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    Russlands ältestes Autowerk will chinesische Lkws montieren

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    MOSKAU, 19. Juli (RIA Nowosti). Um eine anhaltende Krise zu überwinden, will Russlands ältestes Autowerk ZIL in Moskau die Hilfe der chinesischen Kollegen in Anspruch nehmen.

    Mit Hilfe des größten chinesischen Automobilherstellers FAW will ZIL Nutzfahrzeuge mit einer Ladefähigkeit von bis zu 3,5 Tonnen und Busse montieren. Von großen Investitionen ist aber vorerst nicht die Rede. ZIL-Marketingdirektor Viktor Nowatschenko sagt: "Die Chinesen bieten ihre Zulieferteile zu sehr niedrigen Preisen an. Ob sie in die Entwicklung von ZIL investieren werden, ist noch unklar. Momentan versucht ZIL, die Produktion der chinesischen Fahrzeuge auf eigene Kosten in die Wege zu leiten. Aber künftig kann die Kooperation enger werden. Ich schließe ein Joint Venture nicht aus."

    Mit Kommentaren zur voraussichtlichen Produktionsmenge hält sich das Moskauer Automobilwerk vorerst zurück. Es komme darauf an, wie schnell die Probepartie der in Russland montierten chinesischen Nutzfahrzeuge ausverkauft wird. Erste Lkws kommen erst Ende 2005 auf den Markt. Doch die ZIL-Manager hoffen, dass die neuen Fahrzeuge die schwere Finanzlage des Werkes werden verbessern können. Laut Berechnungen von Viktor Nowatschenko könnten in Russland jährlich 20.000 bis 30.000 FAW-Lastkraftwagen abgesetzt werden. Uns das sei noch nicht die Höchstgrenze. So erreicht der Jahresabsatz des populärsten russischen Nutzkraftwagens Gazel, hergestellt vom GAZ-Werk in Nischny Nowgorod, 100.000 Stück. Aber ZIL will sich noch nicht mit seinen einheimischen Konkurrenten messen. Mit Hilfe der Chinesen will der Moskauer Produzent in einer Preisnische zwischen den relativ preiswerten GAZ-Fahrzeugen und den teureren Ford und Mercedes Fuß fassen.

    Die Geschichte von ZIL, einem der ältesten russischen Werke, geht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. 1917 montierte das Moskauer Werk italienische FIAT-Lkws aus importierten Teilen. Aber schon nach zehn Jahren rollten dort erste Fahrzeuge vom Band, die völlig aus russischen Teilen bestanden. Innerhalb kurzer Zeit wurden ZIL-Fahrzeuge die populärsten im Lande. Sie wurden sogar ins Ausland geliefert. Doch 1992 wurde ZIL von einer schweren Krise befallen, die es bis jetzt nicht überwinden konnte. Nun zeichnet sich für das Werk offenbar eine neue Glückssträhne ab. Die russische Regierung reduzierte die Einfuhrzölle für Zulieferteile der Automobilindustrie. Die Vergünstigungen gelten zwei Jahre nach Beginn der Produktion in Russland. Erst dann müssen die Automobilteile zu zehn Prozent in Russland gekauft werden. 1,5 Jahre danach soll der Anteil der russischen Zulieferteile um zehn Prozent und ein Jahr später um weitere zehn Prozent steigen. Nun hat ZIL die Chance, unter Einsatz der preiswerten Teile aus China die eigene Rentabilität schrittweise zu erhöhen.

    ZIL entschied sich nicht von ungefähr für FAW als Partner. Der größte chinesische Automobilhersteller macht schon viele Jahre in Folge den größten Umsatz im eigenen Land. Aber auch das war bei der Wahl nicht entscheidend. FAW war 1953 unter Mitwirkung von ZIL-Spezialisten gebaut worden. Im Werk werden bis jetzt technologische Karten verwendet, die einst in Russland gekauft wurden. In der Führung gibt es Russisch sprechende Manager.

    Ältere ZIL-Mitarbeiter bedauern auch jetzt noch, dass der aussichtsreiche Lastkraftwagen ZIL-157 in den 1950er Jahren zur Montage an das chinesische Werk übergeben wurde.

    Nun ist die Reihe an FAW, die russischen Ressortkollegen an ihren Neuentwicklungen teilhaben zu lassen. Dabei geht es nicht um eine Rückgabe von Fahrzeugen mit russischer Vorgeschichte. In Russland sollen Klein-Lkws montiert werden, und zwar nach der Lizenz, die die Chinesen beim japanischen Hersteller Isuzu gekauft haben.

    Von der Kooperation profitieren nicht nur die russischen, sondern auch die chinesischen Automobilhersteller. Die chinesischen Kraftwagen erwiesen sich als ungeeignet für Winterbedingungen. Jetzt werden sie von ZIL-Technikern dementsprechend nachgebessert. Die modernisierten Aggregate werden nach China zurückgeliefert und dort in nördlichen Regionen eingesetzt. Die Zusammenarbeit beider Automobilwerke beschränkt sich nicht auf die Montage der modernisierten FAW-Fahrzeuge. Die Seiten schlossen einen Vertrag, wonach russische Lastkraftwagen mit chinesischen Dieselmotoren ausgestattet werden sollen. Erste solche Lkws rollen noch in diesem Jahr vom Fließband.

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