Radio
    Meinungen

    Im Spiegel der Presse

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 601

    MOSKAU, 28. Juli (RIA Nowosti)

    “Nesawissimaja Gaseta“

    Putin wahrscheinlich bald ohne strategische Freunde in EU

    Nach dem wahrscheinlichen Rücktritt des Bundeskanzlers Gerhard Schröder im kommenden Herbst könnte die russisch-deutsch-französische „Troika“, die bemüht war, Russland in die gesamteuropäischen Angelegenheiten einzubeziehen, ihre Existenz beenden. Wladimir Putin wird keine strategischen Freunde mehr in der EU haben. Diese Meinung äußert Alexander Rahr, Direktor des Programms Russland/GUS der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Angelegenheiten (Berlin), am Donnerstag in der Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

    Es wird klar, warum Putin in letzter Zeit alle Kräfte in die Festigung der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) einsetzt und sich um ein strategisches Bündnis mit China bemüht.

    Die EU ist zu Veränderungen verurteilt. Mit ihren inneren sozialökonomischen Problemen, mit der immer älter werdenden Bevölkerung und dem ausbleibenden Wirtschaftswachstum kann die EU nicht mehr ein Klub der reichen Westeuropäer bleiben, den arme Brüder aus Osteuropa sponsern. Die EU will sich aber auch nicht in sich selbst abschließen. Insofern wird die Last auf alle gleichmäßig verteilt.

    Wo geht Europa hin? Wird das alte transatlantische Bündnis wieder entstehen, wie das die westlichen Eliten möchten? Wird die EU im Transatlantismus aufgelöst und erneut eine treue Stütze der globalen USA-Politik in der monopolaren Welt bei der führenden Rolle Englands und mit Unterstützung der künftigen Regierungen Deutschlands und Frankreichs sein? Eine solche Entwicklung würde den traditionellen Instituten des Westens wie die NATO und die OSZE neue Kräfte verleihen. Dann würden die Ukraine und Georgien nicht mit der EU integrieren müssen, um in den Westen zu kommen. Ein NATO-Beitritt dieser Länder würde durchaus genügen. Dies würde aber Russland noch stärker zu einem Beitritt zu asiatischen Allianzen anspornen, so Rahr.

    Damit verzichtet Europa unverantwortlicherweise auf einen, wenn auch informellen, Zusammenschluss mit Eurasien, das über reiche Naturressourcen verfügt, die der Westen so sehr braucht. Offenbar wird die EU nicht ihre Prinzipien aufopfern. Die strategische Partnerschaft mit Russland wird stärker als bisher durch das Prisma der liberalen Werte angesehen. In seiner heutigen Gestalt ist Russland kein echter Partner für den Westen, stellt der Experte fest.

    “Kommersant“

    Weltgrößte Bierholding erhebt Anspruch auf Spitzenrolle in Russland

    Die weltgrößte Bierproduktionsholding Inbev (Belgien), die in Russland durch die Gesellschaft Sun Interbrew vertreten ist, verhandelt über den Kauf der internationalen Geschäfte des türkischen Unternehmens Efes Breweries International (EBI). Von einem Zusammenschluss der Unternehmen werde in erster Linie die russische Inbev-Einheit profitieren: Die russischen Unternehmen sorgen für den Löwenanteil der Efes-International-Gewinne, schreibt die Geschäftszeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Der Wert des Geschäfts beim Erwerb des Kontrollaktienpakets von EBI könnte mehr als eine Milliarde Dollar betragen.

    Experten bewerten den geplanten Erwerb von Efes als logisch. EBI dominiert zwar auf den Märkten Kasachstans, Serbiens und Montenegros, Rumäniens und Moldawiens, rund 80 Prozent der EBI-Einkommen bringt aber gerade Russland, wo die türkische Gesellschaft nur sieben Prozent des Marktes kontrolliert.

    Deshalb werden sich in erster Linie die Positionen von Sun Interbrew in Russland nach dem Geschäftsabschluss verstärken. „Die Verringerung der Anzahl der Marktteilnehmer in der Welt und in Russland ist nur eine Frage der Zeit“, so Alexej Kriwoschapko, Analytiker der Vereinigten Finanzgruppe. „Efes ist eindeutig das attraktivste Objekt in Russland. Dies ist ein Geschäft mit guten Marken und einer hohen Rentabilität.“

    Der russische Biermarkt ist ins Stagnationsstadium getreten, deshalb kauft Inbev auch solche Marken wie „Tinkoff“ und Efes, stellte Natalja Sagwosdina, Analytikerin der Investmentgesellschaft Renaissance Capital, fest. Es ist besser, weniger Bier teurer zu verkaufen.

