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    Die Terrorakte in Großbritannien und Ägypten haben eine pakistanische Spur

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    MOSKAU, 25. Juli (Generalleutnant der Auslandsaufklärung a. D. Gennadi Jewstafjew für RIA Nowosti.) Wie die Nachrichtenagenturen der Welt am Montag meldeten, sei die Polizei bei der Untersuchung der Explosionen in Scharm el-Scheich auf eine "pakistanische Spur" gestoßen.

    Gefahndet werde nach neun Personen, die am 5. Juli mit gefälschten Pässen aus Pakistan nach Ägypten gekommen seien. Zuvor wurde festgestellt, dass die Pakistaner mit den Explosionen in London zu tun hatten. Welches sind aber die Hintergründe der Teilnahme von Einwohnern dieses Landes an der neuen Terrorwelle?

    Gleich nach der Explosion der Türme des World Trade Center am 11. September 2001 traf sich der damalige Erste Stellvertreter des US-Außenministeriums Armitage sofort mit dem Chef des pakistanischen ISI (Inter-Services Intelligence) Mahmud Ahmad, der sich damals in Washington zu einem Besuch aufhielt, und stellte ihm die schwerwiegende Frage: "Sind Sie mit uns oder gegen uns?" Armitage wusste, wen er zu fragen hatte. Gerade der ISI war ein Instrument Pakistans bei dessen vorbehaltloser Unterstützung der Taliban, die Osama bin Laden und die Mitglieder der El-Kaida bis zum letzten Moment verteidigt hatten. Pakistans Präsident Pervez Musharraf akzeptierte alle sieben Forderungen, die die Vereinigten Staaten seinem Land stellten.

    Eine davon war "Zugang zu allen Aufklärungsinformationen über die Bewegung der Taliban und der El-Kaida". In der ersten Zeit waren gewisse Erfolge zu verzeichnen: Das amerikanische Expeditionskorps vertrieb die Kampftrupps der Taliban und der El-Kaida in die schwer zugänglichen Gebirgsgebiete an der Grenze Pakistans zu Afghanistan und beseitigte dadurch die Gefahr groß angelegter organisierter militärischer Aktivitäten dieser extremistischen und terroristischen Gruppierungen.

    Mehr noch, 2002 wurde einer der nächsten Helfershelfer Bin Ladens - Khalid Sheikh Muhammad, der die operative Arbeit der El-Kaida leitete - festgenommen. Danach entschied Washington, da der Verbündete seine Versprechen gewissenhaft einlöse, könne die Kontrolle über ihn gemindert und die irakische Operation in Angriff genommen werden. Der Hauptverbündete bei dieser Operation wurde Großbritannien.

    Tony Blair ahnte damals nicht einmal, dass er durch sein gehorsames Verhalten gegenüber den USA über sein Land ein großes Unglück heraufbeschwor. Das Endergebnis des gemeinsamen riskanten Unternehmens war die Eröffnung einer weiteren Front des Kampfes gegen den Terrorismus, und zwar in Irak, wo es ihn bis dahin nicht gegeben hatte. Das war das beste Geschenk für Bin Laden und Al-Zarquawi, seinen Konkurrenten im Kampf um den Einfluss in der terroristischen Internationale.

    Ohne also die Angelegenheit in Afghanistan erledigt zu haben, ließen sich beide Partner in das schwer entwirrbare Netz des arabischen politischen, ideologischen und religiösen Lebens einbeziehen, von dem sie, wie jetzt offensichtlich ist, wenig verstehen. Und da müssen sie noch an die globalen Wirtschaftsinteressen denken. Inzwischen hat die El-Kaida ihre Verluste wettgemacht und eine großzügige politische und moralische Unterstützung seitens religiös-politischer Strukturen erhalten, so dass sie ihre Werbe- und Missionarstätigkeit nicht nur in Pakistan, sondern auch außerhalb seiner Grenzen wieder aufnehmen konnte.

    Die Amerikaner nahmen sehr harte Maßnahmen in Kauf, um ihren inneren Schutz vor terroristischen Anschlägen zu sichern. Dagegen unternahm Tony Blair, wenn man von seinen allgemein gehaltenen Erklärungen absieht, so gut wie nichts gegen die extremistischen islamischen, darunter tschetschenischen Gruppierungen auf dem Territorium Großbritanniens. Und das bei der Gefahr, die sich absolut klar aus den Beleidigungen und Verhöhnungen ergab, die sich britische Militärs gegen das religiöse Empfinden der Moslems erlaubten. Das Ergebnis: Die Terrorakte in der Londoner Metro wurden nicht von hergelaufenen zombierten Figuren verübt, sondern von hundertprozentigen Untertanen Großbritanniens pakistanischer Herkunft.

    Was unserer Ansicht nach die Stärke der El-Kaida ausmacht, ist die Fähigkeit, die Ausführenden ihrer sorgfältig ausgearbeiten Terrorakte, die ein mächtiges internationales Echo auslösen sollen, auszuwählen und psychologisch zu motivieren. Für den außerordentlich großen Terrorakt am 7. Juli 2005 in London wurden die Täter aus unbescholtenen Familien der pakistanischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich ausgewählt. Jetzt ist schon klar, dass einige Mitglieder dieser "schlafenden Zelle" noch vor ihrer Teilnahme am Terrorakt zwecks psychologischer Vorbereitung in Glaubenszentralen in Pakistan gereist waren. Bei der Einladung der G8 nach Großbritannien traf Tony Blair also nicht alle notwendigen Maßnahmen zur Neutralisierung der Extremisten, mehr noch, vor dem Treffen baute er noch den Grad der terroristischen Gefahr ab. Das war, gelinde gesagt, nicht sehr umsichtig von ihm.

    Durch sein jüngstes Treffen mit den Würdenträgern der islamischen Bewegung in Großbritannien zeigte der Premierminister im Grunde ebenfalls, dass die Geschehnisse einen unterschwelligen ideologischen Background haben, dass die Erziehung im Geiste der so genannten westlichen moralischen und demokratischen Werte ein Fiasko erlitten hat, dass aber trotzdem versucht wird, die Schulung von Imams und überhaupt die gesamte religiöse Erziehung der moslemischen Bürger und Nichtbürger des Landes unter die eigene Kontrolle zu nehmen. Dieser Schritt ist reichlich spät gekommen und wird wohl bei der islamischen Gemeinschaft und auch sonst auf einen recht harten Widerstand stoßen.

    Am 21. Juli 2005 wurden in London neue Terrorakte in der U-Bahn und in einem Bus verübt. Nach den ersten Eindrücken zu urteilen, handelt es sich um eine überstürzte und von Anfängern unter den Extremisten wohl nicht sehr qualifiziert vorbereitete Reaktion auf die Handlungen der Behörden und solche Mitteilungen, dass die Regierung Großbritanniens daran gegangen sei, die Frage des Abzugs ihres Kontingents aus Irak ernsthaft zu prüfen. Eine solche Prinzipienlosigkeit in der Politik führt zu recht traurigen Folgen für die einfachen Bürger.

    Und noch etwas zur pakistanischen Spur. Der Fall des Vaters der pakistanischen Atombombe A. Q. Khan, die faktisch "unter dem Schirm" der strategischen Partnerschaft mit dem Westen entwickelt wurde, ist wohl die unheilvollste pakistanische Spur aus den letzten Jahren. Es wird eine Tragödie sein, wenn diese Spur am Aufenthaltsort der Terroristen endet. Denn die Welt hat ja bisher nicht erfahren, wo die gefährlichen, darunter nuklearen, Technologien hingekommen sind.

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