11:01 18 Januar 2017
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    Ausländische Versicherungsgeber in Russland gehen zur Offensive über

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    MOSKAU, 21. Juli (von Alexander Jurow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Dieser Sommer ist durch eine massive Offensive ausländischer Versicherungsgeber auf den russischen Markt gekennzeichnet.

    Um russische Kunden rivalisieren gleichzeitig zwei ausländische Versicherungsriesen.

    Mit Sonderpreisen und einer großen Werbekampagne feiert die russische Tochter des prominenten Schweizer Finanzdienstleisters Zurich Financial Services die Eröffnung einer ersten Versicherungsagentur für Privatkunden in Moskau. Zurich Financial Services ist in mehr als 50 Staaten der Welt tätig, hauptsächlich in Nordamerika und Europa. Obwohl die schweizerische Firma seit 1992 in Russland engagiert ist, hatte sie bisher so gut wie keine Privatkunden. Ihr Schwerpunkt lag bislang bei Vermögens- und Haftpflichtversicherungen für Klein- und Mittelstandsunternehmen, die in Russland tätig sind. Außerdem bot sie Leistungen im Bereich der Fracht- und Fahrzeugversicherung an. Nun beginnt eine neue Expansionsetappe und Zurich-Rus, eine hundertprozentige Tochter der schweizerischen Firma, eröffnet ein Verkaufsbüro für Privatkunden, denen sie Versicherungen von Fahrzeugen, Wohnungen und Wohnhäusern sowie Unfallversicherungen auf direkten Vertriebskanälen anbietet.

    Der größte amerikanische Versicherungskonzern, American International Group (AIG), ist seiner schweizerischen Konkurrenz in Russland dicht auf den Fersen.

    Die Vereinigung der russischen Visa-Mitgliedsbanken schloss kürzlich mit der geschlossenen AG "AIG Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaft", einer Tochter von American International Group, ein Kooperationsabkommen ab. Danach übernimmt die AIG die Versicherung von ins Ausland reisenden Inhabern in Russland emittierter Visa-Geldkarten. Dem Abschluss des Abkommens war eine Ausschreibung vorausgegangen, aus der die AIG Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaft als Sieger hervorging.

    Die AIG ist eine der führenden international tätigen Versicherungs- und Finanzorganisationen und der größte Underwriter für Gewerbe- und Industrierisiken in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Firmen, die unter dem Dach der AIG vereinigt sind, bieten zahlreiche Leistungen auf dem Gebiet der Geschäfts- und Privatversicherung in 130 Ländern an.

    Das Ziel ihres Versicherungsprogramms, das kürzlich in Russland gestartet wurde, besteht darin, den Inhabern von Geldkarten Visa Classic, Visa Business und Visa Gold einen Rund-um-die-Uhr-Schutz vor ungeplanten Kranken- und sonstigen Nebenkosten bei Auslandsreisen einschließlich Versicherung von Todesfällen durch Unfall zu bieten.

    Dem Präsidenten der AIG Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaft, Nikolai Dmitrijew, zufolge handelt es sich bei dem besagten Versicherungsprogramm um ein Marketinginstrument, das als Anreiz genutzt wird, um den Absatz der Bankkarten zu erhöhen.

    Natürlich waren für die AIG-Leitung nicht nur diese Beweggründe entscheidend. Heute besitzen mehr als 15 Millionen Russen Visa-Karten. Rund die Hälfte von ihnen reist regelmäßig ins Ausland. Die Jahresgebühr für diese Leistung beträgt in Russland 12 US-Dollar. Ein analoges Programm der russischen Versicherungsgeber kostete bis jetzt 20 Dollar im Jahr. Das bedeutet, dass der Umsatz der neuen Leistung der AIG unter bestimmten Bedingungen in absehbarer Zeit 100 Millionen Dollar erreichen kann.

    Die Belebung der ausländischen Unternehmen in Russland ist durchaus verständlich: Vor mehr als einem Jahr hatte die Regierung in Moskau die Schranken für ausländische Versicherungsgeber in Russland teilweise abgebaut. So unter anderem wurde die Quote für die ausländische Beteiligung am Stammkapital von Versicherungsfirmen von 15 auf 25 Prozent erhöht. Aber noch vor dieser Maßnahme hatten sich die Ausländer trotz vieler formeller Verbote in Russland schon eingelebt und besaßen Anteile an vielen russischen Firmen.

    Angesichts der Aktivierung der ausländischen Konkurrenzen legen die inländischen Versicherungsgeber die Hände nicht in den Schoß. Besonders deshalb nicht, weil Russland in absehbarer Zeit der WTO beitreten will. Fast gleichzeitig mit dem Start der massiven Werbekampagne ausländischer Versicherungsfirmen erschienen Meldungen über eine Konsolidierung des Kapitals russischer Unternehmer.

    Der russische Versicherungsmarkt ging bislang den Weg, den die westlichen Staaten Polen, Tschechien und Ungarn bereits hinter sich haben. Doch in diesen Ländern verursachte die Invasion der ausländischen Konkurrenten meistens den Bankrott der einheimischen Versicherer. Und das war nicht verwunderlich, weil die ausländischen Versicherer mehr Kapital und Erfahrungen hatten und bessere Versicherungsbedingungen anbieten konnten.

    Momentan sind in Russland mehr als 1000 Versicherungsfirmen tätig, von denen die meisten sehr klein sind. "Da Russland in absehbarer Zeit der Welthandelsorganisation beitreten und dadurch den Zugang zu ausländischen Märkten bekommen will und angesichts des wachsenden Engagements der ausländischen Versicherungsgeber in Russland müssen die Qualität und der Umfang der Versicherungsleistungen erhöht werden", meint Pawel Danilow, Mitglied des Expertenrates des Föderalen Amtes für Versicherungsaufsicht. "Deshalb sind auf dem russischen Versicherungsmarkt Fusionstendenzen zu verzeichnen".

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