    Außerdem würde dieses Geschäft Inbev die Chance bieten, den Rückstand zum Spitzenreiter des russischen Marktes, der skandinavischen Gesellschaft Baltic Beverages Holding, zu verringern. „Gelingt es Inbev, weitere Bieraktiva zu kaufen, diesmal in Russland, so wäre es durchaus wahrscheinlich, dass es auf dem örtlichen Markt zu einem Wechsel der Spitzenreiter kommt“, so Marat Ibragimow, Analytiker der Finanzgruppe Uralsib.

    Inbev ist mit 2,05 Mrd. dal im Jahr vom Produktionsumfang her die weltgrößte Bierbrauergesellschaft und mit dem Jahresumsatz von 8,57 Mrd. Euro die zweitgrößte in der Welt. Sie kontrolliert rund 14 Prozent des Weltmarkts. Der Anteil auf dem russischen Markt macht wertmäßig 16,4 Prozent aus.

    “Wedomosti“

    Italien lässt Gasprom auf seinen Einzelhandelsmarkt

    Nach Deutschland will nun Italien dem russischen Gasmonopolisten Gasprom seinen Einzelhandelsmarkt öffnen. Experten befürchten allerdings, dass die Gasprom-Vorteile von diesem Vertrag nur vor kurzer Dauer sein werden, berichtet die Geschäftszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Wie Gasexport, eine 100prozentige Gasprom-Tochter und der weltgrößte Gasexporteur, am Mittwoch mitteilte, habe das Unternehmen vor kurzem ein Abkommen mit dem italienischen nationalen Öl- und Gaskonzern ENI geschlossen. Im Austausch gegen die Verlängerung des Vertrags über die Gaslieferung von 2017 bis 2027 wird ENI es Gasprom gestatten, vom nächsten Jahr an zwei Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr selbständig zu verkaufen.

    Wie ein Gasprom-Mitarbeiter mitteilte, wird der Konzern zunächst nach dem gleichen Schema wie in Deutschland arbeiten. Dort gründete Gasprom gemeinsam mit Wintershall (Tochtergesellschaft des Öl- und Gaschemiekonzerns BASF) das Absatz-Joint Venture Wingas, in dem Gasprom 35-prozentige Anteile hat.

    Bei der Übergabe seiner Rechte auf die Gaslieferung wird ENI den Umfang seiner Einkäufe gemäß einem der Verträge mit Gasexport verringern und zugleich dem russischen Partner Rechte auf den Gastransport über die transösterreichische Gaspipeline von der slowakisch-österreichischen bis zu italienischen Grenze übergeben.

    Ein Gasprom-Vertreter verwies im Gespräch mit der „Wedomosti“ auf den Druck, den die Regierung auf ENI ausübt, damit der Konzern seinen Anteil am italienischen Gasmarkt bis 2009 von den jetzigen 68 auf 61 Prozent verringert. „ENI muss seinen Markt anderen Lieferern abtreten, beispielsweise Gasprom“, sagte er. Gasprom könnte dabei mit einer Marge von 20 bis 22 Dollar von jedem 1000 Kubikmeter Gas nach der Abführung aller Steuern rechnen.

    Laut Berechnungen von Sergej Glaser aus der Investmentgesellschaft Vostok nafta könnte Gasprom nach dem Abtreten der Rechte zusätzlich 40 bis 50 Millionen Dollar im Jahr bekommen. Allerdings bezweifelt Dmitri Lukaschow aus dem Investmentunternehmen Aton, dass sich Gasprom mit der Gasdistribution auf den europäischen Binnenmärkten beschäftigen soll. „Mit der Liberalisierung wird die Konkurrenz steigen, und es gibt keine Garantie dafür, dass die jetzige hohe Marge weiter bestehen wird“, sagte er. Nach seiner Auffassung solle sich Gasprom auf Förderung und Transport von Erdgas konzentrieren.

    Gazeta.ru

    Russlands Aktiva für Investoren attraktiv

    Die russischen Aktiva sind für Investoren die attraktivsten unter den Aktiva der Länder mit Entwicklungsmärkten. Zu diesem Schluss kamen Analytiker der Bank Moskwy ausgehend von den Angaben, die vom Forschungsinstitut Emerging Portfolio Fund Research (Cambridge, US-Bundesstaat Massachusetts) veröffentlicht wurden, berichtet die Internetzeitung Gazeta.ru am Donnerstag.

    Das überzeugendste Beispiel des unbestreitbaren Erfolgs Russlands wird die jüngste Unterbringung des 17,3-prozentigen Aktienpakets der Firma Novatec an der Londoner Börse bewertet. Der unabhängige russische Gasproduzent konnte seine Aktien zu einem Höchstpreis von 16,75 Dollar für ein GDR verkaufen.

