettet, während die Opposition beweisen will, dass gerade die Macht in erster Linie an der entstandenen Situation schuld ist und deshalb ersetzt werden muss.

    Was das Föderationszentrum anbelangt, so hat es anscheinend eine kleine Auszeit genommen, um sich die Situation in der Republik genauer anzuschauen und sich gründlich auf die unvermeidlichen und herangereiften Veränderungen vorzubereiten, die höchstwahrscheinlich schmerzhaft sein werden.

    Vorerst stehen für Moskau Probleme der Sicherheit und des Aufbaus des politischen Systems auf der Tagesordnung. Viele andere ernsthafte Probleme und Widersprüche der dagestanischen Gesellschaft wurden in den Hintergrund gerückt. Gerade diese könnten aber vor allem eine neue Explosion in der Republik hervorrufen.

    Es handelt sich beispielsweise um das weitere Schicksal der ethnischen Quoten in den Machtorganen, weil die neue Verfassung und das neue System der Wahlen zu den repräsentativen Machtorganen nichts Derartiges vorsieht. Dies ist ein ernsthaftes Problem für das multiethnische Dagestan, in dem die Vertreter der ethnischen Eliten äußerst sorgfältig auf ihre Vertretung in den Machtorganen aufpassen. Laut offiziellen Angaben wird Dagestan von 14 Grundvölkern besiedelt, während die Ethnographen von mehr als 40 Völkerschaften sprechen.

    Auch das Problem der Wiederherstellung der Auchowskij Rayon wurde vorerst auf Eis gelegt. In der Gegend geht es dabei um eine Konfrontation zwischen drei dagestanischen Völkern. Seinerzeit hatte Stalin die dort lebenden Tschetschenen deportieren lassen. An ihrer Stelle wurden Vertreter der Völkerschaften Lackzen und Awaren angesiedelt. Nun fordern die Tschetschenen ihre Urgebiete zurück.

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