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    MOSKAU, 26. Juli (RIA Nowosti)

    “Nesawissimaja Gaseta“

    Putins Vertraute kontrollieren Aktiva von 222 Milliarden Dollar

    Sieben Personen aus dem engsten Kreis von Präsident Wladimir Putin haben nach dem Stand von Ende 2004 neun Staatsunternehmen mit Aktiva von insgesamt 222 Milliarden Dollar (rund 40 Prozent des russischen BIP) und einem Reingewinn von elf Milliarden Dollar kontrolliert. Der durchschnittliche Gewinnzuwachs belief sich dabei auf mehr als 50 Prozent, schreibt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag. In ihren Kommentaren zu den Ergebnissen von 2004 verweisen Experten auf eine zunehmende Einmischung von Beamten in die Wirtschaftsprozesse.

    „Russlands Erfolge beim Voranschreiten zur Marktwirtschaft werden vom Streben der Regierung geschwächt, zu weniger transparenten und traditionelleren Arbeitsmethoden im politischen und im wirtschaftlichen Leben zurückzukommen, meint Christel Richard aus Standard & Poor’s.

    Dabei wird betont, dass die aktive Teilnahme von Vertretern der Macht an den Wirtschaftsprozessen des öfteren zu unumkehrbaren Folgen führt. Am häufigsten wird das Beispiel der Ölgesellschaft Yukos genannt, von der ein wesentlicher Teil faktisch verstaatlicht wurde. Als Folge weisen die Staatsunternehmen hervorragende Finanzergebnisse auf, während es insgesamt zu einer Abschwächung der geschäftlichen Aktivität und einer Verschlechterung des Investitionsklimas kommt. „Die Behörden handeln nach Regeln, die nur für sie selbst offensichtlich sind, der Investor braucht aber außerordentlich exakte Spielregeln“, stellt Andrew Summers, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Russland, in der Zeitung fest.

    „Die Verstärkung der Rolle des Staates in der Wirtschaft ist in unserem Land eindeutig verheerend“, betont Jewgeni Jassin, wissenschaftlicher Leiter der Wirtschaftshochschule und ehemaliger Wirtschaftsminister Russlands.

    Fünf Mitarbeiter der Präsidentenadministration leiten Direktorenräte in Geschäftsinstitutionen: Administrationschef Dmitri Medwedew (Gasmonopol Gasprom), seine Stellvertreter Igor Setschin (die einzige staatliche russische Ölgesellschaft Rosneft) und Wladislaw Surkow (Staatsunternehmen für den Öltransport Transnefteprodukt), der Präsidentenassistent Viktor Iwanow (Russlands wichtigste Fluggesellschaft Aeroflot und der Hersteller der Luftabwehrwaffen, der Konzern Almas-Antej) und Medwedews Berater Alexander Woloschin (Strommonopol RAO EES). Finanzminister Alexej Kudrin leitet gleich zwei Aufsichtsräte - der Diamantengesellschaft Alrosa und der zweitgrößten russischen Bank Vneshtorgbank.

    “Kommersant“

    Gasleitung aus Iran nach Westeuropa um Russland herum

    Die ukrainische Staatsfirma Naftogas Ukrainy kündigte an, sie wolle sich am Bau einer Transitgasleitung aus Iran nach Westeuropa – wahrscheinlich an Russland vorbei – beteiligen, meldet die Tageszeitung Kommersant.

    Naftogas-Vorstand Alexej Iwtschenko bot dem stellvertretenden iranischen Ölminister Seyed Mohammad Hadi Nejad-Hosseinian zwei mögliche Routen für die Gaspipeline an: Iran - Armenien - Georgien - Russland - Ukraine - Europa und Iran - Armenien - Georgien - Schwarzes Meer - Ukraine - Europa.

    Am vergangenen Sonntag wurde in Teheran ein Memorandum über Zusammenarbeit zwischen dem ukrainischen Brennstoff- und Energieministerium mit dem iranischen Ölministerium signiert. Das Memorandum sieht die Einberufung einer „fünfseitigen Konferenz (also mit Teilnahme Russlands) bis Ende September im Rahmen der Vorbereitungen für die Umsetzung einer Variante des Transits des iranischen Gases sowie die Bildung von Expertengruppen und eine Kompetenzverteilung zwischen den am Projekt beteiligten Firmen“ vor.

    Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko hatte vorige Woche erklärt, dieses Projekt sei äußerst wichtig für die Ukraine und „muss schnellstens verwirklicht werden. Nur so können wir die Energielieferungen diversifizieren“.

    Wie gestern aus Gasprom verlautet, habe der russische Gasmonopolist von der ukrainischen Seite kein Angebot erhalten, an der Wahl einer dieser Routen teilzunehmen. Das, obwohl keine dieser Routen ohne eine Zustimmung Gasproms gebaut werden kann, schreibt die Zeitung. Die erste soll nämlich über Russland verlaufen, die zweite - über den Grund des Schwarzen Meeres, wo bereits die russische Gaspipeline „Blauer Strom“ verlegt ist, so dass der Bau einer neuen Gasleitung, die den „Blauen Strom“ überquert, ohne eine Genehmigung Russlands offenbar unmöglich wäre.

