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    Europas höchster Wolkenkratzer soll in Moskau entstehen

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    MOSKAU, 22. Juli (Olga Sobolewskaja, RIA-Nowosti-Kommentatorin). Die Moskauer Begeisterung für Hochhäuser hat nun ein durchaus logisches Projekt als Folge.

    In der Mitte des entstehenden Geschäftszentrums Moskwa-City soll der höchste Wolkenkratzer Europas entstehen, der den Namen "Federazija" tragen wird. 440 Meter wird der Riese am Krasnopresnenskaja-Kai in der Nähe des Regierungssitzes hoch sein.

    Angesichts der Moskauer Leidenschaft für Hochhäuser (bis 2015 plant die Stadtverwaltung die Errichtung von 200 Wolkenkratzern) kann man sagen, dass "Federazija" ein neues Symbol der russischen Metropole der heutigen Zeit wird. Der höchste bewohnbare Punkt des Gebäudes wird in 340 Meter Höhe liegen. Höher ist in Moskau nur der Fernsehturm Ostankino - 540 Meter. Das Hauptgebäude der Moskauer Universität im Südwesten der Hauptstadt, eines der insgesamt sieben aus der Stalin-Epoche stammenden und Ende der 40er bis Anfang der 50er Jahre errichteten Hochhäuser, wirkt mit seinen 240 Metern Höhe gar nicht mehr so gigantisch.

    Der "Federazija"-Turm wird superfest sein - nach dem 11. September 2001 ist das einer der wichtigsten Aspekte des Hochhäuserbaus. Die tragenden Monolithsäulen haben eine Feuerfestigkeit von zehn Stunden im Unterschied zu den 30 Minuten beim Stahlgerüst der Twin Towers in New York. Das einmalige Gebäude aus Glas und Beton wird an ein Segel erinnern. Auf einem mehrstufigen Podium werden zwei Türme von jeweils 85 und 57 Etagen emporragen. Den Bau finanziert die russische Vneshtorgbank.

    Um das Projekt schloss sich eine Architekten-Internationale zusammen. Gebaut wird von der St. Petersburger/Moskauer Gesellschaft Mirax Group. Der Entwurf stammt von den deutschen Architekten Peter Schweger und Sergej Tchoban. Mit der ingenieurtechnischen Seite befassen sich Amerikaner, während die Lifte von Deutschen hergestellt werden sollen. Engländer agieren als Berater. Das Fundament wird von Türken gebaut.

    "Federazija" wird eine Mini-Stadt mit vielseitigen Dienstleistungen sein, das Gebäude wird ein Modell des neuen Moskau, einer ambitionierten und auf Konsumtion eingestellten Metropole sein. Dort wird es Banken, Geschäfte, Fitness-Zentren, Restaurants, ein Hotel, Vertretungen von Fluggesellschaften, Fernsehstudios, Konferenzsäle und eine Garage geben. 30 Etagen wurden für das zentrale Büro der Vneshtorgbank reserviert, 44 Etagen übernimmt das Hotelunternehmen Hyatt. Ganz oben wird es ein Restaurant mit einer Panorama-Aussicht geben. Die Kunden werden mit Hochgeschwindigkeitsliften dorthin gebracht.

    Mehrzweckgebäude werden immer häufiger in Moskau gebaut. Heute müssen die Moskauer Bauflächen maximal effektiv genutzt werden, so Wladimir Ressin, erster Vizebürgermeister in der Regierung Moskaus und Leiter des Komplexes Architektur, Bauwesen, Entwicklung und Rekonstruktion der Stadt. Ohne Hochhäuser werde die Stadt nicht auskommen können, in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen, betont er. Je höher die Konzentration von Büroräumen, desto attraktiver die gesamte Geschäftszone, behaupten Experten.

    Die Moskauer haben sich mit allen architektonischen Sensationen - sowohl schönen als auch absurden - abgefunden, genauso wie sich die Pariser mit dem Eiffelturm und den Glaspyramiden vor dem Louvre abgefunden haben. Das entstehende "Federazija"-Hochhaus wird da keine Ausnahme sein. Immerhin war die Moskauer Architektur schon immer eklektisch. Die Ende des 20. Jahrhunderts entstandenen Bürogebäude von Banken sowie von Öl- und Gasunternehmen haben zudem die Geschmacklosigkeit zu einem Merkmal der heutigen Moskauer Architektur gemacht.

    All diese Architektenexperimente lassen sich aber leicht mit der Notwendigkeit erklären - sei es die Notwendigkeit von Veränderungen oder die Notwendigkeit, Gewinne zu vergrößern. Die Meinung der Stadteinwohner ist hier offenbar nicht so wichtig. Ähnlich ist die Situation auch in anderen Weltmetropolen. Die Menschen würden davon nur profitieren, wenn die Stadt neues Geld verdienen würde.

    Die Geschichte ist dagegen von Natur her schweigsam. Die Stimme einer Epoche ist erst nach einem Zeitabstand zu vernehmen. Das heutige Moskau wird eine stählerne sachliche Stimme mit angeberischen und selbstsicheren Intonationen haben.

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