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    Kontrolle über Adoption russischer Kinder wird verschärft

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    MOSKAU, 19. Juli (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti). Ausländer adoptieren mehr Kinder in Russland als russische Bürger, obwohl die Priorität der russischen Adoption gesetzlich verankert ist.

    Im Jahre 2004 wurden 9 600 Kinder im Ausland adoptiert, während russische Bürger nur 7 400 Kinder aufnahmen.

    Diese Angaben wurden vom Ministerium für Bildungswesen und Forschung, das für diese Angelegenheiten zuständig ist, auf einer Pressekonferenz in der RIA Nowosti veröffentlicht. Die Pressekonferenz wurde im Zusammenhang mit dem Tod eines adoptierten russischen Mädchens Anfang Juli in den USA durchgeführt. Vika Baschenowa starb, nachdem sie von ihrer amerikanischen Adoptivmutter misshandelt worden war, und wurde somit zum 13. Kind aus Russland (seit 1996), das von seinen Adoptiveltern in den USA getötet wurde.

    Die Konvention über die Rechte des Kindes, die die internationale Adoption erlaubt, wurde noch von der UdSSR ratifiziert und von Russland als ihrem Rechtsnachfolger übernommen. "Russland ist nicht gegen eine ausländische Adoption", betonte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Russlands Sergej Fridinski. "Viele russische Kinder werden in ausländischen Familien unter günstige Verhältnisse versetzt und leben gut. Aber wir können nicht umhin, auf die Fälle von Gewalt gegen russische Kinder von Seiten ausländischer Adoptiveltern zu reagieren. In Russland übt der Staat nach dem Gesetz die Kontrolle über die Lage der adoptierten Kinder aus." Seit 1992 wurden insgesamt 63 200 Kinder von Ausländern und 157 000 Kinder von russischen Bürgern adoptiert. Zur gleichen Zeit sind in der Datenbank immer noch 178 000 Waisenkinder erfasst.

    Die von der Generalstaatsanwaltschaft durchgeführten Kontrollen haben ergeben, dass ein Teil der internationalen Adoptionen unter Verletzung der Gesetze erfolgte. Die Adoption erfolgt mitunter über nicht akkreditierte Agenturen, die keine Verantwortung für das Kind tragen, das an eine Familie übergeben wird. Künftige Adoptiveltern legen manchmal falsche Personalpapiere vor. Eben deshalb setzt sich die russische Seite für eine unabhängige psychologische Expertise und eine besondere pädagogische Ausbildung der Adoptiveltern ein. Familien sind mitunter nicht darauf vorbereitet, Kinder mit physischen und psychischen Störungen zu erziehen. Es ist notwendig, internationale bilaterale Verträge zu schließen, in denen die Kontrolle über die Adoptiveltern und ihre Verantwortung für die Kinder genau festgelegt sowie kulturelle und ethnische Nuancen der Erziehung berücksichtigt werden, meinte Jekaterina Lachowa, Chefin des Ausschusses für Frau, Familie und Kind des Parlamentsunterhauses - der Staatsduma.

    Laut Sergej Fridinski nehmen Agenturen, sogar akkreditierte, in ihrer Arbeit oft Dienste von Vermittlern in Anspruch, was verboten ist, und diese werden dafür entlohnt (in Russland ist die Adoption eines Kindes unentgeltlich). Der "Preis" für ein Kind kann bis zu 15 000 Dollar und mehr betragen. Ausländer sind mitunter bereit, eine solche Summe zu bezahlen, um nicht auf der langen Warteliste in ihrem Heimatland stehen zu müssen. Der Preis in Höhe von mehreren Tausend Dollar verriegelt den Weg zur Adoption eines Kindes durch eine russische Durchschnittsfamilie. Eine weitere Rechtsverletzung: Ein Teil der Agenturen führt keine Listen der über sie adoptierten Kinder und verfolgt ihre Lage in den Adoptivfamilien nicht.

    Die Zahl der Waisenkinder, die von russischen Bürgern adoptiert werden, ist seit 1993 fast um die Hälfte zurückgegangen. Die Zahl der von Ausländern adoptierten Kinder ist nahezu auf das Siebenfache gestiegen. Jekaterina Lachowa führt diese Tatsache nicht nur auf die sozial-ökonomischen Schwierigkeiten zurück, die die Adoption von Kindern im Lande behindern. "Seit 1998 werden Agenturen für ausländische Adoption akkreditiert: Inzwischen ist ein knappes Hundert entstanden. Hinzu kommen rund 200 nicht akkreditierte Agenturen", erläutert sie. "Sie haben sich regionenweise verbreitet. Gleichzeitig hatte das Parlament Novellen ausgearbeitet, die die Möglichkeiten für die Adoption durch russische Bürger einschränkten."

    Aber das Verfahren zur Adoption von Kindern durch russische Bürger ist immer noch allzu kompliziert und langwierig, gesteht die Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Frau, Familie und Kind. Jene russischen Familien, die Adoptivkinder aufnehmen, müssen wirtschaftlich ernsthaft stimuliert werden, wie die Behörden einer Reihe russischer Regionen das tun, bemerkt Lachowa.

    Not tut auch die Arbeit der Massenmedien: eine effektive soziale Werbung und spezielle Fernsehsendungen über Waisenkinder. Solche Hörfunksendungen gibt es schon. Im Internet gibt es Seiten junger Familien, die Kinder adoptieren, - sie tauschen ihre Erfahrungen aus. Dennoch muss noch viel geleistet werden, damit mehr russische Kinder in Russland bleiben.