13:58 17 Januar 2017
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    Shuttle schließt das US-Programm der bemannten Flüge

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    MOSKAU, 25. Juli (Andrej Kisljakow, politischer RIA-Nowosti-Kommentator).

    Das Wort "schließt" steht nicht von ungefähr in der Überschrift. Und das nicht nur, weil das günstige "Startfenster" fur die US-Raumfähre Discovery, die nach dem Absturz der Columbia als erste ins Weltall geschossen werden sollte, jetzt nur noch einen kleinen Spalt offen ist, wie ein Sprecher der russischen Flugleitzentrale ZUP treffend äußerte. Zu diesem - für unsere amerikanischen Partner unerfreulichen - Schluss berechtigt nämlich das Ausbleiben eines klaren Programms für die weitere Nutzung der Space Shuttle.

    Es ist allgemein bekannt, dass die Shuttles bis zum Jahr 2010 außer Dienst gestellt werden sollen. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Bau der Internationalen Raumstation ISS schon abgeschlossen sein, und zwar mit Hilfe der US-Raumfähren, auf die sich das gesamte ISS-Programm von vornherein orientierte. Zu diesem Zweck wurde noch unter Sean O'Keefe als NASA-Chef die (wie man damals glaubte) notwendige Zahl der Shuttle-Flüge auskalkuliert: 28.

    Dafür muss die NASA in der verbleibenden Zeit mindestens sechs Shuttle-Fluge im Jahr schaffen. Mit einem solchen Tempo ist kaum zu rechnen, wenn das Space-Shuttle-Programm in seinem jetzigen Zustand bleibt. Um der Gerechtigkeit willen sei gesagt, dass das erfolgreichste Jahr für die Shuttles 1985 war, als diese neun Mal ins Weltall starteten. Doch die NASA verfügte damals über vier Raumfähren und heute nur noch über drei.

    Hinzu kommt, dass der neue NASA-Chef Michael Griffin kurz nach seinem Amtsantritt die Zahl 28 nach unten korrigiert hat. Eine Sonderkommission soll im September 2005 eine endgültige Zahl der Flüge zur ISS bekannt geben. Hatte der vorangegangene Beschluss bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos die berechtigte Reaktion - "es hatte etwas mehr sein konnen" - hervorgerufen, so wird die zu erwartende Entscheidung überhaupt nicht kommentiert. Es ist klar, dass auch die bisher geplanten 28 Flüge nicht ausgereicht hätten. Das Streben der USA, den Bau der ISS zum Abschluss zu bringen, ist also nur noch eine "Absichtserklärung".

    Was die Absichten selbst angeht, so dienen die Space Shuttles jetzt im Gegensatz zu 1985 ausschließlich dem Bau der ISS. Es ist bewiesen, dass die Raumstarts mit Einwegraketen, so etwa mit den russischen, viel billiger sind. Am 18. Mai äußerte Griffin vor dem Wissenschafts- und Raumfahrtausschuss des US-Senats die Einstellung der US-Leitung zur Internationalen Raumstation: "Das Forschungspotential der Station ist begrenzt". Politisch korrekt und zugleich alle Zweifel ausräumend.

    Den Amerikanern kann man kaum den Mangel an Pragmatismus vorwerfen. Es wäre daher kurzsichtig, zu erwarten, dass sie alles in ihrer Kraft Stehende tun, um die Weltgemeinschaft zufriedenzustellen und um die Idee in die Tat umzusetzen, an die sie selber nicht mehr glauben.

    Wozu hat denn Amerika es nötig, Geld fur ein veraltetes Transportsystem auszugeben und das eigene Image und Menschenleben zu riskieren? Ist doch die Modernisierung der Discovery noch nicht abgeschlossen. Deshalb sollte es sich lieber auf die Entwicklung eines neuen Raumschiffes konzentrieren. Griffin setzte die Senatoren über die Absicht in Kenntnis, das Geld des ISS-Programms teilweise auf den Bau des zukunftsorientierten Schiffes CEV zu verlegen. Dabei ließ sich der NASA-Chef von der Bitte eines Senators, die wichtigsten Aspekte der Forschungen an Bord der ISS zu nennen, nicht uberraschen: Die Station eigne sich fur die Erprobung von Hardware und fur "einige wissenschaftliche Experimente", sagte er.

    Als er den Schluss-Strich unter seine Rede und vielleicht auch unter den amerikanischen Teil des ISS-Programms zog, meinte Griffin, dass all das auch auf der Erde verwirklicht werden könne. "Wenn wir keine Station hätten, würden wir das auch tun. Da wir eine haben, müssen wir sehen, wie sie genutzt werden kann".

    Mit anderen Worten: Man will uns im Ernst glauben lassen, dass die Shuttles regelmaßig - um der Präsenz des Menschen im Weltraum willen - ins All fliegen werden, denn unsere Partner sehen vorläufig keine anderen Ziele fur die ISS. Logisch gesehen liegt der Schluss nahe. Doch es gibt noch Politik etc.

    Laut den optimistischsten Schätzungen kann das neue Schiff CEV frühestens 2014 ins All starten, auch wenn sein Bau auf Kosten der ISS forciert wird.

    Und bis dahin bleibt ein unbemanntes Vakuum.

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