    Einen der für Russland positiven Faktor bilden auch die Rekordpreise für Erdöl auf den internationalen Warenmärkten. Heute liegen sie bei 57 bis 58 Dollar pro Barrel.

    „Erreicht die Ölmarke Brent in nächster Zeit das neue historische Maximum von mehr als 60 Dollar pro Barrel, könnte das eine neue Wachstumswelle in der russischen Ölbranche provozieren“, heißt es im Bericht der Bank Moskwy.

    Wie Kirill Tremassow, Chef der analytischen Abteilung der Bank, erklärte, hat auch die Tatsache eine wichtige Rolle gespielt, dass die internationale Investitionsbank Morgan Stanley im Mai den Anteil Russlands an ihrem Index der Entwicklungsmärkte MRCI von 3,7 auf 4,3 Prozent angehoben hat.

    „Auf diesen Index orientieren sich alle globalen Investmentfonds bei der Konzipierung ihrer Strategie, und für sie war die Veränderung des Anteils Russlands ein Signal dafür, ihre Investitionen zugunsten der russischen Aktiva umzuverteilen“, stellte Tremassow fest.

    Experten sehen keine Faktoren, die in der Lage wären, die Tendenz zu einer Vergrößerung des Investitionszustroms in die russischen Aktiva zu stören. Der Umfang der Direktinvestitionen im 1. Quartal dieses Jahres ist, so Tremassow, um 30 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen. „Zwar sind die absoluten Zahlen (der Zuwachs betrug 2,5 Milliarden Dollar) gering, doch ist die Tendenz zum Investitionswachstum offensichtlich, und diese Tendenz ist für Russland positiv“, stellte der Experte abschließend fest.

    “Trud“

    Russland und China beginnen mit Bau eines schwimmenden AKW

    Russland und China haben einen Vertrag mit einem Wert von 86,5 Millionen Dollar über den Bau des ersten schwimmenden Atomkraftwerks der Welt unterzeichnet. Das teilte Wladimir Urywski, stellvertretender Ressortleiter der Föderalen Agentur für Atomenergie, in einem am Donnerstag in der Zeitung „Trud“ veröffentlichten Interview mit.

    Die chinesische Seite wird die Außenhülle des Kraftwerks und die russische den Reaktorblock bauen, führte er weiter aus. Das Atomkraftwerk wird ein neunstöckiges schwimmendes Haus darstellen. Es wird 140 Meter lang und 30 Meter breit sein sowie eine Wasserverdrängung von 21 000 Tonnen haben.

    Das Kraftwerk soll in Sewerodwinsk (Gebiet Archangelsk) stationiert werden. Es wird den Rüstungsbetrieb Sewmasch mit Strom und Heizung versorgen. Die projektierte Leistung beträgt 70 Megawatt und die maximale Wärmeleistung 150 Gigakalorien pro Stunde. Dies würde für eine Stadt mit 200 000 Einwohnern ausreichen. Der Bau soll im nächsten Jahr beginnen und 2011 abgeschlossen werden.

    Wie Urywski weiter ausführte, soll die Amortisationszeit 12 Jahre betragen. Der Bau wird sechs Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,73 Rubel) kosten. Der Gewinn aus dem Stromvertrieb wird 46 Milliarden Rubel und aus dem Verkauf der Wärmeenergie 61 Milliarden Rubel betragen. Insgesamt soll der Gesamtgewinn während des gesamten Betriebs des AKW über 65 Milliarden Rubel erreichen.

    Im AKW werden ein geschlossener technologischer Zyklus und ein mehrfacher hermetischer Schutz verwendet. Der Reaktorblock hat fünf unabhängige Sicherheitsstufen. Das ist mehr als bei jedem U-Boot oder Eisbrecher. Selbst die ersten stationären AKW hatten einen solchen Schutz nicht. Bei einem Absturz eines Flugzeugs auf den schwimmenden Block wird es nicht zu einem Leck kommen. Die Konstruktion sieht eine 100-prozentige Sicherheitsgarantie vor, betonte Urywski.

    Nach seinen Worten ist im Projekt alles für den Schutz vor einem eventuellen Terrorakt vorgesehen. Schwimmer bzw. beliebige Unterwasserapparate würden in einer weiten Entfernung vom Reaktorblock gestoppt.

    Ein Bedarf an ähnlichen AKW besteht in Sibirien und im Fernen Osten, wo ein Mangel an Energie besteht. Die Leiter der Branche und die Administrationschefs des Autonomen Bezirks der Tschuktschen und des Gebiets Kamtschatka unterzeichneten bereits Absichtserklärungen über die Herstellung solcher AKW. Außerdem bekunden Kanada, Indonesien, Indien und andere Länder Interesse an diesem Projekt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren