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    Eifersucht auf Moskauer und auf Washingtoner Art

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    MOSKAU, 20. Juli (RIA Nowosti). Die Ergebnisse des US-Besuchs des indischen Premiers Manmohan Singh erfüllen zweifelsohne jene politischen Kräfte in Russland mit Eifersucht, die immer noch durch die alten Stereotypen beeinflusst sind.

    Laut deren Vorstellungen, genauer gesagt veralteten Instinkten, muss Moskau einen Block, eine Allianz, ein Bündnis von Staaten aufbauen, die in Opposition zu den USA stehen. Dabei wären Indien und China, die in 20 bis 30 Jahren führende Positionen in der Welt beanspruchen werden, besonders gewünschte Mitglieder eines solchen Bündnisses.

    Von dieser alten Logik ausgehend, müssen die Ergebnisse des US-Besuchs des indischen Regierungschefs für Moskau unangenehm sein. Denn die USA boten Indien eine Zusammenarbeit in all den Bereichen an, in denen die russisch-indische Partnerschaft für Moskau besonders aussichtsreich ist: Atomenergiewirtschaft und Waffenlieferungen. Und das, obwohl Indien 1998 den Atomwaffensperrvertrag geschickt umging und zur Kernwaffenmacht wurde. (Freilich hatte es den Vertrag nicht unterzeichnet und die Atombombe selbständig entwickelt, wogegen der Vertrag machtlos war). Nordkorea und Iran sind in dieser Hinsicht nicht so weit gegangen.

    Besondere Besorgnis muss bei den Altdenkenden in Moskau die Vermutung erregen, dass die Freundschaft Indiens mit den USA sehr wahrscheinlich gegen China gerichtet ist und gegen das Zusammenwirken zwischen Neu-Delhi und Peking, das von Moskau tatkräftig gefördert wird.

    Aber eine solche Denkweise passt nicht in die Welt von heute, denn diese Welt baut nicht auf dem Prinzip "Wir gegen sie" auf. Wenn Moskau und Neu-Delhi (wie Moskau und Peking) ein völliges gegenseitiges Einvernehmen und eine gemeinsame politische Philosophie beschwören, ist das buchstäblich zu verstehen. Russland sieht ein, dass es naiv wäre, zu glauben, dass so große Länder wie Indien oder China auf einen einzigen Lieferanten von Nuklear- und Militärtechnologien angewiesen sein wollen. Es wäre viel besser, mit einem starken Staat befreundet zu sein, einem Staat mit eigenen Interessen (die übrigens für Moskau verständlich und den russischen Interessen nah sind), als mit einem isolierten, schwachen und abhängigen Land.

    Was die geschäftliche Seite allein anbetrifft, so wäre eine Monopolisierung des Absatzmarktes sowohl für russische Atomenergiewirtschaft als auch für die russischen Rüstungsproduzenten schädlich. Moskau hatte schon einmal auf höchster Ebene erklärt, es habe keine Angst vor der möglichen Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen China und würde das als einen Impuls für die eigene Rüstungsindustrie aufnehmen. Das gilt auch für den indischen Waffenmarkt.

    Indien betreibt eine kluge Diplomatie. Es sei daran erinnert, dass der indische Außenminister Natwar Singh noch vor der US-Reise des indischen Regierungschefs im russischen Wladiwostok mit seinen Amtskollegen aus Russland und China zusammengetroffen war.

    Das ist keine im Widerspruch zum Washington-Besuch stehende Außenpolitik, sondern ein Bestandteil der Politik von Neu-Delhi. Moskau weiß, dass es nicht im Interesse Indiens liegt, dass es in seiner Eigenschaft als wachsende asiatische Supermacht als Gegengewicht zu China genutzt wird.

    Das politische Denken Russlands, Indiens und Chinas beruht auf dem Grundsatz, dass jedes Land sowohl in seiner Region als auch auf globaler Ebene eine Mitverantwortung für die Weltordnung tragen muss.

    Es sei an den Gipfel der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) vom 5. Juli in Astana erinnert. Er wird offenbar immer berühmter, weil in seiner Schlusserklärung die USA aufgefordert wurden, klare Fristen für die Präsenz der US- und Nato-Truppen in Mittelasien festzulegen. China und Russland sind Mitglieder der SOZ. Indien wurde auf dem Gipfel als Beobachter in die Organisation aufgenommen.

    Was bedeutet diese Demarche der SOZ? Wie aus einer den russischen Regierungskreisen nahestehenden Quelle verlautet, widerspiegelt dieser Teil des Kommuniqués vor allem die Besorgnis der mittelasiatischen SOZ-Mitglieder über die immer noch angespannte Lage in Afghanistan. Das Land verwandle sich wieder in eine Quelle der Drogengefahr und der politischen Herausforderungen, wobei eine mit der USA und der Nato koordinierte Politik zur Bekämpfung dieser Gefahren ausbleibe. Wozu brauchen sie dann ihre Stützpunkte in der Region? Mit anderen Worten: Der Appell der SOZ ist keine Herausforderung (das wäre dumm), sondern eine ausdrückliche Aufforderung zu Verhandlungen für die Staaten, die Interessen, Besorgnisse, Potenzen und Verantwortung in der Region haben. Niemand kämpft gegen Amerika und keiner verdrängt es aus Asien. Ganz im Gegenteil: Die USA werden zu einer Zusammenarbeit in Asien aufgerufen. Unter anderem auch mit den wachsenden Weltmächten China, Indien und Russland, deren Einfluss in der Region zunimmt.

    Washington reagiert erst jetzt - viel zu spät - auf diese Realität, und seine Reaktion ist nicht ganz angemessen. Das zeigt die jüngste Resolution des US-Repräsentantenhauses, das nichts außer seiner Besorgnis über die Erklärung der SOZ äußern konnte.

    Es sei gesagt, dass eine Eifersucht Washingtons gegen die Asien-Politik Moskaus (Neu-Delhis und Pekings) ebenso unangebracht und aussichtslos wäre wie die vermeintliche Eifersucht Moskaus gegen die indisch-amerikanische Zusammenarbeit.