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    MOSKAU, 15. Juli (RIA Nowosti)

    "Nesawissimaja Gaseta"

    Kreml-Polittechnologe bekommt Sendung bei NTW

    Gleb Pawlowski, Berater der Präsidentenadministration und Leiter des Fonds für effektive Politik, wird eine neue analytische Sendung im landesweit sendenden Fernsehkanal NTW bekommen. Das erfuhr die "Nesawissimaja Gaseta" gleich aus mehreren NTW-Quellen.

    Wie die Zeitung am Freitag berichtet, ist das Format der neuen Sendung noch nicht bekannt. Wie es im NTW-Pressedienst hieß, wolle man das Thema vor Mitte August nicht kommentieren.

    Ende Juni hatte NTW-Generaldirektor Wladimir Kulistikow erklärt, der Moderator eines neuen gesellschaftspolitischen Programms soll "ein Ansehen genießen, damit die Zuschauer verstehen, dass er nicht bloß herumsitzt und etwas erfindet, sondern sich wirklich auskennt."

    "Ein jedes Sujet, das eine Exposition und eine Kulmination hat, muss auch eine Lösung haben", sagte Viktor Schenderowitsch, früher einer der führenden NTW-Journalisten. "Pawlowski als NTW-Analytiker ist eine würdige Lösung des Sujets über das unabhängige Fernsehen."

    Nach Ansicht des Soziologen Wsewolod Wiltschew baut die Macht den Sender NTW nach einer absolut präzisen Kalkulation als die wichtigste Stoßkraft auf. "Die Macht ist kluger geworden und verbietet nicht mehr einfach so den Mund. Sie hat es gelernt, die Spezifik des Kanals zu verstehen, der aufgrund von Trägheit seinen Einfluss bewahrt und ein größeres Vertrauen der Zuschauer genießt als die anderen Kanäle."

    Von Anfang an sollte der Sender aufgeklärtere und besser gebildete Zuschauer ansprechen. "Pawlowski wird diese bearbeiten", so Wiltschek. "Sie haben diesen Schachzug völlig vernünftig gemacht. Anderen würde man weniger glauben. Er ist ein kluger Mensch, ein versierter Manipulator und Ränkespinner." Nach seiner Ansicht "wird NTW ausgenutzt, das letzte Ansehen des Kanals wird verheizt." "Deshalb werden die furchtbarsten ‚Enthüllungen', kompromittierendes Material und sonstiges, das nicht mehr in den großen Kanälen gebracht wird, nun über NTW gesendet."

    Pawlowski wollte die Information über sein eventuelles Auftreten im Herbst bei NTW als Moderator eines analytischen Programms weder widerlegen noch bestätigen.

    "Argumenty i Fakty"

    Russlands Mitgefühl mit Londonern ist mit Bitterkeit vermischt

    Russland, das selbst bei Terrorakten mehrere hundert unschuldige Menschen verloren hat, empfindet ein tiefes Mitgefühl mit den Londonern. Dieses Gefühl ist aber auch mit Bitterkeit vermischt, die Präsident Wladimir Putin meinte, als er in seiner nach den Explosionen in der Londoner Metro abgegebenen Erklärung von doppelten Standards des Westens gegenüber den Terroristen sprach. Das stellt Wjatscheslaw Kostikow, der ehemalige Pressesekretär des Ex-Präsidenten Boris Jelzins, in der populären Wochenzeitung "Argumenty i Fakty" fest.

    Unmittelbar nach dem Angriff auf London wurde eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen. Die G8-Länder gaben eine gemeinsame Erklärung ab, mit der sie die Sprengstoffanschläge verurteilten. Nichts Derartiges wurde getan, als die Terroristen russische Kinder töteten und russische Geiseln nahmen. Russland wurde mit seiner Tragödie allein gelassen.

    Es ist nicht bekannt, ob die britischen Politiker eine Lehre aus der nun eigenen Tragödie ziehen oder - wie auch früher - ein Meistbegünstigungsregime für die Komplizen der Banditen schaffen werden. Denn gerade in England befinden sich Hauptquartiere und Informationszentren radikaler islamistischer Organisationen. Gerade London hat radikal islamistischen Politikern wie Achmed Sakajew, Emissär der tschetschenischen Extremisten, Asyl gewährt. Offenbar glaubte die britische Regierung bis zum letzten Augenblick, die Terroristen würden sich an das Prinzip festhalten: Auf der eigenen Straße wird nicht geraubt und nicht getötet.

    Der Terrorakt in London hat gezeigt, dass es keine Festung namens England gibt. Für den Terror gibt es keine einzelnen Ausrichtungen - eine amerikanische, eine russische oder eine französische. Es gibt nur eine Ausrichtung - die europäische, die christliche Zivilisation.

