01:56 24 Januar 2017
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    Russland und das internationale Problem der nuklearen Abfälle

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    MOSKAU, 22. Juli (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti). Russland wird ohne Zweifel zu den Ländern gehören, die weltweite "nukleare Dienste" neben den anderen Branchenführern, USA, Frankreich, Großbritannien und China, monopolisieren könnten.

     Auch mehrere andere Länder verfügen über Atomtechnologien. Aber die Atomwirtschaft wurde von Ländern ins Leben gerufen, die Atomwaffen haben. Die Atomwirtschaft wurde zu einem Produkt der Konversion, nachdem sich die Welt über die Notwendigkeit klar geworden war, dass die nuklearen Rüstungsprogramme reduziert und die Atomtechnologien zu friedlichen Zwecken genutzt werden müssen.

    Der stellvertretende Direktor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Juri Sokolow, behauptet, dass es sich im Moment auf keinen Fall um eine Liste nuklearer Monopolisten handelt. Aber es liegt klar auf der Hand, dass dieses Problem unweigerlich in der Zukunft aufgeworfen werden wird. Nicht von ungefähr hatte IAEO-Chef El-Baradei die Idee unterbreitet, den Kreis der Länder einzuengen, die Atomtechnologien entwickeln. Der Vorschlag wurde im Laufe eines Jahres auf Expertenebene diskutiert. Ein internationales Treffen fand vom 16. bis 18. Juli dieses Jahres auch in Moskau statt - unter dem Motto "Multilaterales technisches und organisatorisches Herangehen an den nuklearen Brennstoffzyklus im Interesse der Festigung des Regimes der Nichtweitergabe". Derart konsequente und beharrliche Schritte werden unternommen, um ein überaus wichtiges Ziel zu erreichen.

    "Mehrere Experten, die die Atomindustrie kritisieren, behaupten, diese Idee habe zum Ziel, einige Länder zu nuklearen Müllhaufen umzuwandeln, wo die Atomabfälle der ganzen Welt eingelagert werden", sagte der Leiter der Föderalen Atomenergie-Agentur Russlands, Alexander Rumjanzew. Unter den "Müllhaufen" werden Anlagen verstanden, in denen radioaktive Abfälle endgelagert werden und die ein Produkt der Hochtechnologien sind. "In Wirklichkeit ist diese Idee vernünftig und pragmatisch. Die IAEO kristallisierte diese Idee durch zahlreiche Erprobungen und die Abstimmung von Standpunkten heraus." Rumjanzew ist der Ansicht, dass die Länder, die ihre Energieprobleme mit Hilfe von Atomkraft lösen wollen, nicht unbedingt eine eigene Atombranche haben müssen, die ökologisch gefährlich und sehr teuer ist. Diese Länder könnten Erfahrungen und Dienste anderer Staaten in Anspruch nehmen, die über einen nuklearen Brennstoffzyklus verfügen und das Endprodukt - Atomstrom - beziehen. Dabei wird die Gefahr einer "militärischen Komponente" der Atomindustrie im Keime erstickt, wodurch die friedliche Nutzung der Atomkraft weltweit möglich wird. Die Menschheit wird den quälenden Gedanken darüber los, dass "sensible" Technologien in die Hände von Terroristen gelangen könnten. Zudem wäre das Problem nuklearer Programme der so genannten Schurkenstaaten vom Tisch.

    Sowie die Idee der IAEO in der Welt unterstützt wird, muss eine wichtige Frage gelöst werden. Es geht um Stationierungsorte der künftigen Endlagerungsstätten für radioaktive Abfälle. "Russland ist dafür allein schon deshalb geeignet, weil das gesamte Spaltmaterial im Lande Staatseigentum ist", sagte Rumjanzew. "Das bedeutet, dass der Staat als Eigentümer die Lieferung von Atombrennstäben und deren Rückführung zur Verarbeitung garantieren kann. Bei der Erörterung dieses Problems hatten die Amerikaner und Franzosen gesagt, sie seien nicht in der Lage, derartige Garantien zu geben, weil die Atomindustrie in diesen Ländern von Privatunternehmen betrieben wird, in deren Tätigkeit der Staat sich nicht einmischen darf", erklärte Rumjanzew.

    Russland als eine zum Nuklearclub gehörende Macht, die 50-jährige Erfahrungen beim Umgang mit Spaltmaterial und eine leistungsstarke Atombranche hat, macht keinen Hehl daraus, dass es an einer Ausschreibung zum Bau internationaler Endlagerungsstätten für Atommüll teilnehmen könnte. Bei seinem jüngsten Besuch in Krasnojarsk (Ostsibirien) hatte der russische Präsident Wladimir Putin gesagt, er sehe keine Probleme in Bezug auf die Einfuhr verbrauchter Brennelemente nach Russland. "Wenn das unter Einhaltung der Technologien gemacht wird, wenn Mittel für die Lösung der bestehenden ökologischen Probleme ausgegeben werden, die unter anderem mit radioaktiver Verseuchung zu tun haben, wird diese Entscheidung gerecht und richtig sein", betonte Putin. Dabei spielte der Staatschef auf ein von der Staatsduma im Jahr 2001 angenommenes Gesetz an, das die Einfuhr radioaktiver Abfälle, darunter auch ausländischer Herkunft, zur Verarbeitung und Endlagerung nach Russland genehmigt.

    Das größte Endlager für verbrauchte Brennelemente befindet sich in Schelesnogorsk (Region Krasnojarsk, Sibirien), auf dem Gelände eines Bergbau- und Chemiekombinates, in dem zur Zeit des atomaren Wettrüstens waffenfähiges Plutonium aufbereitet wurde. Im Kombinat werden auch ausgediente Brennstäbe von Druckwasserreaktoren des Typs WWER verarbeitet und endgelagert, die nicht nur in Russland, sondern auch in einigen ausländischen Atomkraftwerken im Einsatz sind, darunter in Bulgarien, Ungarn und der Ukraine.

    Gerade das Bergbau- und Chemiekombinat Schelesnogorsk ist für den Bau eines künftigen Endlagers gedacht, sollte Russland das Recht auf diese Arbeiten erhalten. Nach Plänen der IAEO soll das internationale Endlager nach Möglichkeit die potenziell gefährlichen Materialien an einem Ort konzentrieren. Diese müssen zuverlässig geschützt werden, damit sie nicht in die Hände von Terroristen gelangen.

    Laut Rumjanzew wäre das Endlager in Schelesnogorsk gegenwärtig bereit, bis zu 8000 Tonnen verbrauchter Brennelemente aufzunehmen. Derzeit werden die Kapazitäten des Endlagers erweitert. Experten sind der Ansicht, dass in Schelesnogorsk Dutzende tausend Tonnen Brennstäbe aus aller Welt endgelagert werden könnten. Für jede Tonne Müll würde Russland etwa eine Million Dollar kassieren. Erhebliche Mittel davon - bis zu 25 Prozent vom Gewinn - sind für die Lösung ökologischer Probleme in Schelesnogorsk bestimmt.