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    Russische Wissenschaftler kontrollieren Sonnenaktivität

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    MOSKAU, 22. Juli (Juri Saizew, Experte des Instituts für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften - RIA Nowosti).

     Bei Magnetstürmen, die durch Sonneneruptionen verursacht werden, nimmt die Menge des Adrenalins im menschlichen Organismus zu, ändert sich der Charakter des Blutfkreislaufs in den Gefäßen, insbesondere in den Kapillaren, und pendelt der Blutdruck, behaupten Wissenschaftler. Junge und Gesunde bekommen das überhaupt nicht zu spüren. Aber andere werden mit Problemen konfrontiert. Auch früher wurde der Wetterbericht bis zu zehn Mal pro Tag gehört. Jetzt muss man das noch öfter machen: Wie ist es um die geo-magnetische Situation bestellt?

    Der am 31. Juli 2001 gestartete russisch-ukrainische Satellit KORONAS-F untersucht seit fast vier Jahren die Sonnenaktivität und die solar-terrestrischen Beziehungen. Der Raumapparat stellt ein kosmisches Laboratorium dar, das die Sonne im gesamten elektromagnetischen Bereich des Spektrums untersucht. Mit dem Satelliten kann die Zusammensetzung der Sonne und ihre Atmosphäre bestimmt wie auch der Mechanismus diverser Erscheinungen der Sonnenaktivität ergründet werden. Es geht zum Beispiel um die Herkunft und die Beschleunigung des so genannten Sonnenwindes, der die Erde und den erdnahen Raum unmittelbar beeinflusst, sowie um Mechanismen der Kontakte diverser Sonnenenergien mit der Magnetosphäre und der Ionosphäre der Erde.

    Angewandte Aspekte dieser Forschung laufen darauf hinaus, den Einfluss der Sonnenaktivität auf die Atmosphäre und die Biosphäre der Erde, auf den menschlichen Organismus und auf technische Anlagen wie Stromleitungen, Kommunikationssysteme, Pipelines u.a. festzustellen.

    Fachleute diverser Branchen sind auf kosmische Wetterberichte angewiesen. Das betrifft zum Beispiel jene Experten, die den Zustand des Funkverkehrs kontrollieren oder die radioaktive Sicherheit der Raumfahrer gewährleisten. Die Raumfahrer, die während eines Fluges nicht mehr zuverlässig durch die Erdatmosphäre geschützt sind, sehen sich bei besonders starken Sonneneruptionen gezwungen, sich speziell zu schützen, um keine übermäßige Strahlung abzubekommen.

    Auch für automatische Weltraumsonden stellen Sonneneruptionen eine Gefahr dar: Die Elektronik an Bord steigt nicht selten aus. Zudem wird die Erdatmosphäre durch den Einfluss starker Sonnenstrahlung erwärmt und dehnt sich aus. Ihre Dichte in großen Höhen nimmt zu, wodurch Satelliten mehr Widerstand haben und die berechnete Flugbahn früher als geplant verlassen. Aus diesem Grunde verglühten die amerikanische Sonde Skylab und die sowjetische Orbitalstation Saljut-7, die konserviert war und erst in einigen Jahren wieder bemannt werden sollte.

    Dank den von KORONAS-F gelieferten Daten wurde mit knapp einer Million Aufnahmen ein einmaliges Archiv von Spektralbildern der Sonne und der Sonnenkrone geschaffen. Erstmals wurde der absolute Gehalt einer Reihe von chemischen Elementen in der Sonnenkrone ermittelt. Entdeckt wurden neue Spektrallinien. Gewonnen wurden wertvolle Angaben über die Röntgen,- die Ultraviolett-, die Gamma- und die Korpuskularstrahlung der Sonne und ihren Einfluss auf die Magnetosphäre, Ionosphäre und Atmosphäre der Erde.

    Das an Bord des Satelliten installierte Multikanal-Spektrometer kann dem Charakter der zu lösenden Aufgaben nach als "Sonnen-Kardiograph" bezeichnet werden. Nach der Auswertung der "Sonnen-Kardiogramme" konnten Angaben über die Dynamik in inneren Schichten der Sonne und über Änderungen dieser Dynamik gemäß der Sonnenaktivität gewonnen werden.