    Dennoch erklärte der stellvertretende Brennstoff- und Energieminister der Ukraine, Sergej Titenko, dass die neue Rohrleitung aus dem Iran über Armenien, Georgien, die Ukraine nach Europa gebaut wird, wobei sie auf einer Strecke von 550 Kilometer vom georgischen Hafen Supsa über den Grund des Schwarzen Meeres zur Krim verlegt werden soll. Den Wert des Projekts schätzt das Ministerium auf fünf Milliarden Dollar.

    Moskau sieht in der krampfhaften Suche Kiews nach alternativen Gaslieferanten unter anderem auch den Versuch, den russischen Gasmonopolisten unter Druck zu setzen.

    “Gaseta“

    Moskauer Arbritagegericht prüft Gesetzlichkeit der Verpfändungsauktion von 1995

    Das Moskauer Arbritragegericht hat mit der Behandlung einer Klage der juristischen Gesellschaft Rusatommet begonnen, bei der es darum geht, die Verpfändungsauktion der Gesellschaft Yukos 1995 als unlegitim anzuerkennen, berichtet die Tageszeitung „Gaseta“.

    Gegenwärtig werden Möglichkeiten von Klagen gegen andere Auktionen geprüft. „Die Firmen Lukoil, Norilsk Nickel und Reedereien - alles liegt in der Risikozone“, meinte Rusatommet-Vertreter Wladimir Gunitsch.

    Die Idee der Verpfändungsauktionen stammte von Präsident der ONEXIM-Bank, Wladimir Potanin (Großunternehmer und später Vizeregierungschef in der Regierung Viktor Tschernomyrdins). Im Namen eines Bankenkonsortiums schlug er vor, der Regierung einen Kredit gegen die Verpfändung von Aktien führender Staatsbetriebe bereitzustellen. Bereits damals wurde klar, dass es im Haushalt kein Geld für die Rückzahlung der Kredite geben wird. Insofern ging es in der langfristigen Perspektive nicht um einen Pfand, sondern um eine Privatisierung der Staatsunternehmen auf dem Weg des Verkaufs der verpfändeten Aktien, schreibt die Zeitung.

    „Hier kann nur eine politische Entscheidung getroffen werden“, sagte Eldar Nasmutdinow, juristischer Berater der Investmentgesellschaft Prospekt. „Höchstwahrscheinlich ist der Fakt dieses Prozesses nicht mit dem vermeintlichen Schaden, der dem Kläger zugefügt wurde, sondern mit den Yukos-Klagen gegen Russland in westlichen Gerichten verbunden.“

    „Die Verpfändungsauktionen sind die einzige Serie von Geschäften, bei denen der Staat zumindest etwas unternehmen kann, weil dies keine Privatisierung war“, stellt Andrej Bunitsch, Chef des Unternehmer- und Pächterverbands, fest. „Sollte das Gericht die Ergebnisse der Auktionen rückgängig machen, wird es nicht nur für den Staat von Vorteil sein, der die Aktiva zurückbekommen wird, sondern auch für die jetzigen Besitzer, meint er. „In Russland ist eine Klasse unsicherer Eigentümer entstanden, über denen das Damoklesschwert, die Verpfändungsauktion, schwebt. Dieser Knoten sollte besser gelöst werden, und zwar in einer Arbitrage und nicht über Strafprozesse.“

    Arkadi Wolski, Chef des Russischen Unternehmer- und Industriellenverbands, teilt diesen Standpunkt nicht. „Sollte die Praxis solcher Klagen aufgenommen werden, werden wir ein Durcheinander in der Wirtschaft hervorrufen. Die eine Sache wäre, die halbtote Gesellschaft Yukos zur rupfen, die andere - diese Frage für alle Unternehmen gelten zu lassen.

    “Iswestija“

    Russland bietet Tour um Mond für 100 Millionen Dollar an

    Die russische Raumfahrtgesellschaft „Energija“ hat der Föderalen Weltraumagentur FKA ein Projekt von Mondflügen für Weltraumtouristen vorgelegt.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Dienstag schreibt, sind bereits die Technik für die Reise gewählt, das ballistische Schema konzipiert und ein Geschäftsplan entworfen. Es bleibt nur, einen Interessenten zu finden, der einen zweiwöchigen Mondflug für 100 Millionen Dollar unternehmen würde.

    Die erste Woche würde der Tourist an Bord der Internationalen Weltraumstation ISS verbringen. Danach würden sich der Flugkommandant und der Tourist mit einer Sojus-TMA-Rakete zum Mond begeben, diese umfliegen und zur Erde zurückkehren. Der Zeitraum für die Herstellung der Technik und die Realisierung des Projekts ab dem Zeitpunkt der Überweisung der Zahlung würde anderthalb bis zwei Jahre betragen.

