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    Islamische Würdenträger und der Kampf gegen den Terrorismus

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    MOSKAU, 20. Juli (Wladimir Simonow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Der Bumerang hat seine Flugbahn vollendet. Die Rache für den Terrorakt am 7. Juli in London äußert sich in vandalischen Ausfällen gegen die Moscheen in Britannien.

    Am vergangenen Sonntag schlugen Unbekannte die Moscheenfenster in den Städten Bristol, Leeds, Birkenhead und Telford wie auch in der britischen Hauptstadt ein und setzten die Gebäude in Brand. Nichts garantiert, dass sie nicht auch die nächsten arbeitsfreien Tage auf die gleiche Weise verbringen.

    Die Regelmäßigkeit und der böswillige Charakter der Angriffe legen den Gedanken nahe, dass das Land es nicht mit vereinzelten Ausfällen von Rowdys zu tun hat, sondern mit einer wahren Welle der Islamfeindlichkeit. Die moslemische Gemeinschaft Großbritanniens spürt diesen zunehmenden Hass der Landsleute beinahe körperlich. Ein junger Moslem mit britischem Pass sagte gleich nach der Tragödie vom 7. Juli voller Bitternis: "Ich möchte Blut spenden, befürchte jedoch, dass sie mein Blut ablehnen."

    In Großbritannien stehen nicht nur Moscheen in Flammen, dort fällt die eigentliche Idee einer multikulturellen Gesellschaft, auf welche die älteste Demokratie stets so stolz war, in einen Haufen Asche zusammen.

    Wirklich hat wohl kein anderes Land in Europa für seine andersgläubigen Einwanderer so viel Gutes getan, so viele wohlgesinnte Gesetze verabschiedet, so viele Mittel in ihr Wohlergehen investiert wie Britannien. Alles für seine 1,6 Millionen Bürger, die den Koran verehren.

    In der Regierungszeit Tony Blairs wurden zahlreiche Moslems ins Unterhaus des Parlaments gewählt und zu Lords erhoben. Das Labour-Kabinett legte Millionen Pfund Sterling in der Einrichtung der moslemischen Schulen und der Entwicklung von zurückgebliebenen städtischen Bezirken an, in denen, wie man glaubte, die armen Moslems schlecht und recht dahinlebten. Mehr noch, nach dem Terrorakt gegen das World Trade Center in New York luden die britischen Behörden beharrlich ihre fähigsten jungen Bürger, die sich zum Islam bekennen, auf hohe Posten im staatlichen Dienst ein: "Regiert die Gesellschaft mit, die euch wie Familienangehörige in ihren Schoß aufgenommen hat."

    Die britischen Moslems bilden eine der reichsten und freisten religiösen Gemeinschaften der Welt. Leider passierte es so, dass am 7. Juli vier junge, wohl bemittelte und freie Bürger ihre Rucksäcke schulterten und sich, wie sie glaubten, auf direktem Weg zu Allah begaben, wobei sie über fünfzig Landsleute mitnahmen.

    Im grellen Licht der vier Londoner Explosionen sieht die gepriesene multikulturelle Gesellschaft jetzt wie ein zerstörungswütiges Monster aus. Das Wichtigste, was die Erbauer der angelsächsisch-moslemischen Hybride außer Acht ließen, ist die so genannte strukturelle Assimilation der religiösen Minderheit. Eine solche Assimilation ist eben nicht zustande gekommen. Die Leute, die an den Koran glauben, leben auf den Britischen Inseln auch weiter in abgekapselten, historisch entstandenen Clans.

    Die Multikultur schlägt, wie ein britischer Analytiker sagte, in eine triviale Apartheid um.

    Eine solche Absonderung provoziert den Teufelskreis der religiösen Intoleranz, der Gewalt und letztendlich des Terrorismus. Die Moslems in ihren Ghettos empfinden sich als Opfer der Diskriminierung, und das macht viele von ihnen zur leichten Beute der Prediger des Extremismus. Die Loslösung solcher Radikalen von der übrigen Gesellschaft findet einen Ausweg im Terrorismus, was seinerseits den Bumerang der Diskriminierung und Rache auf seine fatale Bahn schickt.

    Wie ist dieser Teufelskreis zu durchbrechen?

    In Russland wird die Auffassung vertreten, dass willensstarke und dem echten Geist des Korans ergebene Würdenträger der moslemischen Gemeinschaft hierbei die entscheidende Rolle spielen sollten.

    Interessant: In Russland lebt ein weitaus größerer Anteil an Moslems als in anderen Ländern des europäischen Kontinents: 23 Millionen Personen beziehungsweise 15 Prozent der "autochthonen" Bevölkerung. Allerdings steigt diese Zahl rasch an. Es ist Russland gelungen, die missglückten britischen Experimente mit der Assimilation von Bürgern der islamischen Konfession in dem Sinne zu vermeiden, dass sich Russlands Moslems nicht in abgesonderten städtischen Ghettos zusammenballen, sondern ganze Republiken (Tatarstan, Baschkortostan, Dagestan) bevölkern, wo sie weitgehend mit den Landsleuten zusammenwirken, die sich zu anderen Konfessionen bekennen, und das geschieht auch auf allen Ebenen der Staats- und Verwaltungsmacht. Weder in der russischen Hauptstadt noch in anderen Großstädten gibt es solche Ghettos. Moskau ist der Meinung, dass unser Land bei der Koexistenz von Konfessionen, vor allem des Christentums und des Islams, beträchtliche politische Erfahrungen gesammelt hat. Zugleich aber spielt der tschetschenische Separatismus immer noch die Rolle des Köders, der die Banditen der El-Kaida und anderer internationaler terroristischer Zentren wie ein Magnet anzieht. Die moslemischen Geistlichen Russlands verfolgen aufmerksam die Initiativen, mit denen nach dem 7. Juli die Würdenträger der moslemischen Gemeinschaft Großbritanniens hervortreten. Unter anderem fand hier eine Äußerung von Shahid Malik, eines Abgeordneten des britischen Parlaments, viel Interesse: Er hat dazu aufgefordert, "den islamistischen Radikalen ihr Auditorium - verwundbare junge Leute - abspenstig zu machen". Malik meint, dass die gemäßigten Moslems Britanniens viel zu lange die Augen vor "Fanatikern" verschlossen hätten, "die sich um unsere Moscheen herumtreiben". Ihre bösartige Rhetorik habe harmlos gewirkt und unfähig, Handlungen wie das Blutbad in London zu verursachen. "Nun ist klar, dass das nicht stimmt und dass wir sie nicht mehr übersehen dürfen", erklärt Shahid Malik.

    Die Aufforderung eines angesehenen britischen Vertreters des Islams darf nicht ungehört verklingen. Den verantwortungsbewussten Exponenten der moslemischen Gemeinschaften von Europa wird die heilige Pflicht auferlegt, dem wahren, gemäßigten Islam jenes explosive und empfängliche Menschenmaterial zuzuführen, auf welches die Propagandisten des Terrorismus setzen.

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