    Ein anderes einmaliges Forschungsgerät - das Multikanal-Röntgenspektrometer - liefert täglich bis zu 200 wertvolle Bilder, die es gestatteten, die Natur diverser aktiver Erscheinungen auf der Sonne zu begreifen. Zum ersten Mal wurden Angaben über die Dynamik der Sonnenkrone in Entfernungen von bis zu drei Sonnenradien erhalten. Diese Zone wurde bislang so gut wie nicht beobachtet.

    Besonders interessante Daten lieferte der Raumapparat im Oktober und November 2003, als die Sonnenaktivität den Höhepunkt der letzten Jahrzehnte erreicht hatte. Es geht um eine ganze Serie von Sonneneruptionen mit Rekordenergien. Die Eruptionen gingen mit Ausbrüchen von Koronaplasma mit Geschwindigkeiten von bis zu 2000 Kilometern pro Sekunde einher. Alle Eruptionen und fast alle Arten der Strahlung, zu der es bei den Eruptionen kommt, konnten von den Geräten des Satelliten erfasst werden. Dabei wurden in der Sonnenkrone ganz neue Erscheinungen entdeckt und erkundet, darunter Plasmagebilde mit hoher Dynamik und Temperaturen von bis zu 20 Millionen Grad Celsius. Möglicherweise wird das zur Lösung des Problems in der Physik der Sonne führen, das bislang nicht erklärt werden kann: Wie kann die Sonnenkrone auf Temperaturen von bis zu einer Millionen Grad erwärmt werden, wenn auf der Sonnenoberfläche höchstens 6000 Grad gemessen werden.

    Das Solarobservatorium KORONAS-F und der Raumapparat KORONAS-I, der 1994 bis 2001 in aktivem Einsatz war, sind Bestandteil des langfristigen kosmischen Programms KORONAS. KORONAS steht für die russische Abkürzung "Komplexe orbitale Beobachtungen der Sonnenaktivität im erdnahen Raum". Als nächste Etappe ist die Umsetzung des Projektes "Koronas-Photon" geplant, bei dem die Sonne im harten Röntgen- und Gamma-Wellenbereich erkundet wird.

    Man muss sagen, dass die Beobachtung des Sonnenwindes auf der gesamten Strecke zwischen Sonne und Erde neben der Erforschung der Sonne selbst ein kritisches Element für kosmische Wetterprognosen ist. Das Beobachtungssystem soll mehrfach gestaffelt sein. Russische Wissenschaftler arbeiten derzeit daran.

    In der Ionosphäre, in tiefen Breiten werden Beobachtungen unter Einsatz von "Tschibis"-Kleinsatelliten vorgenommen, die im Institut für Weltraumforschung gebaut wurden. Diese Raumapparate sollen von Bord der Internationalen Raumstation ISS ausgesetzt werden. Die innere Magnetosphäre und die Strahlungsgürtel sollen mit "Resonanz"-Satelliten beobachtet werden, die im Rahmen des Föderalen Raumfahrtprogramms für den Start vorbereitet werden. Ihre Hauptaufgabe ist die Erkundung der Feindynamik eines Strahlungsgürtels wie auch des Zusammenwirkens von Teilchen und Wellen in der inneren Magnetosphäre.

    In der "oberen Etage" soll sich der Satellit "Interbol-3" befinden, der im Librationspunkt etwa eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde stationiert wird. Dank dem Ausgleich zwischen der Schwerkraft der Sonne und der Erde kann der Raumapparat lange Zeit in der Nähe zur Sonne-Erde-Linie "hängen", wo sich auf der Sonne entstandene und für die Erde äußerst gefährliche Magnetwolken bewegen. Diese Position des Raumapparates wird hochpräzise Prognosen der Magnetstürme auf der Erde ein bis zwei Stunden vor ihrem Beginn ermöglichen.

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