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    Russlands Marktführer unter den Bierbrauern sind Ausländer

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    MOSKAU, 26. Juli (Alexander Jurow, RIA-Nowosti-Kommentator). Praktisch seit den ersten Sommertagen ist eine Schlacht um das Bier entbrannt.

    In den Kampf gegen die letzten noch unabhängigen einheimischen Bierbrauer zogen die Marktgiganten von jenseits der Grenzen.

    Die erste Salve feuerte die holländische Gruppe Heineken, als sie die Bierbrauerei Patra aus Jekaterinburg, im Zentrum des Ural-Gebiets gelegen, zu 100 Prozent übernahm. Dieser Erwerb bedeutete nichts Anderes, als dass Heineken kurz vor der Hauptsaison des Gerstengetränks handstreichartig einen Brückenkopf in Russlands Osten schlug. Nur einen Monat später stieg die nächste Aufsehen erregende Übernahme. Die Holländer setzten zum weiteren Vormarsch nach Osten an. Anfang Juli erfolgte die Ankündigung, man wolle eine weitere Brauerei erwerben. Diesmal unweit des Baikal-Sees in der Stadt Irkutsk. Die Folge: Heinekens Marktanteil in Russland peilte erstmals die Grenze von 10 Prozent und mehr an.

    Die Antwort der Konkurrenz ließ nicht auf sich warten. Praktisch Heineken auf den Fuß folgend, verkündete die Bierbrauerei Baltika den Erwerb einer Firma aus Krasnojarsk. Anschließend gab die Gruppe InBev die Vereinbarung bekannt, wonach die russische Brauerei Tinkoff aus Sankt Petersburg für 167 Millionen Euro in ihren Besitz übergehe. Nach diesem Geschäft hat InBev in Russland einen Marktanteil von 16 Prozent aufzuweisen.

    Übrigens, ein derart geschäftiges Treiben herrscht auf dem russischen Markt nicht erst seit diesem Jahr. Die Bierbrauer legen schon seit geraumer Zeit Jahr um Jahr durchschnittlich um 5 Prozent zu. Im laufenden Jahr wird eine weitere Steigerung um wenigstens 5 bis 7 Prozent erwartet. Das Gesamtvolumen nähert sich der Marke von 90 Millionen Hektoliter.

    Das Interesse der Investoren am russischen Biermarkt heizt der über viele Jahre recht stabile Aufschwung an. Dieser Aufschwung setzt sich fort, obwohl die russischen Behörden die Akzisesteuer für Bier regelmäßig anheben. Eingeführt im Jahre 2002, betrug sie damals 12 Prozent. Doch schon ein Jahr später wurde sie auf 25 Prozent hochgeschraubt. Im Jahre 2004 erlebte sie eine abermalige Steigerung, und zwar diesmal um weitere 10 Prozent. Im laufenden Jahr stieg die Akzisesteuer um 8 Prozent. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt sie aber immer noch nicht über der offiziellen Inflationsrate. Doch die Dinge sind eigentlich viel komplizierter. Die Tendenz ist nun einmal derart, dass schon in den kommenden Jahren 50 Prozent des Bierkonsums in der Welt auf Russland und China entfallen werden.

    In der Folge haben sich drei Marktführer etabliert, die die Produktion vor Ort in die Höhe treiben, sich gegenseitig Konkurrenz machend. Zweifellos ist, wie schon in den letzten Jahren, die Bierbrauerei Baltika dabei der unbestrittene Favorit. Schon jetzt hat sie einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent. Ihr gehören 18 Brauereien in Russland und in den GUS-Staaten. Sie braut das in Russland begehrteste Bier, ihre Hausmarke Baltika. Doch hinter dem russischen Markennamen des Gerstensaftes steckt der eigentliche Eigentümer des Geschäfts, die Baltic Beverages Holding AB (BBH), deren Kontrollpaket sich in der Hand von Skandinaviern befindet.

    Ihr stärkster Konkurrent auf dem russischen Markt ist die Firma SUN Interbrew, die ihren Marktanteil in Russland in den letzten beiden Jahren erheblich steigern konnte. SUN Interbrew ist das russische Antlitz des weltweiten Marktführers Inbrev, der von belgischem Kapital beherrscht wird. In Russland hat der Weltgigant des Biergeschäfts acht Brauereien unter seiner Kontrolle.

    Heineken, im Vergleich zu den beiden anderen Spitzenhäusern etwas verspätet auf dem russischen Markt aufgetaucht, schließt die Liste der führenden Troika ab. Der Gruppe gehören bislang nur vier Werke in Russland, und zwar in Sankt Petersburg, in Nischni Nowgorod, in Sterlimatak und in Nowosibirsk. Wertmäßig beläuft sich ihr Marktanteil auf 8,6 Prozent. Doch urteilt man nach den Aktivitäten der Gruppe, so stellt sie die Übrigen in den Schatten.

    Apropos, in dieser Saison sorgt nicht nur die Tatsache für Spannung, dass Ausländer die Unternehmen in Russland aufkaufen. Mit heutigem Stand haben nur noch zwei unabhängige Großunternehmen aus Russland auf dem inländischen Markt Bestand: die Brauereien Otschakowo und Krasnyj Wostok. In der Summe sind das ungefähr 15 Prozent des Marktes. Sollte einer der beiden aufgekauft werden, so kann sich der neue Eigentümer zweifellos mit der Anwartschaft auf die Lorbeeren des Marktprimus im Biergeschäft schmücken. Doch eine eventuelle Übernahme ist nicht zum Nulltarif zu haben. Nach inoffiziellen Schätzungen kommt man wohl kaum umhin, für die Kontrolle über Otschakowo 2 Milliarden US-Dollar auf den Tisch zu legen.

    Die Stabilität, welche die Lage der drei marktführenden Unternehmen kennzeichnet, bedeutet indes keineswegs, dass unbedingt einer von ihnen in den Genuss der Kontrolle über die örtlichen „Schmankerln“ im Biergeschäft kommt. Die russische Presse behauptet einmütig, der Markt könne schon sehr bald einer Umverteilung unterliegen. Noch in diesem Jahr könnte eine der in der Welt dominierenden Brauereien in Russland Flagge zeigen, nämlich die amerikanische Firma Anheuser-Busch. Es läuft das Gerücht um, der genannte Gigant könnte einen der einheimischen Produzenten schlucken. Aber auch ein anderer Globalplayer sollte nicht einfach abgeschrieben werden: SABMiller. In diesem Jahr expandiert die Firma schneller als alle anderen. Ihr Umsatz in Europa wuchs um 5 Prozent und in Asien um 10 Prozent. In Russland ist das Unternehmen ebenfalls präsent. Ihr osteuropäischer Ableger handelt auf dem russischen Markt mit begehrten Marken aus örtlicher und aus weltweiter Produktion, darunter auch mit beliebten tschechischen Biersorten. Allerdings bevorzugt es die Firma bisher, im Verbund mit Partnern Holdings zu schaffen. Bis zum Aufkauf russischer Brauereien sind die Dinge bisher noch nicht gediehen.

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