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    Russische Raumfahrt zielt auf fernen Weltraum ab

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    MOSKAU, 20. Juli (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Das von der russischen Regierung Mitte Juli angenommene Föderale Raumfahrtprogramm für 2006/2015 sieht umfassende interplanetare Forschungen vor.

    Dabei plant Russland bereits konkrete Flüge zum Mars. Es ist durchaus möglich, dass das vor einem Jahr verkündete ehrgeizige amerikanische Programm weiter Weltraumflüge von russischen Raumfahrern und Wissenschaftlern mit Erfolg verwirklicht wird.

    Mond oder Mars?

    Diese Frage ist sowohl für die Russen als auch für die Amerikaner von prinzipieller Bedeutung. Wissenschaftler in beiden Ländern schlagen vor, ihre Anstrengungen zuerst auf die Erforschung des Mondes zu konzentrieren, der weniger erkundet ist als der Rote Planet. "Die Menschheit muss den Mond als einen Brückenkopf für die Vervollkommnung neuer Technologien erkunden", meinte Akademiemitglied Roald Sagdejew, Professor an der Universität Maryland.

    "Es entstand die paradoxe Situation, dass wir vom fernen Mars mehr wissen als vom Satelliten unseres Planeten", bemängelt Igor Mitrofanow, Leiter des Laboratoriums für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften. "Indes ist der Mond eine potenzielle Quelle verschiedener chemischer Elemente, darunter von seltenen Erden", sagte der Experte.

    "Eine der Hauptaufgaben bei der Erforschung des Mondes besteht darin, mit Hilfe der Gammaspektroskopie eine Karte der chemischen Elemente des Erdtrabanten zu erstellen", sagte Sagdejew. In dieser Hinsicht dürften moderne Mondmobile besonders effektiv sein, die in der Lage sind, automatisch auf der Mondoberfläche zu landen und möglichst viele Angaben über Gestein und Klima des Mondes zu sammeln.

    Noch zur Sowjetzeit durchgeführte Forschungen gestatten es Russland jetzt, führende Positionen bei der Weltraumforschung mit Hilfe unbemannter Raumapparate zu belegen. Nach Angaben des Ersten Stellvertreters des Generaldirektors der Forschungs- und Produktionsvereinigung Lawotschkin, Roald Kremnew, werden in dem Unternehmen, in dem das legendäre Mondmobil "Lunochod" gebaut wurde, seit mehr als 30 Jahren wissenschaftlich-technische Arbeiten zu diesem Thema geführt. Es gäbe einen guten Vorlauf. "Wenn Russland den Beschluss fasst, das Mondprogramm wiederzubeleben, werden wir etwa ein Jahr brauchen, um einen neuen 'Lunochod' zu konzipieren, und noch weitere zwei bis drei Jahre, um den Apparat zu bauen", sagte der Wissenschaftler.

    Das bestätigte Dokument beinhaltet kein präzises Mond-Unterprogramm. Dafür sind die Mars-Pläne Russlands äußerst klar dargelegt.

    Geplant ist, bis 2015 zwei Expeditionen zum Roten Planeten zu unternehmen. Der Chefkonstrukteur und Generaldirektor der Firma Lawotschkin, Georgi Polischtschuk, hatte bei der jüngsten Luft- und Raumfahrtausstellung in Le Bourget bei Paris gesagt, die Mission "Phobos-Grund" solle im Oktober 2009 stattfinden. Im Rahmen der Expedition solle eine automatische Sonde auf einer Mars-Umlaufbahn arbeiten und dann auf dem Mars-Satelliten Phobos landen. Nach einem dreijährigen Einsatz solle die Sonde zur Erde zurückkehren.

    Die zweite Expedition, deren Datum noch nicht bestimmt ist, beinhaltet die Arbeit unmittelbar auf der Mars-Oberfläche.

    Die dritte Phase der Forschung ist nach Polischtschuks Ansicht die Vorbereitung und Durchführung bemannter Mars-Flüge. "Es ist unmöglich, alle Probleme ausschließlich mit automatischen Sonden zu lösen", sagte er.

    Der ISS-Faktor

    Für das neue Weltraumprogramm handelt es sich dabei eher um einen materiell-psychologischen Faktor. Der weitere unbefristete Aufschub der Flüge US-amerikanischer Raumfähren, für die der internationale Komplex im Grunde genommen konzipiert war, nimmt Russland wieder die Möglichkeit, den Einsatz seiner Mittel und Kräfte im Laufe des Jahres einzuplanen. Wenn die Shuttles jetzt, also noch im Juli fliegen - das ist eine konkrete Situation. Aber es ist eine ganz andere Sache, wenn sie erst im Herbst abheben. Sollte der Start auf später verschoben werden und Russland wieder die gesamte Last der Versorgung der Station zu tragen haben, könnte man von einem Zusammenbruch der amerikanischen bemannten Raumfahrt sprechen und jede Hoffnung auf den umfassenden Ausbau der ISS begraben, wie er ursprünglich geplant war.

    Die fortdauernde Stagnation des ISS-Programms, und erst recht seine Einstellung, würde eine neue Welle der Kritik an die Adresse der bemannten Raumfahrt als Ganzes auslösen. In diesem Fall würden die Anhänger der unbemannten Raumfahrt aus dem langjährigen Streit mit den Befürwortern der bemannten Flüge als Sieger hervorgehen.

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