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    Probleme mit dem Shuttle und die russisch-amerikanische Zusammenarbeit in der Raumfahrt

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    MOSKAU, 28. Juli (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Der "Discovery"-Flug ist allem Anschein nach für das amerikanische Raumfährensystem "Space Shuttle" in absehbarer Zukunft der Letzte.

    Nach der Auswertung der Fotoaufnahmen, die zeigen, wie sich ein Bruchstück der Wärmeisolierungsschicht vom äußeren Treibstoffbehälter der Orbitalstufe löst, hat die NASA-Führung beschlossen, die Shuttle-Flüge für unbestimmte Zeit auszusetzen.

    "Wir können nicht fliegen, solange die Gefahr nicht beseitigt ist", sagte der Leiter des Programms "Space Shuttle", Bill Parsons. "Solange wir nicht vorbereitet sind, werden wir auch nicht fliegen", stellte er fest. "Ich weiß nicht, wann dies geschehen kann. Wir haben eben erst mit einer Analyse der Situation begonnen."

    Tatsächlich wäre es heute verfrüht, über die technische Seite der Angelegenheit zu sprechen: Die Auswertung der Fotobilder, die von der Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) bei der für den 28. Juli vorgesehenen Ankopplung des Shuttle an den Orbitalkomplex aufgenommen wurden, macht es mit einem hohen Wahrscheinlichkeitsgrad möglich, den Zustand der "Discovery" zu bewerten, und weist möglicherweise auf die Ursachen für das wiederholte Losreißen von Teilen der Wärmeisolierungsschicht hin, das die Sicherheit des Raumschiffes bedroht.

    Doch die Perspektiven der russisch-amerikanischen Zusammenarbeit nach dem ISS-Programm lassen sich schon heute - im Hinblick auf das ungewisse Schicksal der Shuttles insgesamt - einschätzen.

    Das ISS-Programm, das heute im Bereich der bemannten Raumfahrt das Umfassendste ist, hat sich auf die transportseitige Absicherung durch USA-Shuttles und russische "Sojus"-Schiffe gestützt. Hierbei waren die Abmessungen vieler Segmente der Raumstation, so des russischen perspektivischen Mehrzweck-Labormoduls FGB-2, ursprünglich gerade für die Beförderung durch amerikanische Raumfähren ausgelegt.

    Nach dem Unglück mit dem Raumschiff "Columbia" vor zweieinhalb Jahren wurde das gesamte ISS-Programm fast völlig eingefroren, wobei die Tätigkeit der reduzierten zweiköpfigen Besatzung auf die elementare Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit der Raumstation beschränkt wurde, was nur bemannt möglich ist. Dabei verlagerte sich die ganze Last beim Besatzungswechsel und bei der Versorgung auf russische bemannte "Sojus"-Raumschiffe und automatische "Progress"-Raumtransporter.

    Die Situation hat sich dadurch noch verkompliziert, dass mit dem Ausklingen dieses Jahres auch die vertraglichen Verpflichtungen Russlands zur Beförderung amerikanischer Astronauten zur ISS ablaufen. Also werden unsere Partner ab Januar 2006 für Plätze in "Sojus"-Raumschiffen zahlen müssen, wenn sie sich entscheiden, ein russisches Schiff in Anspruch zu nehmen. Und sie werden dies, angesichts der heutigen Realitäten, unbedingt tun wollen.

    Wie NASA-Direktor Michael Griffin eingestand, werden die USA den Orbitalkomplex ohne Russland nicht effektiv nutzen können. Und zwar nicht nur wegen der technischen Störungen in der "Discovery".

    Das Problem besteht darin, dass das amerikanische "Gesetz über die Nichtweiterverbreitung von Raketentechnologien" hinsichtlich Irans aus dem Jahre 2000 der NASA verbietet, Zahlungen an Roskomsos zu leisten oder mit dieser Agentur Waren und Leistungen nach dem ISS-Programm auszutauschen, bis die USA-Administration den Kongress davon überzeugen kann, dass aus Russland keine Raketentechnologien nach Iran gelangen.

    Die Amerikaner scheinen sich der Schwäche der Shuttles bewusst zu sein. Zugleich demonstrieren sie ihr Festhalten an dem ISS-Programm. Deshalb haben Michael Griffin und US-Außenministerin Condoleezza Rice Mitte Juli in einem Schreiben an die amerikanischen Gesetzgeber gebeten, an dem genannten Gesetz Änderungen vorzunehmen.

    Sollten diese vorgenommen werden, wird sich die russisch-amerikanische Zusammenarbeit beim ISS-Programm zu kommerziellen Bedingungen entwickeln können. Und die russische Raumfahrtbranche wird dann die übermäßige finanzielle Belastung bei der Versorgung der ISS los, die sie nach der "Columbia"-Katastrophe tragen musste.

    Wenn nicht, dann wird Russland seine Pläne auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt ändern müssen. Aber Russland und die USA sind als zwei führende Raumfahrtmächte zur Zusammenarbeit "verdammt".

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