18:02 19 Januar 2017
Radio
    Meinungen

    Ukraine wird für "verschwundenes" russisches Gas zahlen

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 2 0 0

    MOSKAU, 19. Juli (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin der RIA Nowosti).

     Der russische Gasförderer Gasprom und der ukrainische Gaskonzern Naftogas Ukrainy haben am vergangenen Wochenende das Problem des russischen Gases geregelt, das Moskau nach Europa exportieren wollte und von dem ein Teil auf dem Territorium der Ukraine "verschwand".

    Das "Verschwinden" von 7,8 Milliarden Kubikmeter russischen Gases in Untergrundspeichern der Ukraine ist bereits seit langem ein Gesprächsthema. Das Problem läuft im Grunde darauf hinaus, dass der Transport von russischem Gas nach Europa durch das ukrainische Gebiet nicht nur ein Transit schlechthin ist. Es geht um einen riesigen Gastransportkomplex, der bislang im Rahmen des einheitlichen Energiesystems der früheren Sowjetunion existiert hatte. Bis zuletzt wurde der Verbrauch des russischen Gases in der Ukraine einfach nicht erfasst.

    Die Situation, da sich in der Ukraine erhebliche Mengen von russischem Gas befinden, die kaum einzuschätzen sind, hatte ständige Übergriffe auf beiden Seiten zur Folge. Dabei nahmen die Schulden der Ukraine (für das russische Gas) immer weiter zu. Daher bestand Gasprom auf einer neuen Technologie zur Erfassung und zum Transport von russischen Rohstoffen in die Ukraine. Nach Kalkulationen stellte sich heraus, dass sich in der Ukraine 7,8 Milliarden Kubikmeter russischen Gases befinden, für das Kiew noch nicht bezahlt hat. Die ukrainische Seite gab das zu. Aber das Problem konnte lange Zeit nicht gelöst werden.

    Jetzt zeichnet sich die lang ersehnte Beilegung des Gaskonfliktes ab. Gasprom und Naftogas Ukrainy unterzeichneten ein Abkommen, nach dem Gasprom 2,55 Milliarden Kubikmeter Gas als Teilzahlung für den Transit von russischem Gas durch die Ukraine anrechnet. Die restlichen 5,25 Milliarden Kubikmeter Gas in den ukrainischen Untergrundspeichern gelten jetzt als Schuld von Naftogas Ukrainy gegenüber dem zwischen der Gasprombank und der österreichischen Firma Raiffeisen Investment gegründeten und in der Schweiz registrierten Gemeinschaftsunternehmen RosUkrEnergo. Gasprom soll von RosUkrEnergo 80 Millionen US-Dollar kassieren und Kiew dieses Gas an das Joint Venture in den Jahren 2005 und 2006 liefern.

    Analysten schätzen das Abkommen für Russland als günstig ein. Erstens: Die 5,25 Milliarden Kubikmeter verkaufte Gasprom zu europäischen Preisen (mehr als 150 Dollar pro 1000 Kubikmeter). Zweitens: Es ist in jedem Fall nicht schlecht, dass es in dieser Übereinkunft einen Vermittler mit österreichischem Anteil gibt. Das Abkommen setzt ein Schema in Kraft, da die russischen Interessen in der Ukraine von einem international anerkannten Unternehmen garantiert werden.

    Die erzielte Übereinkunft bedeutet im Grunde genommen, dass die Ukraine nicht nur die Entwendung von russischem Gas zugegeben hat, sondern auch gewillt ist, für den Russland zugefügten Schaden aufzukommen. Zum ersten Mal konnte die Verschuldung technisch bestimmt und ein Mechanismus zu ihrer Tilgung abgestimmt werden. Das lässt darauf hoffen, dass die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine in der Gaswirtschaft allmählich zivilisierter werden. In einer Presseerklärung stellte Gasprom fest, dass "die Dokumente zu gegenseitig vorteilhaften marktwirtschaftlichen Bedingungen unterschrieben sind und eine gute Grundlage für die künftige Entwicklung der Zusammenarbeit bilden".

    Dennoch sind einige Momente unklar. Der Transit von russischem Gas soll 2005 im Vergleich zu den früher geplanten Mengen um acht Milliarden Kubikmeter steigen, heißt es in der Presseerklärung. Laut dem Leiter des Instituts für Probleme der Globalisierung, Michail Deljagin, kann der Umstand nicht unbemerkt bleiben, dass der Transit gerade um die "verschwundene" Gasmenge erhöht wird. Man möchte wissen, warum, betonte er.

    Zudem bleibt die Frage offen, wie die ukrainische Regierung das Problem des Defizits der Gasbilanz des Landes lösen wird, sollte Gasprom, wie versprochen, bei Transit und Lieferungen von Gas an die Ukraine zu europäischen Preisen übergehen. Deshalb hat die erzielte Vereinbarung einen provisorischen Charakter, wenngleich sie äußerst wichtig ist.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren