23:59 18 Oktober 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Frankreich verleiht einem russischen Regisseur den Staatspreis

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 9 0 0

    MOSKAU, 28. Juli (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti.) Am Mittwoch überreichte der Botschafter Frankreichs in Moskau, Jean Cadet, dem bekannten russischen Theaterregisseur Pjotr Fomenko den Ordre du Commandeur des Arts et des Lettres.

    Diese hohe Auszeichnung erhielt der russische Regisseur für die Inszenierung der Komödie von Alexander Ostrowski „Der Wald“ auf der Bühne der berühmten Pariser Comédie Française. „Die Französische Republik weiß die Laufbahn Pjotr Fomenkos, jene brillanten 40 Jahre zu schätzen, die er dem Theater gewidmet hat“, sagte der französische Botschafter bei der feierlichen Überreichung des Ordens.

    Gerade in diesen Tagen zeigt die Comédie Française im Rahmen des 6. Internationalen Tschechow-Theaterfestivals ihre Inszenierung in Moskau, was das hauptstädtische Publikum in große Aufregung versetzt hat.

    „Die Arbeit war unvorhersagbar und nicht gerade einfach, war Qual und Glück zugleich“, sagt Pjotr Fomenko. „Die Schauspieler der Comédie Française sind sehr unterschiedlich: solche, die schon einer vergangenen Zeit angehören, aber auch solche, die auf die Zukunft orientiert sind.“

    „Der Wald“ handelt von den Lebenssitten des russischen Adels der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, von einer Zeit der Wende, da sich die genauen Grenzen zwischen den Ständen verwischten. Das Stück wird auf der Bühne des Moskauer Künstlertheaters „Tschechow“ gespielt und ist seit langem ausverkauft: Das Gastspiel des großen französischen Theaters mit einer Arbeit von Pjotr Fomenko ist für die Theaterliebhaber eine viel zu große Versuchung. Gespielt wird auf Französisch, aber die Lieder dazu sind russisch - allerdings mit französischem Akzent.

    Das zeremonielle, akademische, durch und durch klassische französische Theater vermittelt den Geist eines russischen Adelsnestes, die russischen Leidenschaften, die innere Unrast und den ewigen Drang zum Philosophieren. All das geht Fomenko nahe, ebenso wie seinem Theater in Moskau („Pjotr-Fomenko-Werkstatt“), in dem russische Klassik - Tolstoi und Puschkin - gespielt wird.

    Er haucht den „Lesebuchstücken“ einen neuen Lebenshauch ein, transponiert sie in das Idiom des Heute. Zum typischen Fomenko-Stil (er hat über 60 Stücke in Moskau, Sankt Petersburg, Tbilissi, Salzburg, Paris und Wroclaw auf die Bühne gebracht) gehören Aktualität, Gedankentiefe, Sinnlichkeit und Distinguiertheit. Seit Mitte der 60er Jahre inszenierte er auf diversen Bühnen Stücke, die in ihrer Einstellung zur russischen Wirklichkeit schonungslos, krass und zugleich von kameralistischem Sinn sind.

    Seit 1990 ist Pjotr Fomenko mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: unabhängigen, Berufs- und (den höchsten) Staatspreisen. Gewöhnlich arbeitet er mit Schauspielern, die er selbst ausgebildet hat. In den Theater- und Zuschauerkreisen genießt Fomenko den Ruf des „Stanislawski von heute“.

    Die Comédie Française hatte bereits russische Regisseure eingeladen. Vor einigen Jahren inszenierte ein weiterer namhafter russischer Regisseur, Anatoli Wassiljew, in Paris „Maskerade“ von Michail Lermontow. Die gegenwärtige Gemeinschaftsarbeit des Moliere-Hauses und Pjotr Fomenkos wird in hohem Grad die Zukunft der russischen-französischen Zusammenarbeit im Theaterwesen bestimmen.