    Verhandlungen zwischen dem FKA-Chef Anatoli Perminow und dem „Energija“-Präsidenten Nikolai Sewastjanow haben bereits stattgefunden. Der 44-jährige Sewastjanow wurde vor kurzem in dieses Amt gewählt. Die Wahl wurde von Protesten des Kollektivs begleitet, die mit einer angeblich schwachen ingenieurtechnischen Qualifikation Sewastjanows begründet wurden. Nun muss er nach wirkungsvollen Projekten suchen, die seine Anerkennung gewährleisten und die „Energija“-Kasse füllen würden.

    Einzelne Abschnitte einer Mond-Tour wurden bereits mehrmals getestet, zusammen wurden sie aber noch nie realisiert, stellt die Zeitung fest. Der berühmte Kosmonaut Alexej Leonow, der als erster Raumflieger in den freien Weltraum ausstieg und seinerzeit zum Kommandanten einer nicht realisierten sowjetischen Expedition ernannt wurde, die den Mond hätte umfliegen sollen, bewertet das neue Projekt pessimistisch, in erster Linie weil Russland keine Technik für diese Aufgabe hat.

    Ein Flugkommandant hat sich aber bereits freiwillig gemeldet. Das ist Oberst Juri Schargin, der 2004 eine Woche lang an Bord der ISS gearbeitet hat und der erste Raumflieger aus den Reihen der Weltraumstreitkräfte Russlands war. Schargin nahm in der ISS den für einen Touristen vorgesehenen Platz ein, der nicht fliegen konnte.

    Wenn Russland innerhalb einiger Jahre nur zwei Touristen zu einem ISS-Flug zu verführen vermochte, der mit einem geringen Risiko verbunden ist, worauf soll dann die Hoffnung beruhen, dass es Interessenten geben würde, die bereit wären, fünfmal mehr für eine wesentlich riskantere Tour auszugeben, fragt das Blatt. „Das ist erstmalig: Einem Touristen wird eine Route angeboten, welche die Anbieter selbst noch nicht einmal gemeistert haben“, heißt es im „Iswestija“-Beitrag.

    “Wedomosti“

    Westliche Fonds investieren in russische Computerspiele

    Westliche Investoren interessieren sich zunehmend für russische Programmierer von Computerspielen. Wie die Geschäftszeitung „Wedomosti“ am Dienstag berichtet, kaufen der Venturefonds NORUM (eine Tochter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) und die russische Investmentgesellschaft Finam ein Kontrollpaket der Gesellschaft Buka (52,9 Prozent). Der deutsche Investmentfonds Quadriga Capital Russia verhandelt über den Kauf der Gesellschaft Akella, während die amerikanische Technologieholding Enerl Group bereits im Frühling ein Kontrollpaket der russischen Firma Nival Interactive erworben hat.

    Wie die Zeitung aus einer diesem Geschäft nahe stehenden Quelle erfuhr, waren die Seiten davon ausgegangen, dass Buka auf 12 Millionen Dollar geschätzt wird. Die Investitionen der neuen Aktionäre sollen der Gesellschaft helfen, auf den Märkten Chinas und Indiens Fuß zu fassen, hofft Igor Ustinow, Vorsitzender des Buka-Direktorenrates. Seinen Worten nach hatte die Gesellschaft im vergangenen Jahr ihre Vertretung in China eröffnet. In den nächsten zwei bis drei Jahren will sie mindestens 2,5 Prozent des Marktes dieses Landes kontrollieren, der heute auf 150 bis 200 Millionen Dollar geschätzt wird.

    Der geschäftsführende Direktor des Investment- und Bankressorts von Finam, Sergej Oparin, behauptet, dass Buka bis 2008 der führende Computerspielproduzent in Russland wird, während Finam aus diesem Projekt aussteigen könnte. Der NORUM-Investitionsmanager Alexander Wlassow erwartet, dass der Wert der Gesellschaft Buka in einigen Jahren auf 40 Millionen steigen wird.

    Laut einer Schätzung von Finam und von Ernst & Young, die Buka beraten haben, belief sich der Markt der legal verkauften Computerspiele in Russland (Raubkopien nicht eingeschlossen) 2004 auf 200 Millionen Dollar. Anatoli Subbotin, PR-Manager der Computergesellschaft 1C, schätzte den Umfang der russischen Computerspielbranche auf 210 Millionen Dollar, also um 80 Prozent größer als 2003.

    Der Fonds Quadriga Capital Russia verhandelt derzeit über den Kauf der Aktien des Spielproduzenten Akella. Dabei gehen die Seiten von einer Schätzung der Firma auf 20 Millionen Dollar aus, erfuhr die Zeitung von einem Kenner des Marktes.

    Akella-Vizepräsident Wladimir Kudra stellte fest, dass der russische Computerspielmarkt vor kurzem das Niveau der Industrieländer erreicht habe. Die Einnahmen aus dem Spielverkauf in Russland seien bereits mit denen im Ausland vergleichbar.

    Der geschäftsführende Direktor des Fonds Delta Private Equity Partners, Kirill Dmitrijew, ist der Auffassung, dass die Computerspielbranche in Russland heute aussichtsreicher ist als das Offshore-Programmieren, schreibt das Blatt abschließend.

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