    Sollte der Westen auch weiter "Sprechen wir doch mal darüber" murmeln, insgeheim aber auf Russland hindeuten, wird auf der Landkarte schon bald nicht nur ein "Londonistan" entstehen, in dem sich die islamischen Emissäre wie zuhause fühlen werden, sondern auch ein neues Kontinent namens Europostan, so Kostikow.

    "Wremja Nowostej"

    Für die Realisierung des Sachalin-2-Projekts sind 20 Milliarden Dollar erforderlich

    Der Betreiber des Projekts Sachalin-2, das Unternehmen Sakhalin Energy (SE), hat die Investitionen in das Projekt neu bewertet. Eine Vergrößerung der Gesamtsumme von 12 auf 20 Milliarden Dollar bedeutet, dass die Amortisation des Projekts fast doppelt so lang dauern wird, schreibt die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Freitag.

    Laut vorläufigen Schätzungen von Sachalin Energy wird der Gesamtwert rund 20 Milliarden Dollar betragen, obgleich die ursprünglichen Investitionen auf 12 Milliarden Dollar geschätzt wurden. Das Unternehmen Royal Dutch/Shell, das 55 Prozent der SE-Aktien besitzt, geht an die Offenlegung von Daten nach dem Skandal von 2003, bei dem es um zu hoch angesetzte Zahlen für die Realvorräte ging, äußerst vorsichtig heran. Der Chef des britisch-holländischen Unternehmens, Jeroen van der Veer, teilte in einer Internet-Konferenz am Donnerstag mit, diese neue Summe sei nicht endgültig und rufe "viele Zweifel" hervor.

    Höchstwahrscheinlich werden die japanischen Beteiligten des Projekts, Mitsui (25 Prozent) und Mitsubishi (20 Prozent), vor allem aber russische Beamte noch mehr Zweifel äußern. Sie würden eine Anhebung des Wertes von Projekten konsequent blockieren, die im Rahmen von Project-Sharing-Abkommen realisiert werden, weil damit der Beginn der realen Arbeit und der Beginn der Aufteilung des Produkts unter den Aktieninhabern in die Ferne gerückt würden.

    Vorerst verweigern die zuständigen Ämter - das Ministerium für Industrie und Energiewirtschaft, Rosenergo und das Finanzministerium - jede Stellungnahme zu den SE-Kalkulationen, weil sie noch keine Dokumente bekommen haben. Außerdem schloss Shell letzte Woche ein Abkommen mit Gasprom über den Tausch eines blockierenden Pakets am Sachalin-2 gegen einen 50prozentigen Anteil am Gasprom-Projekt "Sapoljarnoje-Neokom". Als Aktionär des Projekts wird Gasprom entsprechend seinem Anteil in Sachalin-2 investieren müssen.

    Im Rahmen des Sachalin-2-Projekts werden die Vorkommen Piltun-Astochskoje und Lunskoje (förderbare Vorräte 185 Millionen Tonnen Öl und 800 Milliarden Kubikmeter Gas) zu Product-Sharing-Bedingungen abgebaut. Das Projekt sieht den Bau von zwei Anlagen für die Flüssiggasproduktion mit einer Jahresleistung von 9,6 Millionen Tonnen vor. Erörtert werden Möglichkeiten für den Bau einer dritten Anlage. Der Lieferbeginn ist für den November 2007 geplant. Für rund 80 Prozent von dem Gas, das im Rahmen des Sachalin-2-Projekts gefördert wird, gibt es bereits Bestellungen, bis zum Jahresende sollen Verträge über den Verkauf der restlichen Mengen geschlossen werden.

    "Gaseta"

    Russische Regierung beschloss ein Weltraumprogramm "ohne Ambitionen"

    Russland hat vor, in den nächsten zehn Jahren 305 Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,66 Rubel) für die Realisierung seines Weltraumprogramms ausgeben. Dieses Programm wurde am Donnerstag von der Regierung beschlossen. Im Bereich der kommerziellen Nutzung des Weltraums droht Russland indessen ein Zurückbleiben: Ausländische Konkurrenten verdrängen russische Raketen vom Weltmarkt, berichtet die Tageszeitung "Gaseta" am Freitag.

    Für das nächste Jahr sind 23 Milliarden Rubel aus dem Staatsetat für die Weltraumbranche bereitgestellt. In den darauf folgenden Jahren soll die Finanzierung ungefähr um sechs Prozent im Jahr erhöht werden. "Dies ist das minimal notwendige Niveau, um die Verluste der letzten Jahre wiedergutzumachen", stellte Anatoli Perminow, Chef der Föderalen Weltraumbehörde Roskosmos, in seinem Bericht in der Regierungssitzung fest.

