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    Was kommt nach dem Abschluss der Verhandlungen über die nordkoreanische Atombombe?

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    MOSKAU, 19. Juli (Dmitri Kossyrew, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Die heutige Ankündigung, dass die Sechsländergespräche zum koreanischen Atomprogramm am 26. Juli in Peking wiederaufgenommen werden, lässt auf einige Gedanken kommen.

    Erstens: Die Gespräche müssen (Moskau ist davon fest überzeugt) jedenfalls neu gestartet und nach Möglichkeit bis zum erfolgreichen Ende geführt werden. Ihr Sinn besteht darin, dass die Halbinsel Korea frei von Kernwaffen sein muss. Darin stimmen alle sechs Verhandlungsteilnehmer überein, auch Pjöngjang.

    Die Sackgasse zwischen Nordkorea und den USA, die bei den Verhandlungen die größten Differenzen hatten, dauerte 13 Monate. In dieser Zeit erklärte sich Pjöngjang im Februar zur Kernwaffenmacht und versuchte lange (und offenbar vergeblich), die anderen Verhandlungspartner, Russland, China, Japan und Südkorea, davon zu überzeugen. Damit wollte Nordkorea, dem die USA im Herbst 2002 vorgeworfen hatten, die amerikanisch-nordkoreanischen Vereinbarungen und den Kernwaffensperrvertrag verletzt zu haben und heimlich Atomwaffen zu entwickeln, zeigen, dass es gerade das tut, was ihm vorgeworfen wurde, und dass es bereit ist, auf solche Handlungen zu verzichten, wenn Washington neue Vereinbarungen eingeht. Und zwar Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien und über die Unterstützung der stockenden marktwirtschaftlichen Reformen in Nordkorea.

    Die Wiederaufnahme der Verhandlungen bedeutet im Grunde, dass die USA bereit sind, von ihrer bisherigen harten Position abzugehen: Davor kam statt eines Kompromisses nur eine Kapitulation Nordkoreas in Frage. Die jüngste Asien-Tour von US-Außenministerin Condoleezza Rice hinterließ viele Hinweise auf einen Fortschritt in dieser Frage. Andere Probleme gab es bei den Verhandlungen im Grunde nicht. Das Wesen der eventuellen Vereinbarungen zur Korea-Krise war im Großen und Ganzen von Anfang an klar.

    Der Hauptschlüssel zum Erfolg der Pekinger Verhandlungen liegt in Washington, sagte der südkoreanische Präsident Roh Moo-hyun kürzlich. Er stellte Pjöngjang Stromlieferungen von bis zu zwei Millionen Kilowatt im Jahr in Aussicht, sollte Nordkorea eine Übereinkunft mit den USA erzielen. Washington hat nichts dagegen.

    Jetzt gibt es keine Zweifel, dass ein Einvernehmen zwischen Pjöngjang und Washington schon bei der nächsten Verhandlungsrunde möglich ist. Erstens, weil Außenministerin Rice etwas gelingt, was bei ihrem Amtsvorgänger nicht klappen wollte, nämlich die Hardliner im State Department und in der US-Administration zu neutralisieren, die eigentlich an der anhaltenden Korea-Krise schuld sind. Zweitens, weil bei dem neuerlichen Besuch des indischen Premierministers Manmohan Singh in Washington bilaterale Übereinkünfte über amerikanische technische Hilfe für Indien im Bereich der Atomenergiewirtschaft erzielt wurden. Dafür mussten die USA sogar auf viele Einschränkungen auf diesem Gebiet verzichten.

    Und das, obwohl Indien noch weiter gegangen war als Nordkorea: Neu-Dehli konnte den Atomwaffensperrvertrag geschickt umgehen und im Mai 1998 de facto eine Atombombe testen. Jetzt verfügt Indien über einsatzbereite Atomsprengköpfe.

    Aber die Sechsländergespräche in Peking haben viele "Unterströmungen". Hierzu zählt vor allem die Rivalität zwischen Amerika und China um die Führerschaft bei der Bewältigung der nordkoreanischen Atomkrise und in Asien insgesamt.

    Dass kein asiatisches Problem ohne China bewältigt werden kann, war schon vor einigen Jahren klar. Dass alle Verhandlungsteilnehmer ihre Hoffnungen, Ungeduld und den Ärger über die "koreanische Sackgasse" an Peking als Gastgeber und Organisator der Verhandlungen richteten, bestätigt die führende Rolle Chinas bei den Angelegenheiten in diesem Erdteil.

    Wollen wir uns erst einmal vorstellen, dass die koreanische Krise nun ganz schnell bewältigt wird: Pjöngjang unterzeichnet ein Abkommen, in dem es auf seine Atomprogramme verzichtet und sich zu beliebigen Formen von Monitoring für dieses Abkommen bereit erklärt. Im Gegenzug bieten ihm die USA ein Programm zur Wirtschaftskooperation an. Das Abkommen wird von den anderen Teilnehmern an den Sechsländergesprächen unterzeichnet.

    Wie wird dann die Asien-Politik aussehen?

    Bleiben die Sechsländergespräche erhalten - zuerst als Kontrollmechanismus für die amerikanisch-koreanische Vereinbarung und dann als Verhandlungsmechanismus für die Bewältigung von Problemen in Nordostasien?

    Behält Peking die Chance, auch weiterhin als Vermittler aufzutreten, so zum Beispiel zwischen Japan und Südkorea? Wird China selber das sechsseitige Format nutzen können, um eigene Probleme wie den Gebietsstreit mit Japan zu lösen?

    Die Antwort auf diese Fragen wird möglicherweise noch vor der Unterzeichnung der amerikanisch-nordkoreanischen Vereinbarung gegeben werden.

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