    Heute zählt die russische Weltraumgruppierung 96 Apparate, von denen ein beträchtlicher Teil ihre Ressourcen ausgeschöpft hat. Zum Vergleich: Die USA haben 400. In der ersten Etappe des Programms bis zum Jahre 2008 sollen 18 Sputniks in die Erdumlaufbahn gebracht werden.

    Außerdem soll ein weiteres russisches Modul für die Internationale Weltraumstation ISS gestartet werden. Für die weitere Zukunft wird der Start der russischen bemannten Raumfähre Clipper in Aussicht genommen. Geplant sind Starts von Sonden zum Mond und zum Mars-Mond Phobos.

    Heute ist Russland Spitzenreiter bei den geschäftlichen Weltraumaufträgen: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 23 kommerzielle Starts von den russischen Kosmodromen vorgenommen gegenüber 16 in den USA. Für die nächsten zehn Jahre wird der Umfang dieses Marktes auf 35 bis 40 Milliarden Dollar geschätzt, Russland wird aber seine Positionen auf diesem Markt verlieren. "Wir planen eine Verringerung der Zahl der kommerziellen Starts", so Perminow.

    Die allgemeinen Markttendenzen sind für die Russische Föderation nicht günstig: Die Anzahl der Starts geht zurück, während die Zahl der Konkurrenten wächst, stellt Igor Afanasjew, Experte auf dem Gebiet der Weltraumforschung, fest. "Das Problem besteht darin, dass der Markt heute keinen Bedarf an neuen Raketen hat, es gibt sogar ein Überangebot davon. Der Konzern Boeing, der Satelliten baut, ist bemüht, diese mit ihren Trägerraketen des Typs Delta zu starten. Das gleiche tut auch Lockheed Martin mit Atlas-Raketen. Einen Teil der russischen Starts könnte die vor kurzem entstandene starke Variante der Ariane-Rakete an sich ziehen. Außerdem wird ein Teil der Starts, die mit Hilfe der Proton-Raketen vorgenommen wurden, von jetzt an in Kourou in Französisch-Guayana erfolgen."

    "Rossijskaja Gaseta"

    Business-Schule der Moskauer Universität auf Liste der Weltbesten

    Die Business-Schule der Moskauer staatlichen "Lomonossow"-Universität ist erstmals in der Liste der besten 100 Schulen der Welt und der 40 besten Schulen Europas erwähnt worden, berichtet die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" am Freitag.

    Die Listen wurden von der angesehenen Agentur QS TopMBA zusammengestellt, der führenden Gesellschaft auf dem Gebiet von Forschungen und Consulting im Bereich der MBA-Ausbildung. Rund 4000 auf dem internationalen Arbeitsmarkt aktive Arbeitsvermittler hatten bei Umfragen angegeben, Absolventen welcher Geschäftsschulen sie bei der Arbeitsvermittlung vorziehen würden.

    Eine Sensation der Studie bestand darin, dass die früheren Studenten der Business-Schule der "Lomonossow"-Universität neben den Abgängern von Oxford, Harward und der Londoner Wirtschaftsschule auf diese ehrenvolle Liste kamen. Mehr noch: Nach der Liste zu urteilen, hat die Schule nicht nur in Russland keine Konkurrenten, sondern auch in ganz Osteuropa.

    Die Profis des Personalmarkts sind positiv eingestellt. Sie sind der Auffassung, dass die internationale Einstellung zur Geschäftsausbildung in Russland ernsthafter sein wird. "Es wird weniger Vorurteile in Bezug auf die Abgänger der russischen Geschäftsschulen geben", meinte Anastassija Sokolowa, leitende Expertin der Arbeitsvermittlungsagentur "Lider-Professional".

    Der Spurt der Business-Schule der "Lomonossow"-Universität inspirierte auch die russischen Behörden. Der Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref, unterstützte bereits die Idee einer Teilfinanzierung der niveauvollen MBA-Ausbildung seitens des Staates. In Moskau und in Sankt Petersburg sollen noch zwei größere Wirtschaftsschulen mit Etats von jeweils rund 200 Millionen Dollar gegründet werden. Mittel werden auch von Unternehmen kommen, die als Sponsoren agieren werden, weil sie die zukünftigen Absolventen bei sich gerne einstellen würden.

    Der Nutzen von der Entwicklung der einheimischen MBA-Programme ist offensichtlich. Erstens: Russland wird nicht mehr die Bildungssysteme anderer Länder ernähren, sondern endlich in sein eigenes investieren. Zweitens: Je mehr es nach den MBA-Methodiken ausgebildeten Geschäftsleute gibt, desto realer ist der Traum von einer BIP-Verdoppelung. Nach Ansicht von Experten braucht die russische Wirtschaft jährlich mehr als 300 000 MBA-Fachleute, um die Konkurrenzfähigkeit der russischen Wirtschaft aufrechtzuerhalten.

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